Gladbachs Martin Stranzl (2. v. l.) erzielte in Fürth sein zweites Saisontor © getty

Gladbach besteht den Charaktertest in Fürth und pirscht sich an die internationalen Ränge heran. Ein Fürther bleibt optimistisch.

Von Christoph Lother

München - Lucien Favre riss die Fäuste in den Fürther Abendhimmel, als die Zitterpartie der Fohlen endlich ein Ende hatte.

Erst mit dem von Thorben Marx in der Nachspielzeit verwandelten Handelfmeter war der 600. Bundesliga-Sieg in der Geschichte von Borussia Mönchengladbach perfekt.

Doch das 4:2 (1:2) gegen die seit der zwölften Minute in Unterzahl spielenden Gastgeber der SpVgg Greuther Fürth war keinesfalls ein Glanzstück in der Trainer-Ära Favre (Bericht).

"Fürth ist eine sehr unangenehme Mannschaft. Hier zu gewinnen, war wichtig", sagte Favre.

"Das war ein wichtiger Auswärtssieg, wieder mal. Die Mannschaft hat Moral bewiesen, wieder mal", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl: "Wenn du in Unterzahl spielst, kann es sein, dass du dich schwer tust. Die Punkte sind ein großer Schritt nach vorne und tun sehr gut."

Stolzer ter Stegen atmet auf

Der Borussia war es letztlich egal, wie der zweite Auswärtssieg in Folge zustande gekommen war (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wie schon beim 3:2 in Hannover hatten die Fohlen einen Rückstand aufgeholt und rücken mit 16 Punkten langsam vor in Richtung Europapokal-Plätze.

"Wir haben Charakter bewiesen", sagte Gladbachs Torhüter Marc-Andre ter Stegen.

Der von Bundestrainer Joachim Löw nicht für das Länderspiel gegen die Niederlande berufene Nationaltorhüter leistete sich im Gegensatz zu den Vorwochen nur einen Wackler, der ohne Folgen blieb, und zeigte ansonsten eine gute Leistung.

Turbulente Partie am Ronhof

In einer turbulenten ersten Halbzeit überschlugen sich vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion zwischenzeitlich die Ereignisse, wobei vor allem die zuhause weiter sieglosen Fürther durch ein Wechselbad der Gefühle gingen.

Nach dem Führungstreffer von Bernd Nehrig per Foulelfmeter erwies ausgerechnet der Ex-Gladbacher Thomas Kleine den "Kleeblättern" einen Bärendienst, als er nach einer Notbremse gegen Patrick Herrmann die Rote Karte sah (12.).

Doch auch in Unterzahl hatte die Mannschaft von Trainer Mike Büskens die richtige Antwort auf den Ausgleich durch Oscar Wendt (22.). Edgar Prib (43.) nutzte den kollektiven Tiefschlaf der Gladbacher Hintermannschaft zur erneuten Führung ( 636788 DIASHOW: Der 11. Spieltag ).

Fürths Kampf bleibt unbelohnt

Gladbach bewies allerdings wie schon beim 2:2 in letzter Minute in der Europa League bei Olympique Marseille gute Nerven und Köpfchen.

Wie schon Wendt waren Martin Stranzl (51.) und Herrmann (57.) mit einem Kopfball erfolgreich und stellten die Weichen damit frühzeitig auf Sieg.

Die tapfer kämpfenden Gastgeber sorgten aber dafür, dass sich die Borussia bis in die Schlussminuten des Dreiers nicht sicher sein konnte.

Gladbach kontrollierte zwar das Spiel, ließ aber vor allem in der letzten Viertelstunde zu viele Fürther Chancen zu. Letztlich fehlte Fürth das nötige Quäntchen Glück, um noch zum Ausgleich zu kommen.

Kleine hadert mit Elfmeter-Pfiff

"Die Tore in der zweiten Hälfte dürfen nicht so früh fallen", sagte Fürths Stephan Fürstner: "Aber das ist die erste Liga, da wird jeder Fehler bestraft."

Rotsünder Kleine war nach dem Abpfiff verärgert und entschuldigte sich umgehend bei den Kollegen, für den Platzverweis zeigte er allerdings nur wenig Verständnis.

"Er kommt mit seiner Hacke vor mein Knie, ich war noch nicht mal der letzte Mann - für mich war das keine Rote Karte", so der Innenverteidiger.

Mavraj trotz Niederlage zuversichtlich

Kleines Nebenmann, Kapitän Mergim Mavraj, nimmt indes trotz der Niederlage "viel Positives" für den Tabellenvorletzten mit aus der Partie: "So spielt keine Mannschaft, die letztendlich absteigt."

Allerdings bleibt auch keine Mannschaft in der Liga, die ihre Heimspiele nicht gewinnt.

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