Franck Ribery (2. v.l.) gab in dieser Saison beim FC Bayern bereits sechs Torvorlagen © imago

Paul Breitner sieht die Münchner auf den Spuren von Barca. SPORT1-Kolumnist Berthold widerspricht. SPORT1 zieht den Vergleich.

Von Jakob Gajdzik

München - Nach der 3:0-Gala beim Hamburger SV (Bericht) schwebt der FC Bayern München weiter auf einer Welle des Erfolgs.

Besonders Paul Breitner scheint der neue Stil des FC Bayern zu begeistern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir spielen in dieser Vorrunde einen ganz anderen Fußball als den, den der FC Bayern bisher gespielt hat. Wir haben endlich zwei Gänge nach vorne geschaltet und sind auf einem Weg, eine Hochgeschwindigkeitsfußball a la FC Barcelona zu spielen", sagte der Bayern-Scout im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

FC Barcelona - das ist der Maßstab des Fußballs in den letzten Jahren. Drei nationale Meisterschaften und zwei Champions-League-Siege in den vergangenen vier Jahren sprechen für sich.

Hoeneß: "Fast Fußballkunst"

Auch Präsident Uli Hoeneß sah die Heynckes-Elf in Hamburg "fast Fußballkunst" zelebrieren. 634702 (DIASHOW: Tops und Flops 10. Spieltag)

Bayern also auf Barcas Spuren? Für SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold macht ein Vergleich wenig Sinn.

"Mit Barca sollte man sich nicht vergleichen. So wie Barca in den vergangenen Jahren den internationalen Vereinsfußball dominiert hat, tut man sich keinen Gefallen damit", sagte der Ex-Bayern-Spieler.

SPORT1 vergleicht die Klubs dennoch.

Stil:

Der FC Barcelona zelebriert den mittlerweile berühmten "Tiki-Taka"-Stil, bei dem der Ball meist kurz und flach in den eigenen Reihen gehalten und langsam nach vorne getragen wird.

Die Katalanen haben den Spielstil perfektioniert und auf die spanische Nationalmannschaft übertragen. Mit Lionel Messi, Andres Iniesta und Xavi hat Barca zudem drei Alles-Könner in seinen Reihen, die jedes Spiel mit ihrer Genialität alleine entscheiden können.

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Auch die Bayern setzen auf Ballbesitz und Dominanz. Allerdings ist in dieser Saison noch eine neue Note hinzugekommen. "Die Bayern haben gelernt, wie Dortmund schnell in die Spitze zu spielen", sagte SPORT1-Kolumnist Thomas Helmer (Bericht).

Im Gegensatz zu Barca setzt Bayern allerdings im Sturmzentrum auf wuchtige Stürmer, Mario Mandzukic und Mario Gomez werden häufig mit Flanken gefüttert, während Barca auch vor dem Tor auf flache Anspiele setzt.

Kader:

Barcelonas Star-Ensemble wird angeführt von Lionel Messi, Xavi und Andres Iniesta. Jeder Spieler im Kader bringt das nötige technische Niveau mit, um am rasanten Angriffsfußball partizipieren zu können. Mit Carles Puyol hat die Mannschaft zudem einen charismatischen Anführer.

Auch die Bayern sind Mittelfeld exquist besetzt. Jupp Heynckes muss in jeden Spiel aus Spielern wie Arjen Robben, Franck Ribery, Schweinsteiger, Kroos, Thomas Müller, Javi Martinez oder Luiz Gustavo auswählen.

Die spielerische Brillanz Barcas erreicht Bayern allerdings (noch) nicht. Dafür ist der Rekordmeister auf einer Position deutlich besser besetzt: Torwart Manuel Neuer hat im Vergleich mit Victor Valdes klar die Nase vorn.

Trainer:

Bei den Trainern unterscheiden sich die beiden Klubs gewaltig. Während mit Heynckes bei Bayern ein Trainerfuchs auf der Bank sitzt, der alles gesehen und erreicht hat, trat in Barcelona mit Tito Vilanova vor der Saison praktisch ein Nobody in die großen Fußstapfen des abgewanderten Pep Guardiola.

Doch unter dem ehemaligen Co-Trainer spielt Barca genauso erfolgreich wie zuvor, auch Bayern dominiert mit Heynckes die Bundesliga.

In der Primera Division holte die Blaugrana 28 von 30 möglichen Punkten und auch in der Champions League stehen drei Siege aus drei Spielen zu Buche.

Fazit:

In den vergangenen Jahren war die Spielphilosophie des FC Bayern nicht immer klar erkennbar, oder wechselte mit den Trainern. Nun orientiert sich der FCB offenbar wie Borussia Dortmund am Spielstil des FC Barcelona, wie Breitners Aussagen im Volkswagen Doppelpass belegen.

Allerdings setzt der Rekordmeister weiter auf großgewachsene Stürmer und Flanken, was ein großer Unterschied zu den Katalanen ist. Die Überfallartigen Attacken, die die Münchner in Hamburg in Offensive wie Defensive zeigten, erinnerten aber durchaus an die erfolgreichste Mannschaft der letzten Jahre.

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