Ribery wechselte 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern © getty

Bayern-Star Ribery bekommt viel Lob vor dem Duell mit dem Ex-Klub aus Lille. Nicht nur Stürmer Mandzukic droht auszufallen.

Von Julian Buhl

München - Für Franck Ribery ist es eine Reise in die eigene Vergangenheit, wenn der FC Bayern (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) in der Champions League den OSC Lille empfängt.

Bereits vor dem Hinspiel, das die Münchner mit 1:0 gewannen, hatte der Franzose im Mittelpunkt gestanden.

Ribery vermochte es dann allerdings nicht, die Partie gegen seinen Ex-Verein derart zu prägen, wie er es in deren Vorfeld getan hatte.

In den ersten 45 Minuten hatte er viel einstecken und nach einigen teilweise überharten Zweikämpfen in der Pause mit muskulären Problemen das Feld verlassen müssen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Lille sortierte Ribery aus

Riberys Geburtsstadt Boulogne-sur-Mer liegt nur eine Stunde von Lille entfernt. Mit 13 ging er zum OSC und spielte dort drei Jahre - bis er Lille offiziell wegen Schulproblemen verlassen musste.

"Die wollten mich entlassen, weil ich zu klein war", sagt Ribery darüber.

Der 29-Jährige verfolgte seinen Traum, Profifußballer zu werden dennoch. Er arbeitete sich immer weiter nach oben, bis er sich schließlich vor fünf Jahren für ein Engagement beim FC Bayern empfahl.

Mittlerweile gehört er zu den besten Linksaußen der Welt, glänzte zuletzt auch gegen den HSV mit zwei Torvorlagen (Bericht).

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Lob von Kahn

Der französische Nationalspieler identifiziert sich mit dem FC Bayern.

Seine Interviews gibt er mittlerweile auf Deutsch, auch die Kommunikation im Team klappt so immer besser.

Er spielt derzeit so gut wie nie zuvor. Sagt kein Geringerer als Oliver Kahn, der selbst noch mit Ribery zusammengespielt hat. "Zu seiner Spielfreude gesellt sich eine hohe Laufbereitschaft und Mannschaftsdienlichkeit", meint der ehemalige Nationaltorhüter.

Etwas flapsiger, aber in der Sache identisch drückt sich Franz Beckenbauer auf "Sky" aus. "Ich weiß nicht, wie viele Lungen er hat, sicher drei Pferdelungen. Das gibt's nicht."

Der "Kaiser" spielt damit wohl vor allem auch auf Riberys neu entdeckte Defensivqualitäten an.

Mittlerweile gehört die Arbeit in der Rückwärtsbewegung genauso zu seinem Repertoire, wie die Turbodribblings jenseits der Mittellinie.

Prototyp mit kindlicher Unbekümmertheit

Ribery verkörpere die aktuelle Stärke des FC Bayern als "Prototyp", sagte Trainer Heynckes am Dienstagnachmittag.

Die gesamte Mannschaft habe Spaß, spiele mit Leidenschaft Fußball - "so wie wir früher auf der Straße". Der Straßenfußballer Ribery ist zum Vorbild gereift.

Der Gelobte selbst sprach von "kindlicher Unbekümmertheit", die sein Spiel und das seiner Mannschaft derzeit auszeichne. Ohne ihn kassierten die Münchner gegen Leverkusen zuletzt die erste Niederlage in der Bundesliga (1:2).

Wohl kein Zufall, denn in der aktuellen Saison war der Franzose in zehn Pflichtspielen bereits an neun Treffern beteiligt, drei Tore erzielte er selbst. "Man sieht einfach: Er will in diesem Jahr etwas gewinnen", lobte Heynckes.

Bayern unter Druck

Um sich diese Chance in der Champions League zu erhalten, müssen die Bayern gegen die noch punktlosen Franzosen unbedingt gewinnen.

Denn momentan liegen die Bayern in ihrer Königsklassengruppe mit sechs Zählern lediglich auf Rang drei - punktgleich mit Bate Borissow und dem FC Valencia.

Gegen Lille wird Ribery wieder mit Arjen Robben die Münchner Flügelzange bilden. Robben, beim Hamburger SV (3:0) noch geschont, wird "von Beginn an spielen", sagte Heynckes.

Pause für Mandzukic?

In die Mitte rückt Thomas Müller, Toni Kroos dürfte Heynckes nach überstandenen Magen-Darm-Problemen eine Pause gönnen.

Und hinter dem offensiven Trio sichert neben Bastian Schweinsteiger wieder Javi Martinez ab, wie immer in der Königsklasse, zumal Luiz Gustavo über leichte Adduktorenprobleme klagt.

Darüber hinaus droht auch Stürmer Mario Mandzukic wegen einer Erkältung auszufallen. Für ihn wird wohl Claudio Pizarro in die Anfangsformation rücken.

Heynckes warnt vor Lilles Gangart

Heynckes erwartet einen Gegner, der wie in Lille "aggressiv und mit großem Engagement auch rustikal zur Sache geht".

Sein Team müsse "fußballerisch anders auftreten" als im Hinspiel, forderte er, "und nach vorne ein gewisses Risiko eingehen".

Überhaupt warnte Heynckes - mal wieder - vor zu viel Euphorie. "Ich erwarte von der Mannschaft noch viel mehr."

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