Lucien Favre löste 2011 Michael Frontzeck als Gladbach-Trainer ab © getty

Gladbach bleibt nach dem 1:1 gegen Freiburg im Mittelfeld stecken und macht deswegen Schiedsrichter Stark Vorwürfe.

Mönchengladbach - Als Lucien Favre und Schiedsrichter Wolfgang Stark längst Frieden geschlossen hatten, stand Igor de Camargo noch immer die Wut ins Gesicht geschrieben.

"In meinen Augen hat der Schiedsrichter das Spiel entschieden. Das ist bitter für uns, das fühlt sich an wie eine Niederlage", sagte Borussia Mönchengladbachs verhinderter Matchwinner nach dem unglücklichen 1:1 (0:0) gegen den SC Freiburg.

Bis zur 77. Minute hatten die Fohlen dank des belgischen Nationalspielers geführt, ehe ein umstrittener Elfmeter die Borussia um den Sieg brachte.

Eine Entscheidung, die nicht nur de Camargo auf die Palme brachte.

Favre außer sich

Gladbachs sonst so ruhiger Trainer Favre turnte in der Schlussphase wild an der Seitenlinie herum, zeigte Stark mit seinen Fingern die "Brille" und wurde dafür auf die Tribüne verbannt.

Dort setzte Favre seinen Veitstanz fort, für den er sich nach dem Spiel beinahe schämte ( 634024 DIASHOW: Der 10. Spieltag ).

"Es kann sein, dass ich da einen Fehler gemacht habe. Ich hatte vorher einen Einwurf statt eines Eckballes gesehen. Ich bin dem Schiedsrichter aber nicht böse", sagte Favre gewohnt diplomatisch.

Gladbacher Unverständnis

Hitzig diskutiert wurde da noch immer der Elfmeterpfiff.

Nach einem leichten Schubser von Juan Arango war Oliver Sorg in den Schweden Oscar Wendt hinein gestolpert und zu Fall gekommen.

Wendt verstand anschließend die Welt nicht mehr. "Der Freiburger läuft in mein Bein. Mein erstes Gefühl war, dass es ein Foul an mir und ein Freistoß für uns war", so Wendt.

Auch Keeper Marc-Andre ter Stegen übte bei LIGA total! Kritik an Stark:

"Dass er keine Sekunde daran gezweifelt hat, was er gemacht hat und nicht mal vernünftig mit dem Linienrichter geredet hat ? ich weiß nicht?"

Jeder Widerspruch aber nützte nichts: Daniel Caliguri verwandelte den Strafstoß sicher.

Aufruf zum Fingerspitzengefühl

Borussias Sportdirektor Max Eberl suchte unmittelbar nach Schlusspfiff entsprechend angefressen das Gespräch mit Stark.

"Seine Entscheidung war hart, aber vertretbar. Das muss man sicher nicht pfeifen. Uns fehlt derzeit das Quäntchen Glück", sagte Eberl.

Tatsächlich war der Borussia erst am Mittwoch im Pokalspiel bei Fortuna Düsseldorf (0:1 n.V.) ein klarer Elfmeter verwehrt worden.

Auch Favres "Taucherbrille" (Eberl) wurde in der kurzen Unterredung angesprochen.

"Da kann man als Schiedsrichter auch mal drüber wegsehen. Das ist Fußball, das sind Emotionen", so Eberl.

Dümpeln im Mittelfeld

Dass es am Ende nicht zum Heimsieg reichte, hatten sich die Borussen indes selbst zuzuschreiben.

Nach der Führung durch de Camargo (49.) hatten die Fohlen mehrfach das zweite Tor auf dem Fuß, Lukas Rupp beförderte den Ball bei einer Volleyabnahme aus zwei Metern über das leere Gehäuse.

"Wenn er da den Kopf nimmt, ist alles klar", meinte Eberl.

So aber dümpelt die Borussia vor dem wichtigen Europa-League-Spiel bei Olympique Marseille weiter im grauen Tabellen-Mittelfeld herum (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bezeichnend: Torhüter Marc-Andre ter Stegen hatte 58 Ballkontakte - mehr als jeder seiner Mitspieler. "Wir müssen weiter um jeden Punkt kämpfen", sagte Favre.

Auch Streich ärgert sich

Die Freiburger trauerten derweil ihrerseits vergebenen Chancen hinterher - und ließen an der Elfmeterentscheidung erst gar keine Zweifel aufkommen.

"Wenn ich eine Pfeife gehabt hätte, hätte ich selber gepfiffen", sagte Kapitän Julian Schuster.

Auch Trainer Christian Streich wertete die Entscheidung als "vertretbar" und träumte sogar kurz vom zweiten Auswärtssieg in Folge.

"Mich ärgert, dass wir so spielen, aber nicht gewinnen. Das fehlt der letzte Wille", sagte Streich.

Weiterlesen