Louis van Gaal (l.) trainierte zwischen 2009 und 2011 den FC Bayern München © getty

Bayern-Coach Jupp Heynckes wischt vor dem HSV-Spiel die Attacken seines Vorgängers auf Uli Hoeneß mit spöttischem Sarkasmus weg.

Vom FC Bayern berichtet Martin Hoffmann

München - Technisch gesehen sagte Jupp Heynckes nichts zum Thema.

Aber die Art und Weise, wie er nichts sagte, war auf der anderen Seite die schärfste Form, mit der der Bayern-Coach auf die Abrechnung reagieren konnte.

In einem einzigen Satz machte Heynckes auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV (Sa., ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) klar, was er von den Attacken seines Vorgängers auf FCB-Präsident Uli Hoeneß hält.

"Eine Aussage des holländischen Nationaltrainers ist für mich so relevant, wie wenn in Peking ein Fahrrad umkippt", hielt Heynckes fest - ohne seinen Adressaten Louis van Gaal auch nur durch die Erwähnung seines Namens zu würdigen.

Kritik an Hoeneß' Machtfülle

Der 2011 entlassene van Gaal hatte in dieser Woche in einem "Sport-Bild"-Interview unter anderem erklärt, "dass es keineswegs eine gute Sache ist, wenn die Macht bei so einem großen Klub wie dem FC Bayern nur bei einer Person liegt. Für mich und meine Arbeit war Uli Hoeneß also nicht gut."

Hoeneß sei "der Einzige im Klub" gewesen, "der immer auf meinen Abschied gedrängt hat", so der streitbare van Gaal, dessen immer wieder ausgetragene Differenzen mit dem Vereinsboss letztlich unüberbrückbar wurden.

"Keine weitere Zusammenarbeit" wäre mit Hoeneß mehr möglich - wobei er ansonsten einer Rückkehr zum FC Bayern prinzipiell aufgeschlossen gegenüber stehen würde. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

[kaltura id="0_1kp89lh5" class="full_size" title="Achtung Bayern HSV ist angriffslustig"]

Sammer widerspricht, Hoeneß schweigt

Schon vor Heynckes' Replik hatte van Gaal hierzu Kontra bekommen.

Sportvorstand Matthias Sammer nannte die Aussagen des jetzigen Bondscoachs in aller Vorsicht "problematisch" - und falsch: "Der FC Bayern ist keine One-Man-Show."

Während ihr erster Adressat Hoeneß sie schlicht ignorierte und dazu "wirklich nicht" sprechen wollte

Lob für Robben

Und auch Heynckes befasste sich am Freitag lieber mit angenehmeren Wortmeldungen.

Mit Freude registrierte der Coach die Aussage von Arjen Robben, dass der irgendwann gerne dauerhaft Kapitän beim Rekordmeister werden würde.

"Unheimlich positiv" findet Heynckes das, sieht es als Zeichen der Identifikation mit dem Klub - und als Bestätigung seiner Entscheidung, Robben beim Pokalspiel gegen Kaiserslautern die Binde anzuvertrauen.

"Da habe ich mir natürlich was dabei gedacht. Das hat ihn beflügelt und das habe ich auch vorausgesehen."

Trotz Strauchler: Harmonie überall

Ebenso lobend erwähnte Heynckes seinen Stürmer Nummer drei Claudio Pizarro, der sich gegen Lautern mit zwei Toren und zwei Vorlagen für weitere Einsätze empfahl - und hinterher den Reportern nur Gutes erzählte, statt sich wie Ciprian Marica von Meisterschafts-Konkurrent Schalke zu beklagen, dass er nicht häufiger spiele.

Ein Zeichen der "guten Harmonie im gesamten Spielerkader" sei das. Beste Stimmung allerorten, das ist die Botschaft.

Dass die Bayern am vergangenen Wochenende gestrauchelt sind, die Rekordsiegesserie mit einer unnötigen Heimpleite gegen Leverkusen beendet ist? Kein Thema mehr.

Ungerührt und ungebrochen

Absolut nichts hat Heynckes nach der Bayer-Pleite nach eigenen Angaben im Training verändert.

Und die Tatsache, dass der FCB seit 2006 nicht mehr in Hamburg gewonnen hat, schreckt Heynckes ebensowenig wie der Umstand, dass Konkurrent Schalke am Nachmittag bis auf einen Punkt auf sein Team aufholen könnte: "Wir gehen unseren Weg und schauen nicht nach links oder rechts."

Ungerührt und mit ungebrochenem Selbstbewusstsein will sein Team die erste Pflichtspielaufgabe des Novembers in Angriff nehmen - jenem November, der in der vergangenen Saison mit einem Einbruch einherging.

Ribery doch noch fraglich

Heynckes hält sich offen, ob er in Hamburg den zuletzt angeschlagenen Franck Ribery wieder in die Startelf beruft: "Wenn er in die Vollen gehen kann, wird er spielen. Wenn nicht, dann nicht."

Ein Wackelkandidat ist auch 40-Millionen-Neuzugang Javi Martinez, von dem Heynckes zugibt, dass er noch nicht das erwartete Top-Niveau erreicht hat.

Der Coach versucht nun, den Basken mit ein paar kritischen Worten anzutreiben: "Javi weiß ganz genau, dass er sich weiter steigern muss, er kann viel mehr."

Plädoyer für Adler

Heynckes braucht nach eigener Einschätzung alle Mann in Top-Form bei einem Gegner, der gegen Bayern "120 Prozent geben wird" und "im Aufwind ist" - vor allem, weil er "gut eingekauft hat".

Besonders seinen ehemaligen Leverkusener Schützling Adler lobte Heynckes in höchsten Tönen.

"Überragend eingefügt" habe der sich beim HSV, Adler gehöre auch wieder in den Kreis der Nationalkeeper - hinter Manuel Neuer, versteht sich.

Weiterlesen