Aaron Hunt (r.) hat für die deutsche Nationalmannschaft bisher zwei Länderspiele absolviert © imago

Hunt untermauert per Doppelpack gegen Mainz seinen Status als Führungsspieler. Für Tuchel ist das Ergebnis "ein Witz".

Von Raphael Weber

München - So stellt man sich seine Führungsspieler vor.

Erst führte Aaron Hunt seine Bremer als Kapitän mit seinem Doppelpack zum 2:1 (1:0) Arbeitssieg gegen Mainz 05 (Spielbericht), danach ordnete er bei aller Freude über den Satz in der Tabelle alles richtig ein.

"Es war nicht unser bestes Spiel, aber wir haben stark gekämpft", analysierte Hunt: "Das Glück war ein bisschen auf unserer Seite. Wir hätten uns über ein Unentschieden nicht beschweren können."

Während der Kapitän beschwichtigte, sangen die Fans im Stadion aber bereits schon wieder von Europa, und warum auch nicht?

Werder, vorher nur 13., steht nun auf Rang sieben - gerade einmal zwei Tore trennen Bremen von Hannover und Europa-League-Platz sechs. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hunt bestätigt Vorhersage

Dass die Bremer trotz hochkarätigster Mainzer Chancen wieder vom internationalen Geschäft träumen dürfen, liegt zu einem großen Teil an Matchwinner und Kapitän Hunt, dem mit nur 26 Jahren schon ältesten Spieler in Werders Startelf.

"Wir haben jetzt eine sehr junge Mannschaft, in der ich einer der erfahrensten Akteure bin. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich Verantwortung übernehme", hatte Hunt schon vor der Partie im SPORT1-Interview angekündigt.

Und in den entscheidenden Momenten untermauerte er seine Führungsstellung mit Toren eindrucksvoll ( 634024 DIASHOW: Der 10. Spieltag ).

Beide Treffer in Mainzer Drangphasen

Zehn Minuten waren gespielt, als Hunt Nils Petersens Vorlage trocken zur Führung im Tor versenkte, nachdem zuvor Nicolai Müller für Mainz eine Riesen-Chance vergeben hatte.

Nach dem Mainzer Ausgleich war es dann erneut Hunt, der Keeper Christian Wetklo mit einem schönen Freistoß-Schlenzer zum Siegtreffer überwand. Wieder hatte der Gegner zuvor eine Riesen-Chance durch Yunus Malli verstreichen lassen.

Für Teamkollege Sebastian Prödl war das aber gar keine so große Überraschung: "Aaron hat die ganze Woche lang Freistöße trainiert. Er kann das einfach."

Schaaf lobt Entwicklung

So lobte dann auch Trainer Thomas Schaaf die Entwicklung Hunts zum Leader: "Er ist ein wichtiger Baustein in unserem Spiel. Er hat sein Potenzial nie konstant gezeigt. Jetzt zeigt er es und spielt bislang eine hervorragende Saison."

Schaaf zeigte sich mit Werders Leistung insgesamt zufrieden, stellte aber auch klar: "Was wir unbedingt abstellen müssen, ist, dass wir dem Gegner so viel gestatten. Da müssen wir in der Defensive besser stehen."

In der Tat hätte Werder ohne die Paraden des bärenstarken Torhüters Sebastian Mielitz durchaus als Verlierer vom Platz gehen können.

Ergebnis für Tuchel "ein Witz"

Weil die Mainzer ihrerseits vor allem in Person von Nicolai Müller und Andreas Ivanschitz zahlreiche Hochkaräter ausließen, musste sich Trainer Thomas Tuchel hinterher gehörig ärgern.

"Die Leistung ist okay, das Ergebnis ist ein Witz", schimpfte der Mainzer Coach: "Wir waren besser, in allen Bereichen besser und haben hochkarätige Chancen in beiden Halbzeiten vergeben."

Das erfolgshemmende Ungleichgewicht ärgerte Tuchel: "Die Qualität unserer Torchancen war enorm, die Qualität der Verwertung nicht sehr gut. Jetzt haben wir mit der Niederlage zu leben."

Mainzer Höhenflug gestoppt

So ging auch fast unter, dass Ausgleichschütze Adam Szalai schon sein achtes Saisontor erzielte und jetzt gemeinsam mit Bayerns Mario Mandzukic an der Spitze der Torschützenliste steht.

Nach zuletzt zehn Punkten aus vier Spielen ist der Mainzer Höhenflug der letzten Wochen erstmal gestoppt.

"Wir haben ein Spiel verloren, das man eigentlich gar nicht verlieren kann", meinte Manager Christian Heidel: "Wir haben Werder lange komplett beherrscht, aber Tore entscheiden nun mal im Fußball."

Und auf diesem Gebiet war Bremen - dank Leader Hunt - eindeutig erfolgreicher.

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