Thomas Müller (M.) erzielte gegen Hamburg bereits sein siebtes Saisontor © getty

Die Bayern lassen dem HSV keine Chance und bauen ihren Vorsprung aus. Müller spricht über seinen Coup, Adler reagiert frustriert.

Von Mathias Frohnapfel und Jürgen Blöhs

Hamburg/München - Thomas Müller drehte eine winzige Pirouette, dann segelt der Ball quasi von der Grundlinie ins lange Eck des HSV-Tores.

Und der Hamburger Keeper Rene Adler schaute nach dem Streich verdutzt wie ein düpierter Schuljunge.

3:0 siegte der FC Bayern im Norden, baute damit die Tabellenführung auf sieben Zähler aus und schoss obendrein drei Tore mit Zuckerguss (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bastian Schweinsteiger besorgte per Flugkopfball (39.) die Führung, Toni Kroos setzte mit einem Kracher unter die Latte die perfekte Schlussnote (52.).

Der wiedergenesene Franck Ribery war ein ständiger Gefahrenherd, bereitete zwei Treffer vor.

Doch die Ahs und Ohs waren eben Müllers Tor (49.) vorbehalten ( 634024 DIASHOW: Bilder des Spieltags ).

"Ich weiß nicht, ob es das schönste Saisontor war. Aber es hat sich gut angefühlt, weil es ein wichtiges war zum 2:0", sagte Müller bei "sky".

Der nächste Rekord

Er trug mit seinem Tor zu einem neuen Rekord bei:

Fünf Siege ohne Gegentor in den ersten fünf Auswärtsspielen (15:0 Tore) hat noch kein Bundesliga-Team geschafft.

Und der junge Mann vom Ammersee huldigte Ex-Bayern-Star Giovane Elber, dem einst gegen Rostock ein ähnliches Kunststück gelungen war.

"Ich kann es leider nur mit rechts, Giovane mit links", scherzte Müller.

Adler: "Bayern eine Nummer zu groß für uns"

Für Torwart Adler war es indes ein gebrauchter Tag. "Die Bayern waren heute eine Liga besser, eine Nummer zu groß für uns", gab er bei LIGA total! ohne Umschweife zu.

Zum Gegentor von Müller meinte Adler nur: "Ich habe ein bisschen die Orientierung verloren. Der darf natürlich so nicht rein."

Das Duell mit Neuer, räumte er ein, habe er "grandios verloren".

Fink: "Wir hatten zu viel Respekt"

Sein Trainer Thorsten Fink schimpfte: "Wir hatten zu viel Respekt und haben nicht so gespielt, wie wir das können. Das erste Tor hat uns das Genick gebrochen."

Die Bayern registrierten indes stolz, dass sie die Patzer der Konkurrenz aus Schalke (2:3 in Hoffenheim), Dortmund (0:0 gegen Stuttgart) und Frankfurt (1:1 gegen Fürth) lässig genutzt haben.

"Die Leistung meiner Mannschaft war allererste Sahne. Ich bin sehr zufrieden, wie wir über 90 Minuten Fußball gespielt haben", lobte Coach Jupp Heynckes.

Und Sportvorstand Matthias Sammer schwärmte von "einer Leistung auf einem ziemlich hohen Niveau".

Robben nur auf der Bank

Von Verunsicherung nach dem 1:2 gegen Bayer Leverkusen, der ersten Saisonniederlage am vergangenen Sonntag, war bei den Bayern beim ersten Sieg in Hamburg seit sechs Jahren nichts zu sehen.

Nachdem der FCB unter der Woche mit einer Reservisten-Elf im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern gewonnen hatte, ließ Heynckes wieder seine beste Elf auflaufen.

Selbst Superstar Arjen Robben fand sich nur auf der Bank wieder.

Allerdings kamen die Gäste erst nach 20 Minuten ins Spiel, scheiterten aber durch Top-Torjäger Mario Mandzukic (25.) und dem im Laufe des Spiels immer stärkeren Ribery (26.).

HSV ohne echten Stürmer

Die Hamburger versteckten sich zunächst nicht und hatten zu Beginn noch die besseren Szenen. Allerdings blieben echte Tormöglichkeiten Mangelware.

Fink, der zwischen 1997 und 2006 für die Bayern spielte, ließ seine Mannschaft ohne echten Stürmer beginnen, trotzdem setzten die Hanseaten die ersten zaghaften Vorstöße.

Rafael van der Vaart spielte überraschend an vorderster Front und hatte auch mit einem Kopfball (7.) die erste Möglichkeit.

Tomas Rincon schoss nach einer Ecke aus der zweiten Reihe knapp am Tor vorbei (12.). Danach aber spielten nur noch die Gäste.

Schachzug nach der Pause verpufft

In der Pause reagierte Fink auf den Rückstand, brachte Artjoms Rudnevs als Sturmspitze für Rincon und beorderte van der Vaart etwas zurück auf die Spielmacherposition.

Der Schachzug verpuffte, weil die Bayern konsequent und hochkonzentriert den HSV in Schach hielten und durch den Doppelschlag schnell alles klar machten.

Danach spielten die Bayern das Spiel souverän nach Hause und erteilten den Hamburgern, die nach drei Siegen in den vergangenen vier Spielen von einem Coup gegen den Rekordmeister geträumt hatten, eine Lehrstunde.

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