Seit Oktober 2011 ist Thorsten Fink Trainer beim Hamburger SV © getty

Coach Fink will den HSV endlich aus seinem Dornröschen-Dasein erwecken. Das Team steht in der Pflicht. Son will in die Königsklasse.

Von Julian Buhl

München - Die deutschen Topklubs durften sich in dieser Woche auf der internationalen Fußballbühne auf allerhöchstem europäischem Niveau beweisen.

Dem Hamburger SV blieb dabei mal wieder nur die Zuschauerrolle.

Statt in der Champions League mit Real Madrid oder dem FC Arsenal die Kräfte zu messen, mussten einige HSV-Profis in einem Nachholspiel der Regionalliga gegen Werder Bremen II antreten.

Um Spielpraxis zu sammeln, standen Jeffrey Bruma, Gojko Kacar und Paul Scharner bei der 2:3-Pleite im Nachholspiel der U-23-Auswahl des HSV in der Startformation. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

HSV im Dornröschenschlaf

Der Hamburger SV reklamiert immer wieder für sich, in Europa-Pokal-Wochen schon bald nicht mehr als Beobachter, sondern als aktiver Teilnehmer in Erscheinung treten zu wollen.

Zuletzt spielten die Hamburger in der Saison 2009/10 in der Europa League - und schieden dort (gegen Fulham) genau wie im Jahr zuvor (gegen Bremen) erst im Halbfinale aus.

Seit drei Jahren befindet der vermeintliche Fußballriese sich mittlerweile in seinem europäischen Dornröschenschlaf. Trainer Thorsten Fink will den HSV nun wachküssen und nicht im grauen Mittelmaß versinken.

"Mittelmaß nicht der Anspruch"

"Mittelmaß kann nicht der Anspruch des HSV sein. Und es ist auch nicht mein Anspruch", so Fink. "Unter diesen Druck setze ich mich selbst ganz bewusst. Wir wollen mit dem HSV wieder nach oben."

[kaltura id="0_9c5ybpzh" class="full_size" title="Breitner fordert Adler"]

Für die laufende Spielzeit hat der HSV, das Erreichen des internationalen Geschäfts als Ziel ausgegeben.

"In zwei, drei Jahren wollen wir auch die Champions League anpeilen", konkretisiert Fink.

Trend zeigt nach oben

Momentan liegen der Anspruch des Traditionsvereins und die in der Bundesliga-Tabelle abgebildete Realität allerdings noch weit auseinander.

Nach einem katastrophalen Saisonstart mit drei Niederlagen in Folge und dem DFB-Pokal-Aus beim Drittligisten Karlsruher SC hat sich beides zuletzt allerdings wieder etwas angenähert. Momentan ist Hamburg Neunter.

Beim 0:3 gegen den FC Bayern bekam die Fink-Elf zwar erwartungsgemäß ihre Grenzen aufgezeigt, insgesamt zeigt der Trend aber klar nach oben.

Unter der Regie des aus England zurückgekehrten Mittelfeld-Lenkers Rafael van der Vaart holten die Hanseaten in den sechs Partien zuvor 13 Punkte.

Bewährungsproben stehen an

Ebenso wichtig wie der Niederländer für das Offensivspiel des HSV ist Torhüter Rene Adler für den Defensiv-Verbund.

"Wir müssen jetzt den Kopf frei bekommen. Denn mit Freiburg, Mainz und Düsseldorf haben wir nun Gegner, mit denen wir auf Augenhöhe sind. Die können und sollten wir schlagen", sagte Adler, als er die Bayern-Pleite gerade etwas verdaut hatte.

Der wiedererstarkte ehemalige Nationaltorhüter hält momentan überragend, dirigiert darüber hinaus seine Vorderleute und trägt so entscheidend zur neugewonnenen Stabilität der HSV-Abwehr bei.

In den kommenden Bundesligapartien hat der Hamburger SV nun die Gelegenheit, seine internationalen Ambitionen zu untermauern.

"Es liegen jetzt Wochen der Wahrheit vor uns. Danach können wir dann wohl sehen, wohin der Weg führen kann", stellt auch Abwehrmann Dennis Aogo fest.

Son: "Ziel ist die Champions League"

"Mein Ziel ist die Champions League", sagt gegenüber der "Sportbild" Torjäger Heung-Min Son.

Mit fünf Saisontoren ist der Südkoreaner der bislang beste HSV-Torschütze und soll mit seinen starken Leistungen unter anderem den FC Liverpool und den FC Arsenal auf sich aufmerksam gemacht haben.

"Seine Zukunft liegt bei uns", sagt Fink jedoch dazu und rät dem 20-Jährigen öffentlich, sich zumindest noch zwei, drei Jahre beim HSV weiterzuentwickeln.

Vielleicht ist der schlafende Riese bis dahin ja wieder erwacht.

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