Seit Oktober 2011 ist Thorsten Fink Trainer beim Hamburger SV © getty

Vor dem Spiel gegen die Bayern spricht HSV-Trainer Thorsten Fink im SPORT1-Interview über den jüngsten Aufschwung und den FCB.

Von Matthias Becker

München - Sechs Jahre lang trug Thorsten Fink das Trikot des FC Bayern.

Gleich viermal wurde er mit den Münchnern zwischen 1997 und 2003 Deutscher Meister, dazu dreimal DFB-Pokalsieger und je einmal Champions-League- und Weltpokalsieger.

Das Aufeinandertreffen mit dem FCB am Samstag (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) ist für den heutigen Trainer des Hamburger SV also mit vielen guten Erinnerungen verbunden.

Und nach dem eher holprigem Saisonstart lernt der 45-Jährige inzwischen auch mit dem HSV wieder die schönen Seiten des Fußballs kennen.

In den letzten sechs Bundesliga-Spielen kassierten die "Rothosen" nur eine Niederlage (0:1 gegen Stuttgart), verbesserten sich somit auf den siebten Tabellenplatz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bei SPORT1 spricht Fink über den jüngsten Aufschwung bei den "Rothosen", das Wiedersehen mit den Bayern und die Ziele der Hamburger in dieser Saison.

SPORT1: Herr Fink, seit dem vierten Spieltag geht es für den HSV bergauf. Worin liegen die Hauptgründe dafür?

Thorsten Fink: Das ist ganz klar. Wir haben wichtige Spieler wie van der Vaart, Badelj und Jiracek erst nach Saisonstart verpflichten können. Dadurch haben wir uns aber natürlich qualitativ stark verbessert. Das sieht man an der Punktausbeute der vergangenen Wochen.

SPORT1: Vielfach wird der Aufwärtstrend mit Rafael van der Vaart und Rene Adler in Verbindung gebracht. Sind die beiden die entscheidenden Puzzle-Teile für Sie gewesen?

Fink: Nicht nur, aber auch. Wir haben jetzt eine funktionierende Achse. Die braucht jede Mannschaft, um den gewünschten Erfolg haben zu können. Rene Adler präsentiert sich seit Wochen in Topform. Heiko Westermann wurde wieder in die Nationalmannschaft berufen. Im Mittelfeld lenken Arslan, Badelj und van der Vaart das Spiel, vorn ackert Rudnevs und schießt auch Tore. Wir haben viel mehr Spieler auf dem Platz, die die absolute Siegermentalität verkörpern.

SPORT1: Haben Sie in Ihrer Arbeit auch Dinge anders gemacht für den Erfolg?

Fink: Auch als Trainer überprüfst du dich ständig selbst, gehst dazu in den Austausch mit deinem Team, dem Sportdirektor Frank Arnesen. Was können wir besser machen? Was können wir anders machen? Entscheidend ist aber auch, dass du dich als Trainer mit deiner Mannschaft, mit der Zusammenstellung des Kaders identifizieren kannst. Das kann ich.

[kaltura id="0_cdg68ff0" class="full_size" title="Van der Vaart ist heiß auf Bayern"]

SPORT1: Kam die Niederlage gegen Stuttgart vielleicht sogar zum richtigen Zeitpunkt, um bei allen die Sinne zu schärfen?

Fink: Das will ich so nicht sagen. Unsere Sinne sind geschärft. Dennoch werden wir auch immer wieder Spiele verlieren. Wir sind noch nicht so konstant in unseren Leistungen, müssen und wollen uns noch jeden Tag verbessern. Eine Spitzenmannschaft spielt konstant auf einem hohen Niveau. Das müssen wir uns noch erarbeiten.

SPORT1: Jetzt geht es gegen die Bayern, die gegen Leverkusen erstmals verloren haben. Ist das die Chance für den HSV, nach Dortmund auch den zweiten Top-Klub zu schlagen?

Fink: Glauben Sie, dass die Bayern jetzt in ein tiefes Loch fallen? Ich kann mir das nicht vorstellen. Das Spiel gegen Leverkusen ist bei den Bayern spätestens nach dem Pokalspiel gegen Kaiserslautern aus den Köpfen. Wir wollen sie trotzdem ärgern. Die Punkte bekommen sie nicht geschenkt. Wir haben schon gegen Dortmund und Hannover gezeigt, dass wir in unserer Arena auch Spitzenmannschaften besiegen können. Die Bayern sind eine tolle Herausforderung für uns.

SPORT1: Sind die Münchner nach der ersten Niederlage umso gefährlicher?

Fink: Die Bayern sind immer gefährlich. Aber wir können ihnen am Samstag auch gefährlich werden.

SPORT1: Was muss Ihr Team machen, um die Bayern zu schlagen?

Fink: An dieser Stelle werden wir Trainer doch immer gezwungen, das Gleiche zu sagen: Wir brauchen hundert Prozent Leidenschaft, müssen kompakt stehen und als Mannschaft funktionieren, müssen unsere Torchancen nutzen und um unser Leben rennen ... Wir werden das machen!

SPORT1: Fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16, sechs Punkte Rückstand auf Platz 3 ? in welche Richtung orientieren Sie sich mit dem HSV?

Fink: Am liebsten nach oben. Aber ohne große Ziele oder Tabellenplätze hinaus zu posaunen. Wir wollen uns erst mal in der oberen Tabellenhälfte festsetzen bis zum Winter, dann sehen wir weiter. Wir haben schon einiges entwickelt. Ein Son konnte ja nichts als rechter Mittelfeldspieler - jetzt hat er schon fünf Tore geschossen. Ein Rudnevs war schon ein Fehleinkauf - in Augsburg hat er ein Tor vorbereitet und eins selbst geschossen. Chelsea-Bubi Michael Mancienne ist zu einer großen Stütze geworden und ins Blickfeld des englischen Nationaltrainers gerückt. Arslan, den gar keiner auf dem Zettel hatte, wird von der türkischen Nationalmannschaft umworben. Es kann schnell gehen im Fußball - und zwar in beide Richtungen. Deswegen tun wir gut daran, der Mannschaft jetzt nichts aufzubürden.

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