Armin Veh führte Frankfurt in der Saison 2011/2012 zum Aufstieg in die Bundesliga © getty

Eintracht-Trainer Armin Veh ist vor dem Spitzenspiel bei den Bayern stolz auf sein Team, verneint aber ein Duell auf Augenhöhe.

Frankfurt/Main - Als Armin Veh den Presseraum der WM-Arena betrat, staunte er nicht schlecht.

"Hoffentlich sieht man mich gleich überhaupt noch", sagte der Trainer des Bundesligisten Eintracht Frankfurt mit Blick auf die Ansammlung von Mikrofonen vor ihm und lachte.

Besondere Spiele, besondere Rahmenbedigungen bei der Fragestunde zwei Tage vor dem großen Duell.

Die Ernsthaftigkeit kehrte erst zurück, als der 51-Jährige vor den acht Kamerateams und rund 20 Journalisten über das Gipfeltreffen zwischen Tabellenführer Bayern München und seiner Überraschungs-Mannschaft am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) reden sollte.

"Spiel des Jahres haben wir gegen Augsburg"

Das Spiel des Jahres für den famos in die Saison gestarteten Aufsteiger?

Veh schüttelt missmutig den Kopf.

"Das Spiel des Jahres haben wir gegen Augsburg oder Mainz, weil das Konkurrenten sind. Unser Konkurrenz kann nicht Bayern oder Schalke sein", sagte Veh, der als TV-Zuschauer vom 6:1-Kantersieg der Münchner in der Champions League am Mittwochabend gegen den OSC Lille tief beeindruckt war.

"Sie hätten auch zweistellig gewinnen können, sie haben einen richtigen Lauf", sagte er.

Bester Start eines Aufsteigers

Aber auch seine Eintracht strotzt nach dem besten Start eines Bundesliga-Aufsteigers überhaupt vor Selbstvertrauen.

Platz drei, 20 Punkte aus zehn Spielen. Und das mit "Fußball 3000", wie der offensive und lauffreudige Stil der zuletzt etwas schwächelnden Frankfurter gerne beschrieben wird.

"Wir haben es uns mit gutem Fußball verdient, dass es ein Spitzenspiel ist. Die 20 Punkte haben wir nicht zufällig", sagte Veh nicht ohne Stolz auf seine Überflieger. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sieben Punkte als kleine Welt

Wohlwissend, dass trotz der tabellarischen Nähe und "nur" sieben Punkten Rückstand auf den Primus eine kleine Welt zwischen den Mannschaften liegt.

"Die Bundesliga ist richtig gut, aber Bayern ist noch einen Tick über der gesamten Liga. Mit denen können wir uns sowieso nicht richtig messen", sagte der Stuttgarter Meistertrainer von 2007.

Veh rechnet nicht damit, dass sein Team gegen den Rekordmeister ähnlich offensiv auftreten wird wie in den bisherigen Spielen.

"Wahrscheinlich werden wir das nicht so umsetzen können", sagte er der "Bild"-Zeitung und verbildlichte den Unterschied zwischen den Klubs mit dem Verweis auf Münchens Bundesliga-Rekordeinkauf Javi Martinez.

Martinez-Transfer bezeichnend

"Martinez kostete 40 Millionen Euro Ablöse, kriegt eventuell zehn Millionen Euro Gehalt - mit diesen 50 Millionen alleine für einen Bayern-Spieler können wir zwei Jahre unsere gesamte Mannschaft finanzieren", sagte Veh: "Daran sieht man, dass wir da nicht chancengleich sind."

Gespannt ist der gebürtige Augsburger vor allen Dingen darauf, wie sich seine jungen Leistungsträger wie Sebastian Rode und Sebastian Jung gegen die Münchner schlagen werden.

Das seien die Spiele, so Veh, in denen sich die Jungs messen könnten mit den Besten. "Das wird etwas Besonderes für sie."

Tief scheint überwunden

Das kleine Tief scheint die Eintracht nach dem schwachen 1:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth überwunden zu haben. Der Coach will im Training der letzten Tage bei seinen Profis die alte Frische wiederentdeckt haben.

Kapitän Pirmin Schwegler aber machte keinen Hehl daraus, dass ihn die Pfiffe der heimischen Zuschauer nach der Partie gegen den Mitaufsteiger "ein Stück weit" überrascht hätten.

"Entscheidend ist, konstruktive Kritik anzunehmen und unser Spiel weiterzuentwickeln. Die ganzen Nörgler dürfen uns nicht weiter interessieren, wir gehen unseren Weg", sagte Mittelfeldspieler Schwegler im "kicker" und betonte: "Es wäre ein Fehler, sich klein zu machen."

Letzter Sieg in München 2000

Allerdings hat die Eintracht seit November 2000 (2:1) nicht mehr in München gewonnen. Ersetzen muss der deutsche Meister von 1959 wiederum Innenverteidiger Carlos Zambrano (Zehenbruch), für den erneut Vadim Demidov spielt.

Der mit sieben Treffern bislang überragende Torschütze Alexander Meier wird vor dem Gipfeltreffen nicht müde, an das eigentliche Saisonziel der Frankfurter zu erinnern.

"Wichtig ist der Klassenerhalt. Wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte holen. Alles andere ist egal", sagte Meier.

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