Robert Lewandowski (l.) erzielte vergangene Saison 22 Ligatore für den BVB © getty

Der BVB muss nach der Gala in Madrid aufs Tagesgeschäft umschalten. Kapitän Kehl berichtet von grotesken Gedanken in der Kabine.

Von Matthias Becker

München - Jeder Bauherr würde sich darüber freuen:

Wenn die Verantwortlichen des FC Augsburg vor ihre im Juli 2009 eröffnete Fußball-Arena treten, haben sie einen freien Blick ins Grüne.

Wiesen und Äcker umgeben auf drei Seiten das Stadion im Industriegebiet des Ortsteils Haunstetten, am südlichen Rand von Augsburg.

Ob sich die Gäste von Borussia Dortmund am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) über die bayerisch-schwäbische Idylle freuen werden, darf als zweifelhaft gelten.

Umschalten auf Augsburg

Nach der Gala-Vorstellung in der Königsklasse bei Real Madrid müssen die Spieler des deutschen Meisters einen Spagat hinbekommen: (NACHBERICHT: Dortmund mischt Europas Spitze auf )

Eben noch im mondänen Estadio Santiago Bernabeu inmitten der pulsierenden Metropole Madrid gegen Europas Größte geglänzt - und jetzt: in Haunstetten gegen Sebastian Langkamp, Daniel Baier und Co. gefordert.

"Wir haben in der Kabine gleich gesagt: Jetzt am Samstag Augsburg schlagen", berichtete Kapitän Sebastian Kehl in der Nacht von Madrid, wusste aber, wie schwer vorstellbar das war:

"Das hört sich natürlich ein bisschen grotesk an, ist aber so."

"...sonst fährt der Zug ohne uns ab"

Es bleibt dem BVB ja auch keine andere Möglichkeiten, als das Umschalten auf den Liga-Alltag zu meistern, schließlich hinkt der Titelverteidiger seinen nationalen Ansprüchen meilenweit hinterher. (DATENCENTER: Bundesliga)

"Wir wollen in der Liga natürlich deutlich mehr zeigen als bisher. 16 Punkte aus zehn Spielen sind viel zu wenig. Da werden wir uns dran machen, dass das viel besser aussieht", kündigte Mats Hummels im Gespräch mit SPORT1 an. (INTERVIEW: Mats Hummels zum Real-Spiel)

[kaltura id="0_ig5r9tvh" class="full_size" title="Hummels bl st zur Aufholjagd"]

"Wir müssen in der Bundesliga endlich wieder Anschluss finden, sonst fährt der Zug ohne uns ab", warnte Kehl.

"Das wäre fatal. Denn wir haben uns nicht vorgenommen, diese Saison in der Champions League weit zu kommen und die Bundesliga schleifen zu lassen."

Casillas wundert sich

Auf Dauer würden die spektakulären Auftritte in Europas Königsklasse auch nicht über die Defizite im Tagesgeschäft hinwegtäuschen. (PRESSESTIMMEN: "Alles was gut war, war deutsch")

Vor allem nicht, da die Mannschaft auf internationaler Bühne immer wieder zeigt, was wirklich in ihr steckt.

"Ich verstehe nicht, warum Dortmund in der Liga nicht besser dasteht. Sie haben eine große Mannschaft", wunderte sich Real-Keeper Iker Casillas nach der Begegnung mit dem BVB.

Konzentrations- und Motivationsaufgabe

Casillas ist es allerdings auch seit Beginn seiner Karriere gewohnt, einen Anspruch zu erfüllen, der für die jungen Borussen neu ist: Während der Woche gegen die Besten der Besten bestehen - und am Wochenende als klarer Favorit möglichst alle Liga-Konkurrenten dominieren.

Mannschaften wie Real, Manchester United oder der FC Bayern München sehen sich damit schon seit Jahrzehnten konfrontiert.

Wenn von Doppelbelastung die Rede ist, geht es häufig um jene Konzentrations- und Motivationsaufgabe - die körperliche Belastung ist dagegen leichter zu beherrschen.

"Wir werden beißen"

Dortmunds Bilanz nach den bisherigen Champions-League-Spielen dieser Saison ist gemischt. (DATENCENTER: Die Champions League)

Nach dem Heimsieg gegen Ajax zum Auftakt setzte es in Hamburg die erste Saisonniederlage. Dem 1:1 bei ManCity folgte ein 1:1 in Hannover, dem Heimsieg gegen Real immerhin ein 2:0 beim SC Freiburg.

Nun also Augsburg, Tabellenletzter mit nur sechs Punkten. "Wir werden jetzt beißen und in der Bundesliga punkten", versprach Trainer Jürgen Klopp, sorgt sich aber auch um seinen Kader:

"Diese Belastung ist kein Kindergeburtstag."

Pause für Kehl?

Denkbar deshalb, dass Spieler wie Kehl, der in Madrid wegen seines angebrochenem Nasenbeins 90 Minuten mit einer Schutzmaske durchspielte, eine Pause bekommen.

Sven Bender konnte in Madrid erstmals seit seiner Muskelverletzung zumindest eingewechselt werden und stünde als Vertretung bereit.

Zu großes Risiko wird Klopp aber sicher nicht eingehen. Denn eines ist nicht nur Neven Subotic klar:

"Augsburg wird nicht sagen: 'Hey, das war wirklich toll am Dienstag. Hier bekommt ihr ein paar Punkte umsonst.'"

Weiterlesen