Bastian Schweinsteiger (l.) wurde mit dem FC Bayern bereits fünf Mal Deutscher Meister © getty

Mit dem Sieg in Hamburg wischen die Münchner Erinnerungen ans Vorjahr beiseite. Hoeneß singt ein Loblied, Müller ist gierig.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs

Hamburg - Die Genugtuung war groß beim FC Bayern.

Mit 3:0 hatten die Münchner den Hamburger SV vorgeführt, herrliche Tore erzielt und das Unken über eine möglicherweise wieder anstehende November-Krise eindrucksvoll weggewischt, nach dem 1:2 gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Sonntag.

"Keine Mannschaft der Welt kann alle Spiele gewinnen", stellte David Alaba fest. Und Arjen Robben erinnerte sich ebenso gelassen an die Aufregung nach der ersten Niederlage nach zuvor acht Siegen in Folge.

"Der Medienrummel ist schon enorm. Damit müssen wir leben", sagte Robben gegenüber SPORT1: "Wir müssen nur ruhig bleiben."

"Krise sieht anders aus"

Das gelang der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes vortrefflich. "Krise sieht ein bisschen anders aus", wies Heynckes Vergleiche zur Vorsaison zurück.

Vor allem das Zustandekommen des Sieges ließ das Herz der Bayern höher schlagen, zeigte die Heynckes-Elf doch einmal mehr, dass sie sich in dieser Saison wohl nur selbst stoppen kann. 634024 (DIASHOW: Bilder des Spieltags)

"Das Spiel war auch von der Bank schön anzusehen. Wir haben nach Leverkusen die richtige Reaktion gezeigt", lobte Robben, dem Jupp Heynckes nach fünfwöchiger Verletzungspause und wegen einer Erkältung "ein weiteres Spiel Pause" gönnte.

Viel Lob vom Gegner

Und auch der Gegner zollte Respekt: "Der FC Bayern hat hervorragend gespielt und seine ganze Klasse gezeigt", lobte HSV-Coach Thorsten Fink.

"Die Bayern sind eine Klasse für sich. Wenn sie so weiter spielen, ist ihnen der Titel nicht zu nehmen", erklärte Marcell Jansen, Kollege Tolgay Arslan ergänzte:

"Bayern ist nicht unser Maßstab. Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Hoeneß schwärmt vom Team

Wegen der Patzer der Konkurrenz ist der Vorsprung der Münchner auf Schalke (7 Punkte), Frankfurt (7) und Titelverteidiger Dortmund (11) weiter angewachsen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Beim Rekordmeister sind sie mit dem Status Quo deshalb natürlich schon sehr zufrieden. "Wenn die Mannschaft losgelassen wird, ist es fast schon Fußball-Kunst", sang Bayern-Präsident Uli Hoeneß im "ZDF" Lobeshymnen auf das Team.

In die stimmt mit Paul Breitner eine weitere Bayern-Ikone ein. "Wir haben endlich zwei Gänge nach vorne geschaltet und sind auf dem Weg, einen Hochgeschwindigkeitsfußball a la FC Barcelona zu spielen", schwärmte der im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1:

"Wir haben vor allem eines geschafft: In der Rückwärtsbewegung anders zu spielen. Das heißt, wir verteidigen ganz anders als im letzten Jahr - aggressiv und offensiv. Wir betreiben ein Pressing, das es so in der Bundesliga noch nicht gegeben hat."

"Haben noch nichts geschafft"

Da werden Erinnerungen an das Vorjahr wach, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Mannschaft im Herbst bereits gefeiert hatte. Anschließend kam der Einbruch.

Das soll sich nicht wiederholen, entsprechende geerdet treten die Spieler auf.

"Dieser Sieg war wichtig, um keine Unruhe aufkommen zu lassen", sagte Neuzugang Dante SPORT1: "Wir sind zufrieden, dürfen aber nicht glauben, dass wir schon was geschafft haben."

Toni Kroos forderte: "Die Bereitschaft, die wir heute gezeigt haben, müssen wir immer an den Tag legen."

Müller gierig auf Titel

Die Konkurrenz wird's mit Schaudern vernehmen. Im Vorjahr nach zweiten Plätzen in Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal noch als "Vize-Bayern" verspottet, will der extrem verbesserte Rekordmeister den sowieso schon gut gefüllten Trophäenschrank wieder bestücken.

"Die Diskussionen um die November-Depressionen beim FC Bayern können wir anscheinend ad acta legen. Man hat im Pokal gesehen, dass man in alle Spieler vollstes Vertrauen haben kann", stellte Thomas Müller fest:

"Nach zwei Jahren ohne Titel sind wir in diesem Jahr noch geiler und gieriger auf Titel und den absoluten Erfolg."

Extra-Lob für Mandzukic und Ribery

Diese Gier zeigt sich vor allem im Spiel gegen den Ball.

"Abwehr fängt im Sturm an. So muss man im internationalen Spitzenfußball spielen und kann man in der europäischen Spitze mithalten", analyisierte Heynckes und verteilte Sonderlob:

"Nehmen sie Mandzukic. Der führt die Torjägerliste an. Und auch wenn er heute nicht getroffen hat, hat mir sein Pressing und seine Defensiv-Leistung sehr gefallen. Oder Ribery. Er hat hervorragend gespielt - und auch nach hinten gut gearbeitet."

Adler orientiert sich an Freiburg

In Hamburg sind sie von der Leistungsstärke der Bayern weit entfernt, die Euphorie nach dem Aufwärtstrend der letzten Wochen ist erst einmal gebremst.

"Es ist schwer für jede Mannschaft der Welt diesen FC Bayern zu schlagen", sagte HSV-Keeper Rene Adler und blickte nach vorne:

"Jetzt kommen die wichtigen Spiele gegen Freiburg, Mainz und Düsseldorf. Da können wir was machen. Bayern ist mindestens eine Nummer zu groß."

Und das wohl nicht nur für den HSV.

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