Sebastian Kehl (l.) brach sich bei Holzhausers Check das Nasenbein an © imago

Coach Klopp gerät durch den Ellbogenschlag gegen Kehl außer sich. Von Bayern-Jagd redet nach dem 0:0 gegen Stuttgart keiner mehr.

Von Martin Hoffmann und Thorsten Langenbahn

Dortmund/München - Nach dem Abpfiff war der Diplomaten-Modus wieder an bei Jürgen Klopp.

Dem BVB-Trainer war anzumerken, wie er nach dem 0:0 gegen den VfB Stuttgart (Spielbericht) jedes Wort wog, als er auf die Szene angesprochen wurde.

"Ich bin großer Verfechter von einem entspannteren Umgang mit Luftkämpfen", sagte Klopp bei LIGA total! zum Ellbogen-Check von Raphael Holzhauser gegen Sebastian Kehl:

"Das habe ich in der Situation so ein bisschen anders gesehen und Fredi war da wohl anderer Meinung."

Was so beschrieben klingt wie ein höflicher Meinungsaustausch bei Tee und Gebäck war in Wahrheit wie so oft bei Klopp ein recht wüst aussehendes Wortduell mit Stuttgarts Manager Fredi Bobic ( 634024 DIASHOW: Der 10. Spieltag ).

"Er soll sich mal ein bisschen beruhigen"

"Ich habe gesagt, er soll sich mal ein bisschen beruhigen und nicht immer 'Rot, rot, rot' schreien", beschwerte sich Bobic hinterher über Klopps Ausbruch.

Es dauerte, bis der das getan hatte - zu zornig machte ihn das Einsteigen Holzhausers, das er hinterher im Diplomaten-Modus "grenzwertig" taufte.

Mit ausgestreckten Armen ging das österreichische Talent ins Luftduell mit dem BVB-Kapitän, der danach mit einem Nasenbeinanbruch ausgewechselt werden musste.

Holzhauser versichert: Keine Absicht

"Es war keine Absicht", versicherte Holzhauser, der sich auch bei Kehl entschuldigte. Bobic sekundierte: "Der geht da so ungelenk hin, dass es gar keine Absicht sein kann."

Absicht war dabei aber auch gar nicht der Vorwurf, das Problem war die Fahrlässigkeit, mit der Holzhauser seine Arme beim Abheben von sich wegstreckte.

Weswegen er sich über den von Klopp geforderten Platzverweis auch nicht hätte beschweren dürfen.

"Als ich gesehen hab, das Kehli raus muss, hat sich meine Laune nicht gebessert", hielt der BVB-Coach fest.

Keine Rede mehr von Bayern-Jagd

Es war generell kein Tag der guten Laune in Dortmund, das torlose Remis schmerzte den BVB nicht viel weniger als Holzhausers Ellbogencheck.

"Das fühlt sich für mich wie eine Niederlage an", meinte Linksverteidiger Marcel Schmelzer - und dürfte damit nicht nur seine Gemütslage auf den Punkt gebracht haben.

"Wir hätten gerne Boden auf Frankfurt und Schalke gut gemacht", ergänzte Abwehrkollege Mats Hummels.

Von den mittlerweile wieder elf Punkten Rückstand auf den FC Bayern redete er erst gar nicht, die Mission Aufholjagd liegt nach dem klaren Münchener Sieg gegen Hamburg (Bericht) auf Eis (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zweimal Latten-Pech

Hummels selbst hatte in Minute 29 die beste Gelegenheit zum Siegtor ausgelassen, als er freistehend im Strafraum nacheinander an Keeper Sven Ulreich, der Latte und an Torlinien-Bewacher Arthur Boka scheiterte.

"Den Nachschuss", meinte Hummels über die zweite Gelegenheit, die eigentlich ein Kopfball war, "muss ich reinmachen".

"Das Toreschießen war heute unser Problem", erkannte auch Stürmer Robert Lewandowski, der zum Schluss ebenfalls noch - wenn auch aus Abseitsposition - den Querbalken traf.

Angstgegner Stuttgart

Wenn nicht die Latte im Weg, waren es die engagiert verteidigenden Stuttgarter, die seit Bruno Labbadias "grandioser Pressekonferenz" (O-Ton Klopp) weiter ohne Niederlage sind.

Und sich auch zu einer Art Angstgegner des BVB entwickeln:

Gegen keine Mannschaft wartet der Meister länger auf einen Sieg, vier Remis gab es nun in den letzten vier Begegnungen und auch in den letzten vier Heimspielen des BVB gegen den VfB.

"Fürs Rückspiel tippe ich mal spontan auf Unentschieden", witzelte Hummels.

"Glück vielleicht aufgehoben"

Ein Scherz, der dann schon ein Zeichen für den einsetzenden Verarbeitungsprozess war.

Auch Klopp merkte in der Pressekonferenz nach dem Spiel an: "Auch wenn es sich wie eine Niederlage anfühlt - es war keine."

Und auch Schmelzer konnte sich bei SPORT1 schon auch etwas trösten: "Vielleicht haben wir uns das Glück für Dienstag aufgehoben."

Hoffen auf Kehl

An besagtem Tag steht bekanntlich das Champions-League-Duell bei Real Madrid an, in dem Klopp gern wieder auf den geschundenen Kehl zurückgreifen würde.

"Wir hatten ja auch schon Schlimmeres", meinte er mit Blick auf die diversen Gesichtsverletzungen, die seine Spieler zuletzt erwischten.

"So wahnsinnig viele Möglichkeiten haben wir ja nicht, möglichwerweise muss er spielen", so der Coach:

"Wenn man da eine Maske basteln kann, so suboptimal es ist, muss es halt sein."

Weiterlesen