Javi Martinez wechselte im August für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao zum FCB © imago

Bayern-Neuzugang Martinez fühlt sich vor dem Spiel gegen Frankfurt immer besser. Dennoch läuft noch vieles an ihm vorbei.

Von Martin Hoffmann undMathias Frohnapfel

München - Geht es nach der Rechnung von Armin Veh, müsste Javi Martinez seine Mannschaft eigentlich ganz allein besiegen. Zweimal.

"Martinez kostete 40 Millionen Euro Ablöse, kriegt eventuell zehn Millionen Euro Gehalt", rechnet der Trainer von Eintracht Frankfurt vor: "Mit diesen 50 Millionen alleine für einen Bayern-Spieler können wir zwei Jahre unsere gesamte Mannschaft finanzieren."

Eigentlich will Veh damit auf das Problem hinweisen, das sein Team hat, wenn es am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) beim FC Bayern zu Gast ist. (DATENCENTER Ergebnisse und Tabellen)

Er weist damit aber zugleich auch auf das Problem von Javi Martinez hin.

Noch nicht recht sichtbar

Sie schwelt noch immer, die Debatte, ob der baskische Rekordtransfer wirklich zwei Eintracht-Mannschaften wert ist.

Offensichtlich ist das den meisten bislang nicht geworden. Das wäre an sich kein Problem, denn Martinez ist als defensiv gesinnter Spyltertyp einer, bei dem die meisten den Beitrag zum Spiel nicht überblicken.

Das Problem ist, dass auch die, die es tun, sehen, dass Martinez sich noch nicht so ganz entfaltet hat.

"Er kann viel mehr"

Jupp Heynckes hat das vergangene Woche offiziell gemacht.

"Javi weiß ganz genau, dass er sich weiter steigern muss, er kann viel mehr", ermahnte der Trainer seinen Star freundlich, aber bestimmt.

Was Präsident Uli Hoeneß bei SPORT1 dann schnell relativierte: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er das bringt, was wir uns von ihm erwarten".

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Lille als Testlauf

Besagte Erwartung kann man in etwa so zusammenfassen: Martinez soll am Ende eine Art Prozessor sein, der das Betriebssystem Bayern auf ein neues Leistungsvermögen beschleunigt.

Noch aber ist dieser Prozessor nicht richtig verlötet: Martinez, der bei seinem alten Klub Bilbao eine Menge Trainingsrückstand angehäuft hat, wartet in der Bundesliga noch auf seinen ersten Einsatz über 90 Minuten.

Die Champions-League-Spiele gegen Lille waren in der Hinsicht Testläufe. Erfolgreiche, wie die Reaktion der Chefs zeigte.

Hoeneß schwärmt

"Gestern ist er durchgestartet", sagte Hoeneß am Donnerstag und schwärmte vor allem von Martinez' Qualitäten als Balleroberer:

"Stealing balls, würde der Engländer sagen, das habe ich als Fachmann gesehen. Das Herz hat mir zum ersten Mal im Leibe gelacht, weil ich das erste Mal gesehen habe, warum wir ihn gekauft haben."

Auch Heynckes freute sich. "Die Leistungskurve geht nach oben, super", betonte der Trainer nach der 6:1-Gala (Bericht), auch Martinez selbst meinte hinterher: "Ich fühle mich jetzt bei Bayern immer besser."

Trotz dieser Beschwichtigungen waren aber auch gegen Lille die Grundprobleme noch offensichtlich. ( 635934 DIASHOW: Bilder des Spiels )

Martinez' Teamkollegen lassen das Spiel noch oft am Neuzugang vorbeilaufen, bisweilen wirkt er auch noch, als hätte er Angst vor der eigenen Courage. Dass er sich so sehr müht, fehlerfrei zu spielen, dass er sich dabei selbst etwas an die Leine legt.

Hinzu kam, dass er bei Lilles Ehrentreffer Salomon Kalou nicht aufhalten konnte. Auch wenn er in der Situation der Pechvogel war, der am sichtbaren Ende einer Fehlerkette stand.

Vorfreude aufs Familientreffen

Hinterher befasste sich Martinez damit nicht mehr, wies stattdessen darauf hin, dass seinem Team "ein wichtiger Schritt" gelungen wäre.

Und dass er sich schon auf die Partie in eineinhalb Wochen in Valencia freue: "Das ist wirklich etwas Besonderes für mich, meine Familie wird da sein."

Man darf davon ausgehen, dass er sich wünscht dass Familie Martinez dann einen Javi in Idealform erlebt.

Gegen die preisgünstigen Frankfurter hat er noch Gelegenheit, sich noch etwas besser in seine bayerische Zweitfamilie zu integrieren.

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