Boenisch stand von 2007 bis 2012 bei Werder Bremen unter Vertrag © getty

Boenisch trainiert in Düsseldorf, unterschreibt aber bei Bayer. Jäger wirft ihm "miesen Stil" vor. Der Spieler wehrt sich.

Von Julian Buhl

München - Sein Name ist Boenisch, Sebastian Boenisch.

Welche Rückennummer der zuletzt arbeitslose Linksverteidiger nun bei Bayer Leverkusen bekommen wird, ist noch nicht bekannt.

Mit Blick auf die Ereignisse der vergangenen Tage wäre die "007" aber vielleicht eine Überlegung wert.

Denn Fortuna Düsseldorf wähnte in der vergangenen Woche mit Boenisch einen Spion in seinen Reihen. Von Dienstag bis Freitag hatte der polnische EM-Teilnehmer bei dem Aufsteiger mittrainiert, nahm auch an den taktischen Besprechungen vor dem Derby gegen Leverkusen teil. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Jäger: "Ganz mieser Stil"

Fortuna wollte den ehemaligen Bremer verpflichten. Zwei Stunden vor der Partie gab der 25-Jährigen bekannt, eine Vereinbarung für ein neues Engagement in der Bundesliga getroffen zu haben - allerdings nicht mit Düsseldorf, sondern mit dem Lokalrivalen aus Leverkusen. ( 634024 DIASHOW: Der 10. Spieltag )

"Das ist ganz mieser Stil von Boenisch und lässt tief auf den Charakter des Spielers blicken", zürnte deshalb Düsseldorfs Finanzvorstand Paul Jäger nach der 2:3-Niederlage (Bericht) gegenüber der "Bild": "Erst bei uns mitzutrainieren und dann ausgerechnet bei dem Klub zu unterschreiben, gegen den wir spielen."

"Wir trauten ihm", stimmte auch Fortuna-Trainer Norbert Meier in Jägers Schelte ein. Beide fürchteten offenbar, ihr Trainingsgast habe sie ausspioniert und möglicherweise Tipps an den Gegner weitergeben.

Boenisch: "Kann ich nicht nachvollziehen"

Jägers Aussagen dürfe man laut Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler "nicht auf die Goldwaage legen". Die ganze Geschichte trage für ihn "Züge einer Satire". Völler verwies auch darauf, dass Boenisch an der Abschlussbesprechung am Samstag nicht mehr teilgenommen hatte.

Boenisch selbst, der die Begegnung von der Tribüne aus beobachtete, "kann diese Äußerungen nicht nachvollziehen".

Der Spieler wehrt sich weiter: "Ich kenne Herrn Jäger nicht und habe nie mit ihm gesprochen. Ein Wechsel zur Fortuna stand nicht zur Debatte."

Nachvollziehbar ist Boenischs Verpflichtung dagegen sowohl aus der Sicht des seit Sommer vertraglosen Spielers als auch aus der der Leverkusener. Denn Bayer klagt derzeit vor allem im Abwehrbereich über akute Personalnot.

Der Zeitpunkt, an dem Boenischs Engagement bekannt wurde, ist allerdings zumindest als unglücklich zu bezeichnen.

Schwaab und Kadlec verletzt

"Wir sind unverschuldet in eine Situation geraten, die uns zum Handeln zwingt", sagte Sportdirektor Rudi Völler. "Man hat uns zwei linke Verteidiger vom Platz getreten."

Seit Ende Oktober muss Bayer auf Michal Kadlec verzichten, der sich in der Europa League bei Rapid Wien einen Innenbandriss im Knie zugezogen hat.

Dessen Ersatzmann Daniel Schwaab erlitt unter der Woche im DFB-Pokal (beim 3:2 n.V.) in Bielefeld einen Bänderiss im Sprunggelenk. Beide fallen für mehrere Wochen aus. Zudem musste Leverkusen in den letzten beiden Pflichtspielen auch noch auf seinen grippekranken Abwehrchef Philipp Wollscheid verzichten.

"Boenisch ist ein erfahrener Bundesliga-Profi, der uns auf Anhieb wird helfen können", hofft nun Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Duell gegen Werder steht bevor

Ob der 25-Jährige sofort die erhoffte Verstärkung für Bayer sein kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Nach langwierigen Knieproblemen hatte hatte Ligakonkurrent Werder Bremen ihm das im Sommer offenbar nicht mehr zugetraut und ihm keinen neuen Vertrag mehr angeboten. Zuvor hatte er dort fünf Jahre gespielt.

Ende November kommt es mit Bayer beim Gastspiel in Bremen für Boenisch zum Wiedersehen mit den ehemaligen Kollegen.

Spätestens dann könnten seine vermeintlichen Spionage-Fähigkeiten also durchaus wieder gefragt sein.

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