Klaus Allofs ist seit Juli 1999 Geschäftsführer Sport bei Werder Bremen © imago

Bremens rote Zahlen zwingen Werder zu kurzfristigem Erfolg, sonst droht ein erneuter Umbruch. Das Minus kann abgefangen werden.

Bremen - Als Klaus Allofs die Bühne verließ, blieben die Mitglieder des Bundesligisten cool.

Von schlechter Stimmung oder gar Angst war in der kleinen Werder-Turnhalle im Bremer Stadtteil Peterswerder trotz des Rekordverlustes von 13,9 Millionen Euro keine Spur.

Eines machen die tiefroten Zahlen aber deutlich: Will Werder Bremen einen weiteren personellen Umbruch wie im Sommer vermeiden, ist eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb Pflicht.

Aktuell sind die Bremer in der Liga Tabellensiebter (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Kein Grund zur Panik"

"Wir fühlen uns nicht wohl in unserer Haut und hätten gerne ein anderes Ergebnis präsentiert, aber das ist kein Grund zur Panik", sagte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs am Montagabend, nachdem er das größte Minus in der Bremer Vereinsgeschichte präsentiert hatte.

Im Vergleich zum Vorjahr, als Werder mit 8,2 Millionen Euro noch den zweithöchsten Gewinn eingefahren hatte, brach der Umsatz um 24,3 Millionen Euro ein.

100-Millionen-Euro-Marke verfehlt

Die Marke von 100 Millionen Euro, erstmals 2006/07 überschritten und seither jeweils deutlich übertroffen, wurde mit 95,6 Millionen Euro nun klar verfehlt.

"Das negative Ergebnis ist im Wesentlichen auf die fehlenden Erträge aus der Champions League zurückzuführen. Unsere traditionell hohe Eigenkapitalausstattung ermöglicht es jedoch, den Fehlbetrag des abgelaufenen Geschäftsjahres aus eigenen Mitteln auszugleichen", gab sich Allofs gelassen und verwies auf eine Summe in Höhe von 24,4 Millionen Euro.

"Dies entspricht einer sehr guten Eigenkapitalquote von 48 Prozent der Bilanzsumme. Das Unternehmen ist gesund", sagte Marketing-Geschäftsführer Klaus Filbry.

Polster durch internationales Geschäft

Sechs Jahre Champions League und ein Jahr Europa League haben dazu beigetragen, dass die Werder GmbH in Ruhe weiter arbeiten kann.

"Die Stimmungslage ist trotz des Verlustes gut", sagte Filbry, "weil wir uns ein gewisses Polster erarbeitet haben, von dem wir zehren können."

Damit das so bleibt, ist der viermalige Deutsche Meister auf kurzfristige Erfolge angewiesen.

Kader bereits abgespeckt

Der Kader wurde nach den Misserfolgen der vergangenen zwei Jahre mit den Verkäufen von Per Mertesacker, Marko Marin und Wesley zwar bereits deutlich entschlackt, doch er ist für eine Mannschaft im Bundesliga-Mittelmaß noch immer zu teuer.

Sollte in dieser Serie wiederholt das internationale Geschäft verpasst werden, müssten weitere Spieler gehen.

"Wenn man auf lange Sicht keinen internationalen Wettbewerb erreicht, muss der finanzielle Rahmen selbstverständlich angepasst werden. Das ist allen Beteiligten klar", sagte der Bremer Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke.

Werder muss Spagat hinbekommen

In die gleiche Kerbe schlug auch Allofs. "Wir haben das Gehaltsvolumen erheblich reduziert und werden das auch weiterhin tun müssen", sagte er: "Wir müssen den Spagat hinbekommen, Kosten zu reduzieren und trotzdem eine Mannschaft aufzubauen, die es in den internationalen Wettbewerb schafft."

Der Werder-Boss zeigte sich im "Weserkurier" optimistisch, dass "für die laufende Saison ein verbessertes Ergebnis zu erwarten sein wird".

Die Vereinsspitze wollte sich allerdings nicht festlegen, ob die Zahlen des kommenden Jahres nun etwas weniger rot oder möglicherweise sogar wieder schwarz sein werden.

Für Prognosen sei es noch zu früh, sagte Finanzexperte Filbry.

Weiterlesen