Thomas Tuchel (l.) ist seit 2009 Trainer beim FSV Mainz 05 © getty

Der Mainzer Trainer will sich nach dem Nürnberg-Sieg beim DFB über den vierten Offziellen beschweren. Auch Heidel schimpft

Mainz - Kurz nach dem Abpfiff gab Thomas Tuchel seinem 90-minütigen Intimfeind mit ausgestrecktem Zeigefinger zu verstehen, dass er für ein neues Kapitel im Konflikt zwischen Trainern und Schiedsrichtern gesorgt hat.

"Ich habe ihm gesagt, dass ich einen Bericht über ihn schreiben werde", kommentierte der zornige Coach des FSV Mainz 05 die Szene nach dem 2:1 (2:1) am Freitagabend gegen den 1. FC Nürnberg (Bericht), in der er zum wiederholten Mal mit dem 4. Offiziellen Martin Petersen aneinandergeraten war.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Schiedsrichter-Abteilung des DFB darf sich auf Post von Tuchel freuen, weil sich der Coach von dem Unparteiischen aus Stuttgart in der Ausübung seines Berufs behindert gefühlt hatte. ( 636788 DIASHOW: Der 11. Spieltag )

"Ich bin in arroganter und abfälliger Art in der Coaching-Zone an meiner Arbeit gehindert worden, das werde ich nicht mehr hinnehmen", sagte Tuchel:

"Die Schiedsrichter haben in so einem Fall das Mittel, einen Bericht zu schreiben, und das werde ich jetzt selber einmal nutzen."

"Das war über alle Maßen zuviel"

Tuchel wollte sich zwar nicht dazu äußern, was konkret vorgefallen ist ("Das mache ich nicht öffentlich"), dennoch redete der Trainer Klartext.

"Wenn ich mich so benehmen würde, wie er sich mir gegenüber benommen hat, hätte ich jede Woche einen Eintrag im Spielbericht", sagte Tuchel über den 27 Jahre alten Referee:

"Es geht nicht um das Prinzip des 4. Offiziellen. Es geht darum, dass ich coachen will. Wenn mich der vierte Mann daran hindert, ist das nicht hinnehmbar. Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Sein Verhalten war nicht deeskalierend, ganz das Gegenteil. Das war über alle Maßen zuviel."

Auch Heidel verärgert

In die gleiche Kerbe wie sein als heißblütig bekannter Trainer schlug der Mainzer Manager Christian Heidel.

"Das Verhalten des 4. Offiziellen war an Arroganz kaum zu überbieten. So etwas habe ich noch nie erlebt. Er war fast die ganze Zeit in unserer Coaching-Zone. Diejenigen, die rechts saßen, konnten gar nichts mehr sehen. Ich musste ihn darauf hinweisen, wo sein Arbeitsplatz ist", äußerte Heidel, der für eine neue Strategie bei der Auswahl der 4. Offiziellen plädierte:

"Der vierte Mann soll an der Seitenlinie beruhigen, das sollten erfahrene Schiedsrichter übernehmen."

Kinhöfer will Situation analysieren

Ein überaus erfahrener Referee stand am Freitagabend auf dem Platz.

Und obwohl FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer von den Vorfällen an der Seitenlinie nichts mitbekommen haben will ("Ich weiß nicht, was da draußen passiert ist"), war dem 44-Jährigen offenbar bewusst, das etwas schiefgelaufen ist.

"Wir werden darüber sprechen, es analysieren und gucken, was wir zukünftig besser machen können", sagte Kinhöfer.

Balitsch: Arrogantes Gespann

Allerdings musste Kinhöfer nicht nur seinen jungen Kollegen in Schutz nehmen, er selbst stand auch in der Kritik.

"Das war vom Gespann an Arroganz nicht zu überbieten, da hat sich keiner etwas gegeben", sagte der Nürnberger Hanno Balitsch, der nach seiner Auswechslung auf der Bank wegen Meckerns seine fünfte Gelbe Karte kassiert hatte und damit gegen Bayern München gesperrt ist.

Den Vorwurfs von Balitsch wies Kinhöfer entschieden zurück. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht arrogant bin und den Dialog mit den Spielern suche", äußerte der Schiedsrichter:

"Nur wenn man ständig angesprochen wird, ständig kritisiert wird, und ständig versucht wird, Meinung zu machen, dann ist das Fass voll und dann schaltet man auch ab."

Pleite für Hecking im Jubiläumsspiel

Fußball war vorher übrigens auch gespielt worden.

Doch dass die Mainzer den sechsten Erstliga-Heimsieg gegen den Club in Folge feierten und der Nürnberger Coach Dieter Hecking bei seinem 200. Bundesligaspiel eine Niederlage kassierte, interessierte kaum jemanden.

Dieses Schicksal teilten die Torschützen.

Nicolai Müller (12.) und Andreas Ivanschitz (21.) sorgten vor 31.390 Zuschauern dafür, dass der FSV den vierten Heimsieg in Folge verbuchte.

Auf der anderen Seite änderte der Treffer von Per Nilsson (40.) nichts an der vierten Auswärtspleite der Franken in Folge.

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