Thomas Berthold wundert sich über die Irritationen beim gestrauchelten Bayern-Verfolger - und kritisiert Schalkes Keeper.

Hallo Fußball-Freunde,

Es war kein gutes Wochenende für die Mannschaften hinter dem FC Bayern - speziell nicht für Schalke 04.

Ich war immer der Meinung, dass Schalke kein ernsthafter Konkurrent für die Münchener ist. Aber wenn man es wirklich sein will, darf man solche Spiele gegen einen angeschlagenen Gegner wie Hoffenheim nicht verlieren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wobei Schalke schon im Vorfeld eine unglückliche Figur abgegeben hat.

Zum Wochenbeginn spricht Manager Horst Heldt erst von der Meisterschaft, dann will er aber doch kein Bayern-Jäger sein und nicht mal vom Titel träumen.

Es ist schlecht, wenn man innerhalb von ein paar Tagen in zwei Richtungen rudert. Die Spieler lesen so etwas ja auch - was sollen die da denken?

Entweder soll man sagen, dass man Meister werden will oder, dass man der Underdog ist: Beides ist besser als so ein Zickzack-Kurs, der nichts Gutes bewirkt.

Ein No-Go war auch Timo Hildebrands öffentliche Kritik an Huub Stevens.

Dass er über seinen eigenen Trainer sagt, dass der ihm intern über seine Chancen im Konkurrenzkampf mit Lars Unnerstall anderes erzählt als er nach außen verkauft, ihn also der Lüge bezichtigt, ist schon starker Tobak.

Es ist klar, dass Hildebrand nicht zufrieden ist, aber das muss er intern ansprechen.

Was er stattdessen macht, ist auch deswegen ungeschickt, weil Unnerstalls Auftritt gegen Hoffenheim ja gezeigt hat, dass Hildebrand auf sportlichem Weg schon seine Chance hat.

Ob so ein Konflikt der Mannschaft schadet, hängt letztlich davon ab, wie der Verein damit umgeht. Schalke kocht das recht kalt und das ist in so einer wichtigen Phase in Liga und Champions League auch besser so.

Auch Dortmund hat am Wochenende Punkte liegen lassen in einem Spiel, dass man gewinnen hätte müssen, wenn man Meister werden will.

Der BVB braucht schon unheimlich viele Chancen dieses Jahr, es fehlt die Effizienz.

Es zieht sich als roter Faden durch die ganze Saison: Vorne fehlt die Kaltblütigkeit, das eine oder andere Prozent Konzentration geht da ab. Da summieren sich Kleinigkeiten.

Hans-Joachim Watzke hat recht, wenn er die Spieler ermahnt, auch nach hinten zu schauen:

Dortmund steht im Kampf um die Champions-League-Plätze unter Konkurrenzdruck, Schalke und Leverkusen sind Mannschaften, die da mitspielen.

Wenn man sich im Gegensatz zu Schalke und Dortmund die souveräne Vorstellung des FCB in Hamburg ansieht, lässt das nur einen Schluss zu:

Den Titel können sich die Bayern nur noch selbst nehmen.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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