Klaas-Jan Huntelaar gab die Vorlage zum Schalker 2:2 © imago

Nach der unnötigen Last-Minute-Pleite bei Hoffenheim verliert Schalke den Spitzenreiter aus dem Blick. Heldt übt Generalkritik.

Sinsheim - Huub Stevens war ganz mies gelaunt und verließ den Raum fluchtartig.

An seiner Stelle übernahm Horst Heldt die Rolle des mürrischen Grantlers von seinem Trainer.

"Wir haben wieder einen Gegner, der auf dem Präsentierteller gelegen ist und eigentlich tot war, am Leben gelassen. Wir sind wohl zu gut für diese Welt", sagte der Manager von Schalke 04 nach dem unnötigen 2:3 (1:1) bei 1899 Hoffenheim (Bericht).

Erste Pleite nach fünf Siegen

Der Ärger kam nicht von ungefähr.

Trotz 65 Prozent Ballbesitz, 22:8 Torschüssen und einer Vielzahl von hochkarätigen Chancen verpatzte Schalke die Generalprobe für das vorentscheidende Gruppenspiel in der Champions League am Dienstag gegen den FC Arsenal.

Die Königsblauen kassierten die erste Niederlage nach fünf Pflichtspiel-Siegen in Folge und gingen erstmals seit dem 11. April als Verlierer von einem fremden Platz.

Der erste Verfolger des FC Bayern vergab damit die Chance, den Rekordmeister vor dem Abendspiel in Hamburg unter Druck zu setzen - Bayern ist nach dem klaren Sieg nun schon auf sieben Punkte davongezogen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Beunruhigende Parallelen

"Ich hoffe, dass wir nicht in das alte Schema verfallen", kommentierte Heldt die Vorstellung der Profis, die ihn an die beiden 2:2 nach eigener Führung bei Fortuna Düsseldorf und gegen den HSC Montpellier erinnerte:

"Da sind Parallelen da, da muss man sich Gedanken machen. In der Häufung habe ich es noch nicht erlebt, dass man einen Gegner klar beherrscht und dann am Ende ohne drei Punkte dasteht."

Auch für Kapitän Benedikt Höwedes war das Erlebte nur schwer zu verstehen.

"Wir hätten vier oder fünf Tore machen müssen. Da fehlt die letzte Konsequenz. Und dann verlieren wir, weil wir hinten in den entscheidenden Szenen pennen", analysierte der Innenverteidiger treffend die Partie.

Schipplock macht es klar

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw gingen die Gastgeber durch das erste Bundesliga-Tor von Kevin Volland in Führung (13.).

Noch vor der Pause sorgte Roman Neustädter für den Ausgleich (37.).

Auch den zweiten Rückstand durch den Brasilianer Roberto Firmino per Foulelfmeter (67.) konnten die Schalker egalisieren. Der Japaner Atsuto Uchida traf ebenfalls zum ersten Mal (82.).

Auf den Treffer des kurz zuvor eingewechselten Sven Schipplock, der mit seinem ersten Ballkontakt in der Nachspielzeit traf (91.), hatten die Gäste aber keine Antwort mehr.

Kritik am Schiri

Nach Ansicht von Heldt hatte zwar auch Schiedsrichter Deniz Aytekin Anteil an der Niederlage, die Schuld an der Pleite wollte der Manager dem Referee aus Oberasbach aber nicht in die Schuhe schieben.

"Der Schiedsrichter war genauso schlecht wie wir beim Abschluss. Ein Elfmeter, der keiner war und ein Tor von uns, das regulär gewesen ist", sagte Heldt.

"Wir müssen aber in erster Linie auf uns schauen. Wir hätten es trotz der Fehlentscheidungen richten müssen."

Hoffnungsschimmer für Arsenal-Spiel

Fehler machte der frühere Profi in allen Mannschaftsteilen aus.

"Zuletzt haben viele Leute viele Tore gemacht, diesmal haben viele Leute viele Chancen vergeben", meinte Heldt.

"Das erste und dritte Tor kann man verhindern, die Elfmeter-Situation ist vermeidbar. Wenn man einen schlechten Tag hat, dann eben gleich überall."

Er hat aber einen Hoffnungsschimmer für die Parie gegen Arsenal: "Am Dienstag wird der Gegner nicht auf dem Präsentierteller liegen."

Wiese beendet seine Unglücksserie

Was Heldt bei seiner Auflistung vergessen hatte, war die Leistung des gegnerischen Torhüters.

Tim Wiese - bisher der Hoffenheim Unglücksrabe schlechthin - hielt überragend, feierte seinen ersten Sieg im Hoffenheimer Trikot und verhinderte eine Debatte um Trainer Markus Babbel.

"Ich bin anscheinend angekommen. Ich hoffe, dass der Sieg uns allen einen Schub gibt", sagte Wiese, dessen neuer Verein zuvor in vier Partien in Folge ohne Sieg geblieben war:

"Die Wiese-Sprechchöre haben mir gut getan. Ich bin auch nur ein Mensch."

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