Stürmer Julian Schieber wechselte 2012 von Stuttgart zu Borussia Dortmund © imago

Vor dem VfB-Spiel drängt sich Dortmunds Julian Schieber für einen Startelf-Einsatz auf. Gedanken ans 4:4 spielt er herunter.

Von Christian Paschwitz

Aalen/München - Fast könnte man meinen, Julian Schieber habe den Zeitpunkt seines ersten Pflichtspiel-Treffers für Borussia Dortmund ganz bewusst gewählt:

Beim 4:1 beim VfR Aalen, eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung in der zweiten DFB-Pokal-Runde, setzte der 23-Jährige den Schlusspunkt des BVB-Torreigens. (Nachbericht)

Es war zugleich ein Bewerbungsschreiben für den lang ersehnten Platz in der Startelf - und das ausgerechnet vor dem Bundesliga-Duell mit Schiebers Ex-Klub VfB Stuttgart (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Erinnerungen an 4:4 der Vorsaison

Die Borussia gegen die Schwaben - war da nicht was im März?

Beim verrückten 4:4 der Vorsaison hatte Schieber noch das VfB-Trikot getragen und seinem jetzigen Arbeitgeber mit einem Tore-Doppelpack kräftig die Tour vermasselt.

"Ich muss auf meine Chance lauern und hoffe, dass ich gegen den VfB auf dem Platz stehe", sagt der gelernte Angreifer nun gegenüber SPORT1 mit Blick auf die Neuauflage der Partie.

Klopp lobt - trotzdem wohl nur Joker

So schlecht sind die Voraussetzungen keineswegs:

"Für Julian habe ich mich sehr gefreut. Es ist ein super Junge und ein außergewöhnlicher Typ. Irgendwann musste der Knoten ja mal platzen. Ich hoffe, dass das jetzt in Aalen war", lobte Jürgen Klopp.

Der Coach ließ aber durchblicken, dass Schieber trotz seiner Torpremiere wohl vorerst weiter nur die Joker-Rolle bleibt - wie schon viermal in der Liga: "Julian trainiert gut. Er muss, er darf sich entwickeln."

[kaltura id="0_3a6pbcjm" class="full_size" title="Klopp f rchtet das Spektakel"]

Nur einmal in der Startelf

Damit scheint die Rolle auf der Bank erneut abonniert.

Nur einmal, beim 5:0 gegen Borussia Mönchengladbach, rotierte der gebürtige Schwabe mit dem schönen Beinamen "Bulle von Backnang" in die Anfangsformation. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Als Vertreter für Robert Lewandowski ging er leer aus, zeigte dabei jedoch gute Ansätze.

Überhaupt hat Schieber seinen Wechsel im Sommer zum Double-Sieger nicht bereut.

"Bin mit mir im Reinen"

"Ich bin mit mir im Reinen", sagt der Mittelstürmer, dem auch die Rolle im offensiven Mittelfeld liegt, gegenüber SPORT1.

Und ergänzt: "Ich weiß aber, dass noch viel Luft nach oben ist, dass ich hart arbeiten muss. Ich kann mich noch viel entwickeln und mich noch besser ins Spiel integrieren, aber das kommt mit der Zeit. Ich fühle mich wohl und bin auf dem richtigen Weg."

Erinnerungen an Lewandowski

Schon mal an der richtigen Stelle als Knipser war Schieber in Aalen - kein Hochkaräter-Tor zwar, aber den Abpraller-Ball des zuvor am Keeper gescheiterten Positions-Rivalen Robert Lewandowski muss man trotzdem erst mal reinmachen.

Apropos Lewandowski: Das Entwicklung des Polen sollte womöglich auch Schieber Mut auf die Zukunft machen:

Als Lewandowski 2010 zur Borussia stieß, blieb der hinter dem inzwischen abgewanderten Lucas Barrios - für den wiederum Schieber kam - zunächst ebenso nur zweite Wahl.

Variabel einsetzbar

"Es ist klar, dass ich eine Riesen-Konkurrenz vor mir habe", weiß Schieber um seine Situation, "und nach wie vor spielt der Robert da vorne richtig super."

Sein Glück ist indes vielleicht, variabel genug zu sein, bei Bedarf auch hinter den Spitzen agieren zu können.

"In Stuttgart musste ich auch nach links ausweichen, weil vorne drin Vedad Ibisevic gesetzt war", sagt Schieber. "Jetzt bin ich wieder da, wo ich mich eigentlich wohler fühle: hängende Spitze oder vorne drin, das ist eigentlich meine Hauptposition."

Flachs mit den Ex-Kollegen

Spannende Frage also, wo (und ob) Schieber gegen den VfB zum Zug kommt:

"Ich freue mich natürlich auf das Spiel und die alten Kollegen. Für uns ist aber wichtig, dass wir endlich wieder den Heim-Dreier holen und ein super Spiel liefern - das steht im Fokus", spielt der Ex-U-21-Nationalspieler die persönliche Bedeutung des Duells herunter.

"Ich bin immer in Kontakt mit einigen Spielern. Christian Gentner, Georg Niedermeier, Martin Harnik und Daniel Didavi - wir flachsen am Telefon", erklärt Schieber.

Und fügt an: "Meinetwegen können wieder acht Tore fallen. Aber dieses Mal soll Dortmund der Sieger sein."

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