Lorenz-Günther Köstner (r., neben Hecking) war schon 2010 Interimscoach in Wolfsburg © getty

Nürnberg beendet mit dem Sieg gegen den VfL Wolfsburg seine Krise. Die Zukunft des VfL-Interimscoaches bleibt offen.

Nürnberg - Dieter Hecking atmete erst einmal ganz tief durch und klatschte dann seine Spieler erleichtert ab.

Sein Kollege Lorenz-Günther Köstner stand etwas betreten daneben und schüttelte enttäuscht den Kopf.

Während Hecking durch das späte Tor von Timo Gebhart (76.) mit einem hochverdienten 1:0 gegen den VfL Wolfsburg (Bericht) nach sechs Spielen ohne Sieg der erhoffte Befreiungsschlag gelungen war, erlebte Köstner als Interimscoach des VfL die erste Enttäuschung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch die Mannschaft steht auch nach dem Rückschlag zum neuen Mann.

Und der 60-Jährige, Nachfolger von Alleinherrscher Felix Magath, war weit davon entfernt, seine Mannschaft im Stile seines Vorgängers zu kritisieren.

Es konnte durchaus als kleiner Seitenhieb gewertet werden, als Köstner sagte, dass er sich nicht von der Mannschaft distanzieren werde.

"Man muss der Mannschaft auch die Ruhe geben. Den Jungs ist so ein Spiel nicht egal, deshalb werde ich sie unterstützen", betonte er.

Mannschaft von Köstner überzeugt

Zwar setzte sich der Positivtrend nach zwei Pflichtspielsiegen unter Köstner diesmal nicht fort, dennoch scheint auch die Mannschaft von ihrem Coach überzeugt zu sein.

"Wir haben großes Vertrauen in ihn. Er macht einen sehr guten Job. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit ihm die nötigen Punkte holen", sagte stellvertretend Spielmacher Diego.

Noch ist allerdings offen, ob der frühere Unterhachinger Coach auch längerfristig das Vertrauen des VfL-Vorstandes erhält.

Gespräche über seine Zukunft hat es bislang nicht gegeben. Auch der Managerposten ist nach wie vor vakant.

"Ich mache mir keinen Kopf"

Damit könne er leben, sagte Köstner bereits vor dem Spiel:

"Ich mache mir keinen Kopf. Ich habe mich bereiterklärt, kurzfristig zu helfen, und natürlich würde ich mich freuen, ganz klar, wenn ich es so lange wie möglich weitermachen darf."

Allerdings weiß er, dass noch viel Arbeit bevorsteht, um den hohen Ambitionen in Wolfsburg gerecht zu werden. Deshalb kam ihm der Dämpfer offenbar gar nicht so unrecht.

"Manchmal ist Glaubwürdigkeit für die Zukunft mehr wert als ein Sieg. Für diese Glaubwürdigkeit stehe ich. In einer Niederlage lernt man die Mannschaft besser kennen", sagte Köstner.

Weiter im Abstiegskampf

Noch längst sei nicht "alles so, wie man es sehen will. Wir befinden uns noch im Abstiegskampf, ich muss den Finger in die Wunden legen. Das fällt mir jetzt leichter."

Bisher sei die Zusammenarbeit mit Diego und Co. allerdings von "absolutem Willen der Mannschaft" und von "großer Offenheit" geprägt, sagte Köstner weiter:

"Da können auch mal die Fetzen fliegen. Es geht für den VfL immerhin um sehr viel."

Deshalb habe auch das 0:1 "sehr, sehr weh getan. Diese Niederlage haben wir selbst verschuldet. Uns hat das Durchsetzungsvermögen in der Offensive gefehlt. Wir waren nicht bereit, mit vollem Einsatz dagegenzuhalten". ( 634024 DIASHOW: Der 10. Spieltag )

Zahnlose "Wölfe" gegen bissige Nürnberger

Da konnten sich die zahnlosen "Wölfe" diesmal ein Beispiel an den bissigen Nürnbergern nehmen.

Nach sechs Spielen ohne Sieg mit nur einem Punkt machte der Club von Beginn an klar, dass er das Spiel mit aller Macht gewinnen wollte.

Entsprechend groß war anschließend die Erleichterung.

"Wir haben gezeigt, dass wir da sind. Wir hatten eine Schwächephase, aber das war ein Big-Point-Spiel gegen einen direkten Konkurrenten", sagte Ersatz-Kapitän Hanno Balitsch.

"Wir haben Qualität. Darauf können wir aufbauen", ergänzte Torschütze Gebhart, dem der erste Treffer für den Klub seit 453 Minuten gelungen war.

Club: Erster Heimsieg seit fast sieben Monaten

Dass er damit auch den ersten Heimsieg seit knapp sieben Monaten und dem 4:1 gegen Schalke am 11. April sicherte, fand der Mittelfeldspieler "richtig geil".

Auch Hecking war zufrieden, dass sein Team den Weg aus der Krise gefunden hatte.

Doch ganz seiner Art entsprechend warnte er vor dem kommenden Auswärtsspiel in Mainz vor allzu großer Euphorie, zu der das Umfeld des Traditionsvereins leicht neigt.

Unaufgeregt merkte Hecking an: "Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Den müssen wir nach Mainz mitnehmen."

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