Rene Adler (2.v.l.) wechselte im Sommer von Bayer Leverkusen zum Hamburger SV © getty

Nach dem Platzverweis des Österreichers rettet der DFB-Rückkehrer dem HSV einen Punkt in Freiburg, fliegt dann aber fast selber.

Freiburg - Paul Scharner wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte.

"Super dumm gelaufen. Danke an die Jungs dass sie so hervorragend gekämpft und verdient den Punkt mitgenommen haben", twitterte der Österreicher nach dem 0:0 des Hamburger SV beim SC Freiburg (Bericht).

Denn die Startelf-Premiere des Neuzugangs ging in die Hose.

Dabei hatte Scharner noch am Freitag den zahlreichen Medienvertretern erklärt, wie er den HSV ändern wolle.

"Wir stehen als Mannschaft noch zu tief. Ich werde versuchen, darauf einzuwirken, dass wir höher stehen, um den Gegner stärker unter Druck zu setzen", verkündete er unter anderem.

Schon nach 35 Minuten vom Platz

Doch die Realität im Breisgau sah so aus, dass der Abwehrspieler zweimal in kurzer Folge zu spät kam und schon nach 35 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz musste.

Bis dahin waren die Gäste vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Freiburger Stadion die dominierende Elf gewesen, nun aber schlug wieder die Stunde des Hamburger Retters vom Dienst: Rene Adler.

Einen Tag nach seiner überraschenden Rückkehr in die Nationalmannschaft sicherte der Keeper trotz anfänglicher Unsicherheiten wieder Mal mit zahlreichen Paraden einen Punkt für die Hanseaten.

Tätlichkeit in der Schlussminute

Doch in der Schlussminute hätte das phasenweise hitzige Duell beinahe noch eine weitere unerwartete Wende genommen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Denn Adler ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen den Freiburger Max Kruse hinreißen.

"Ich habe ihn getroffen, aber es war keine Absicht. Ich wollte ihn auf keinen Fall schlagen", sagte der Keeper.

Tatsächlich hätte man seine Armbewegung als Schlag deuten können, doch Schiedsrichter Günther Perl beließ es zum Glück für Adler bei der Gelben Karte.

Oder wie HSV-Trainer Thorsten Fink es ausdrückte: "Rene hat im Moment einfach einen Lauf." ( 636788 DIASHOW: Der 11. Spieltag ).

"Wollte nur ein bisschen schlichten"

"Ich wollte ihn eigentlich nur wegschieben und ein bisschen schlichten", erklärte Adler, der allerdings zugab, dass es "etwas dumm war, dass ich da überhaupt so weit aus meinem Tor zu komme".

Doch die Dummheit blieb ohne Platzverweis, der früher zur Streichung aus dem DFB-Kader geführt hätte. So aber kann der neue HSV-Star zum Länderspiel nach Amsterdam reisen.

"Es ist schon bisschen wie im Märchen, wenn man bedenkt, wo ich vor einem halben Jahr war, wie es mir da ging und wo ich jetzt stehe", sagte Adler strahlend.

"Dass ich jetzt wieder zur Nationalmannschaft darf, ist nicht alltäglich. Es macht mich stolz, dass ich jetzt eingeladen wurde."

Bewährungschance schon gegen Holland?

Und auch, wenn Bayern-Keeper Manuel Neuer die klare Nummer 1 im deutschen Tor bleiben wird, könnte Adler gegen die NIederlande eine Bewährungschance bekommen.

Ansprüche stellt er aber nicht.

"Ich freue mich erstmal, dass ich überhaupt wieder mittrainieren und mich zeigen darf", erklärte der 27-Jährige: "Wenn ich dann wirklich zum Einsatz komme, wäre es natürlich ein Traum."

Fink bescheinigte seinem Schützling eine "Bombenform". Adler hätte sich die Nominierung "mit seiner Leistung ganz alleine erarbeitet".

Sollte sein Torwart in der niederländischen Metropole zum Einsatz kommen, wünscht sich Fink zwei Dinge: "Er soll nur eine Halbzeit spielen - und zu Null."

Van der Vaart will "einen einschenken"

Diesen Wunsch könnte ausgerechnet Rafael van der Vaart zunichte machen.

Für das Duell am Mittwoch kündigte der Regisseur des HSV schonmal einen Treffer gegen seinen Teamkollegen an.

"Wenn er spielt, ist es klar, dann schenk ich ihm einen ein", sagte van der Vaart und lächelte.

Auch sonst war der Holländer trotz der Kräfte zehrenden 55 Minuten Unterzahl nach dem Punktgewinn gut drauf.

"Ich habe noch nie in meinem Leben soviel gegrätscht wie hier", meinte "VdV" bei LIGA total!.

"Aber es war auch schönes Wetter dafür."

Schlechte Stimmung in Freiburg

Schlechte Stimmung herrschte dagegen bei den Gastgebern ob der zahlreichen vergebenen Chancen.

"Nach dem Platzverweis haben wir es erst nicht gut gemacht, das wurde dann die letzten 25 Minuten besser", monierte Trainer Christian Streich.

"Aber wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Deswegen hat der HSV verdient einen Punkt geholt."

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