Bruno Hübner (l.) ist Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt
Bruno Hübner (l., hier mit Coach Armin Veh) ist seit Sommer 2011 Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt © imago

Vor dem Hit gegen die Bayern spricht Frankfurts Sportchef Bruno Hübner bei SPORT1 über die neue Eintracht und Trainer-Parallelen.

Von Reinhard Franke

München - Er genießt die aktuelle Situation in vollen Zügen.

Der Erfolg von Eintracht Frankfurt ist ganz eng mit dem Namen von Sportdirektor Bruno Hübner verknüpft.

Als Spieler hatte er nicht die ganz große Karriere, spielte für den 1. FC Kaiserslautern und den SV Wehen. Nach Stationen als Sportdirektor bei Wehen Wiesbaden und dem MSV Duisburg heuerte Hübner 2011 bei der Eintracht an - und fand sein Glück.

Mit Trainer Armin Veh bildet der 51-Jährige ein Erfolgsduo, stieg aus der Zweiten Liga in die Bundesliga auf.

Und dort ist die Eintracht als Tabellendritter die Überraschung der Saison. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor dem Topduell beim FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Hübner im SPORT1-Interview über den Saisonverlauf, Frankfurts Youngster Sebastian Rode und Sebastian Jung - und gerät bei Veh ins Schwärmen.

SPORT1: Herr Hübner, die Eintracht ist das Überraschungsteam der Saison. Fährt man da mit einem anderen Selbstwert-Gefühl zu den Bayern?

Bruno Hübner: Wir haben nach zehn Spieltagen 20 Punkte auf dem Konto, haben mit der Mannschaft wirklich etwas erreicht. Die Truppe glaubt an sich, wir haben gute Charaktere im Team. Natürlich treffen wir auf einen übermächtigen Gegner, aber wir wollen auch in München unseren Offensiv-Fußball zeigen und mutig auftreten.

SPORT1: Platz drei, doch die Spieler machen auf Understatement und reden vom Ziel Klassenerhalt. Bremsen Sie das Team in der Euphorie?

Hübner: Nein. In Frankfurt gab es in den letzten beiden Jahren nicht unbedingt eine große Euphorie nach dem Abstieg 2011. Wir sagen den Jungs, dass wir die Begeisterung ruhig ausleben können. Wer weiß, wie es in einigen Wochen aussieht. Aber die Spieler sind natürlich auch vorsichtig, weil sie wissen, dass wir Aufsteiger sind.

SPORT1: Sie sind mit Trainer Armin Veh der Baumeister der neuen Eintracht. Bei Ihren letzten Stationen wurden Sie noch nicht so richtig wahrgenommen.

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Hübner: Es stimmt, dass ich in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit nicht so im Fokus stand. Ich habe aber Wehen Wiesbaden als Manager von der Regionalliga in die Zweite Liga geführt, und das war nicht so schlecht. Auch in Duisburg war ich erfolgreich, kam zu einem Zeitpunkt, wo die Mannschaft nach dem Abstieg am Boden lagen. Der Höhepunkt war das Pokal-Finale gegen Schalke.

SPORT1: Jetzt bei der Eintracht blühen Sie so richtig auf?

Hübner: Jetzt macht es mir enorm viel Spaß, weil es mit den handelnden Personen auf der Führungsebene hervorragend funktioniert. Ich kenne Herrn Bruchhagen (Eintracht-Boss, Anm. d. Red.) schon sehr lange - und es ist wie im richtigen Leben: Wenn Du mit Menschen zusammenarbeitest, mit denen du dich gut verstehst, dann macht es einfach Spaß. Mit Armin Veh wollte ich schon immer zusammenarbeiten. Jeder hat bei uns in seinem Bereich sehr viel Erfahrung, kann seine Meinung sagen und wir sind offen für Änderungen, um nach vorne zu kommen. Das ist der Mix, der Eintracht Frankfurt ausmacht.

SPORT1: Sie wollten mit Veh schon immer zusammenarbeiten?

Hübner: Wir haben uns in den letzten Jahren nie aus den Augen verloren. Seine Philosophie, offensiven Fußball zu spielen, hat mir immer gefallen. Veh hat überall, wo er war, eine Handschrift hinterlassen. Wir liegen auf einer Wellenlänge, vielleicht auch, weil wir beide Sternzeichen Wassermann sind. Auch an den freien Tagen telefonieren wir regelmäßig.

SPORT1: Sie schwärmen ja richtig von Veh...

Hübner: Mit ihm macht es einfach Spaß. Er ist als Mensch und als Typ richtig gut. Er hat auf all seinen Trainer-Stationen viele Erfahrungswerte gesammelt und hat eine gewisse Ruhe, steht wie ein Jupp Heynckes über den Dingen. Armin weiß, dass man nicht von heute auf morgen alles verändern kann, dass du aber auch Dinge einfordern musst.

SPORT1: Kann man Veh und Heynckes vergleichen?

Hübner: Ich denke schon. Von ihrer Erfahrung her auf jeden Fall. Wie sie zudem mit Spielern und Medien umgehen, sind sie sich schon ähnlich. Armin war ja unter Jupp Spieler in Mönchengladbach und hat aus seinen Möglichkeiten immer das Beste rausgeholt. Dort, wo er als Trainer gescheitert ist, gab es meistens Probleme mit den handelnden Personen. Es bringt nichts, wenn du auf dem Platz gut arbeitest, und der Vorstand mischt sich immer ins Tagesgeschäft ein.

SPORT1: Kann Veh über 2013 gehalten werden?

Hübner: Ich und der ganze Klub möchten mit Armin weiterarbeiten. Wir sind so verblieben, dass wir uns dann zusammensetzen, wenn wir das Ziel Klassenerhalt erreicht haben. So war es auch in der Zweiten Liga, als der Aufstieg feststand. Ich bin sehr optimistisch, dass wir das hinkriegen.

SPORT1: Wie sieht es mit Ihren Youngstern Sebastian Rode und Sebastian Jung aus?

Hübner: Beide haben noch zwei Jahre Vertrag, und wir wollen sie nicht vorher verkaufen, sondern mit ihnen frühzeitig verlängern. Wenn du so zwei Talente hast, dann beginnt natürlich die Diskussion, aber es ist wichtig, dass wir den Spielern Perspektiven aufzeigen. Sie haben die Entwicklung bei uns genommen und wissen, was sie an der Eintracht haben und umgekehrt. Sie sind charakterlich außergewöhnlich gut und sind integriert in der Region.

SPORT1: Was macht Sie optimistisch, dass die Eintracht gegen Bayern etwas reißt?

Hübner: Die Bayern haben einen unglaublich ausgeglichenen Top-Kader, die hätten gegen Lille auch zweistellig gewinnen können. Aber unsere Mannschaft wächst am Gegner - es ist doch eine schöne Aufgabe, sich mit einem der besten Teams in Europa messen zu können. Wenn du die letzten Ergebnisse der Bayern siehst, dann denken alle, dass wir genauso abgeschossen werden. Also können wir nur gewinnen.

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