Rene Adler (r., mit Neuer) bestritt bislang zehn Länderspiele © getty

Beim Duell HSV ? Bayern stehen die beiden Keeper im Brennpunkt. Bodo lllgner sieht bei SPORT1 den Bayern-Schlussmann vorn.

Von Martin Hoffmann

München - Jupp Heynckes mag am liebsten gar nichts davon hören.

"Das ist eine Begegnung Hamburg gegen Bayern", erklärt der Münchener Coach, als er darauf angesprochen wird, kein Duell zwischen Rene Adler und Manuel Neuer: "Das ist Ihre Interpretation."

Es stimmt ja streng genommen auch, dass es nichts außer drei Punkten zu gewinnen gibt für die beiden Keeper: keine Nummer eins in Gold, kein Erste-Klasse-Flugticket nach Brasilien, einlösbar im Sommer 2014.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und doch wird die Fußballnation an diesem Samstag (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) gebannt blicken auf diesen informellen Zweikampf der zwei derzeit wohl besten deutschen Schlussmänner.

Jede Zuckung unter Beobachtung

Jede Zuckung von Neuer kann an diesem Samstag Diskussionen auslösen, ob der HSV-Torwart ihn nervös macht, jede falsche Bewegung von Adler eine Debatte, ob ihn die Präsenz des Münchener Gegenübers nicht doch seine Grenzen aufzeige.

Zu spannend ist gerade dieser aufkeimende Streitfrage, die lange keine Streitfrage mehr war.

Weil es schien, als ob dieser Manuel Neuer den Rang als bester Keeper der Nation sicher hatte bis zu seinem Karriere-Ende, mindestens.

Nun aber ist diese märchenhafte Geschichte vom Wiederaufstieg des Mannes, der den Thron einst unter so unglücklichen Umständen verlor.

Verhängnisvoller Rippenbruch

2010 war es, Rene Adler war gesetzt als deutsche Nummer eins für die WM in Südafrika.

Doch dann kam ein Rippenbruch - und zwei Jahre, die er vorwiegend in Reha-Zentren verbrachte.

Und zusehen musste, wie sie alle an ihm vorbeizogen: Neuer, Wiese, Zieler, ter Stegen, auch Bernd Leno, der in Leverkusen so aufblühte, dass Adler dort nicht mehr gebraucht wurde.

[kaltura id="0_3p5j6slg" class="full_size" title="Adler gegen Neuer Wer macht das Rennen "]

"Es gab noch nie einen besseren Adler"

Beim neuen Klub glänzt Adler nun wieder, hält Ball auf Ball, dirigiert, spielt mit, reißt mit.

So sehr, dass keiner seiner Selbsteinschätzung widerspricht: "Es gab noch nie einen besseren Adler als jetzt."

Und das in T-Fragen so verliebte Fußball-Deutschland wieder eifrig die Frage debattiert, die Adler selbst diplomatisch umkurvt: Ist der beste Adler aller Zeiten auch besser als Neuer und gehört er auch wieder ins Nationaltor?

Illgner für Neuer, van der Vaart für Adler

Nein, sagt Ex-Nationalkeeper Bodo Illgner bei SPORT1: "Derzeit sehe ich keinen Grund, an der Reihenfolge etwas zu ändern."

Es sei zwar "natürlich schön, dass ein so talentierter Torwart nach seiner Verletzung wieder zu starker Form gefunden hat" und dass es noch jemanden gibt, "der dem etablierten Nationaltorhüter zeigt, dass er sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen darf".

Aber auch wenn der Bayern-Keeper zuletzt beim 4:4 gegen Schweden einen schwarzen Tag erwischt hat, findet Illgner: "Neuer hat den Vorteil, dass er schon wichtige Turniere gespielt hat. Er hat schon gezeigt, dass er diesem extremen Druck standhält."

Hamburgs Star-Regisseur Rafael van der Vaart vertritt bei SPORT1 die Gegenposition: Manuel Neuer sei zwar natürlich "auch kein Schlechter", allerdings: "So wie Rene jetzt gerade in Form ist - da gibt es keinen Besseren."

Heynckes nimmt es gelassen

Ein Satz, den andere Trainer Manuel Neuer ausdrucken und an die Kabinentür hängen würden.

Heynckes aber findet, dass sein Keeper das nicht nötig hat. Er sagt zu van der Vaarts Einschätzung das, was er immer sagt, wenn ihn eine Aussage nicht schert: Dass sie "doch ganz normal" sei.

"Adler ist sein Torwart, er sagt das eben, um ihn aufzuwerten."

Glückwünsch-SMS von Heynckes

Heynckes will Adler ja selbst auch gar nicht abwerten, dazu ist er mit seinem ehemaligen Leverkusener Schützling zu gut verbunden.

"Es hat mich unheimlich gefreut, dass er seine Leidenszeit überwunden hat", betont er und berichtet, dass er Adler dazu auch per SMS beglückwünscht habe.

Adler habe sich "überragend eingefügt" in Hamburg, "eine Personality" und "vor allem auch ein guter Fußballer", der dem HSV zusammen mit den anderen Neuzugängen eine "andere Struktur" gebe.

"An der Nummer eins gibt es nichts zu rütteln"

"Rene ist wieder in der Form, dass er zur Nationalmannschaft eingeladen werden muss", findet Heynckes.

Wobei er das dann doch mit der erwartbaren Einschränkung versieht: "Ich denke, dass es an der Nummer 1 nichts zu rütteln gibt - und das ist Manuel Neuer."

Hat Heynckes recht? Statistiker halten dagegen, dass Adler die meisten Großchancen der Bundesliga pariert (47,62 Prozent).

Andere Statistiker halten dem dann wiederum entgegen, dass Neuer den größten Anteil der Schüsse auf sein Tor hält (82,61).

Und allen, die nichts auf Statistiken geben, bleibt die simple Feststellung, dass die Wahrheit auf dem Platz liegt - und zumindest ein Teil der Wahrheit am Samstag bei der Begegnung Hamburg gegen Bayern auf den Tisch kommt.

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