Lorenz-Günther Köstner (M., mit Diego, r.) war 2010 schon Interimscoach beim VfL Wolfsburg © getty

Vor dem Nürnberg-Spiel spricht Wolfsburgs Interimscoach Lorenz-Günther Köstner bei SPORT1 über den VfL, Felix Magath und Diego.

Von Reinhard Franke

München - Lorenz-Günther Köstner hat den Erfolg zurück gebracht.

Und das mit ein paar wenigen Änderungen. Nun hofft der Interimscoach nach der Entlassung von Felix Magath, nicht nur eine Übergangslösung beim VfL Wolfsburg zu sein.

Für den 60-Jährigen Oberfranken ist Bundesligatrainer nämlich der ?geilste Job der Welt." Die Spieler würden es begrüßen.

"Mister Lorenz", wie der brasilianische Spielmacher Diego seinen Chef nennt, sei ein "hervorragender Trainer", der von der ersten Sekunde an "alles richtig gemacht" habe. Köstner hat sich schnell das Vertrauen der Spieler gesichert.

Der sportliche Dank: Ein 4:1 bei Fortuna Düsseldorf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) und das 2:0 im Pokal gegen den FSV Frankfurt (Bericht) haben das Stimmungsbarometer bei den "Wölfen" deutlich nach oben schnellen lassen.

Vor dem Spiel am Samstag beim 1. FC Nürnberg (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Köstner bei SPORT1 über seinen Traumjob, Magath, Diego - und verrät, warum er Chef bleiben will.

SPORT1: Herr Köstner, zwei Siege zum Start. Gibt es etwas Schöneres?

Lorenz-Günther Köstner: Es ist natürlich schön, dass wir jetzt zwei Erfolgserlebnisse hintereinander hatten. Mit jedem Erfolg wächst das Selbstvertrauen. Jetzt können wir gestärkt nach Nürnberg fahren. Die Bundesliga ist unser Tagesgeschäft und wir wären dumm, wenn wir die Euphorie nicht mitnehmen würden. Wir werden auf einen entschlossenen Club treffen, der den Bock endlich umstoßen will. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe. So gefestigt sind wir noch nicht, dass wir da locker punkten.

SPORT1: Wie schwer war die erste Woche für Sie als Nachfolger von Felix Magath?

Köstner: Schwer war es, weil ich mit dem Felix Magath nicht mehr sprechen konnte und sofort eine Entscheidung treffen musste. Bernd Hollerbach und Werner Leuthard (die Co-Trainer, Anm. d. Red.) haben mir gesagt, dass sie aus Solidarität zu Magath auch freigestellt werden. Das war schwer für mich, weil die Zwei Freunde sind. Ansonsten habe ich gar nicht viel Zeit gehabt, nachzudenken. Ich war angespannt, aber bin das Ganze mit einer nötigen Gelassenheit angegangen.

SPORT1: Sie stehen nun wieder im Mittelpunkt. Genießen Sie es?

Köstner: Es ist natürlich schön wieder in der Bundesliga zu arbeiten. Plötzlich ändert sich alles und man steht permanent unter Hochspannung. Ich war noch auf Oberneuland eingestellt und dann heißt der Gegner auf einmal Fortuna Düsseldorf. Ich will dem Vertrauensvorschuss, der mir seitens des Aufsichtsrats gegeben wurde, natürlich auch gerecht werden.

SPORT1: Sind Sie enttäuscht, dass Herr Magath nach seinem Ende nicht mehr mit Ihnen gesprochen hat?

Köstner: Den Felix hat diese Entscheidung natürlich auch hart getroffen, er ist auch nur ein Mensch. Wir werden bald wieder miteinander sprechen. Es wird da keine Probleme geben.

SPORT1: Gleich in Ihrem ersten Spiel gab es einen erlösenden 4:1-Sieg in Düsseldorf. Woran lag es?

Köstner: Wenn der Grund war, dass ich die Truppe auf sechs Positionen verändert hatte, dann freue ich mich natürlich. Wir brauchten unbedingt ein Erfolgserlebnis und anscheinend habe ich einige richtige Entscheidungen getroffen. Wichtig war, dass die Mannschaft das versucht hat umzusetzen, was ich ihr vorgegeben habe. Fakt ist aber auch, dass wir noch lange nicht über den Berg sind. Wir haben noch viel zu tun.

SPORT1: Der Befreiungsschlag war mit vielen Emotionen verbunden. Wie haben Sie das empfunden?

Köstner: Natürlich mit großen Emotionen. Ich bewerte diese Sachen aber nicht über, denn im Fußball geht es schnell, aber die Euphorie muss man nicht bremsen. Eine wirkliche Euphorie kann sich erst nach mehreren positiven Spielen entwickeln. Wenn man gesehen hat, wie sehr sich die Spieler nach dem Sieg in Düsseldorf gefreut haben, zeigt das, dass man den Nerv der Mannschaft getroffen hat.

SPORT1: Lag es daran, dass Magath weg ist?

Köstner: Fakt ist, dass die Jungs gut austrainiert waren. Aus irgendwelchen Gründen war eine Blockade da. In Düsseldorf hat man gesehen, was passiert, wenn sich diese Blockade löst.

SPORT1: Ganz ehrlich, haben Sie all die Maßnahmen von Magath nachvollziehen können? Zuletzt gab es die Nummer, dass er den Spielern das Wasser wegnahm.

Köstner: Ja, weil ich mit ihm darüber gesprochen habe. Das mit den Trinkflaschen ist überinterpretiert worden. Er wollte damit zeigen, dass das Team noch mehr zusammenwachsen- und auch die geringere Ration teilen solle. Der Felix hat den Spielern das Wasser ja nicht komplett weggenommen. Es ist sehr unglücklich rübergekommen.

SPORT1: Sie haben gesagt, dass sie Magaths Werk weiter fortführen wollen. Wie ist das gemeint?

Köstner: Ich will der Mannschaft weiter zum Erfolg verhelfen, das habe ich gemeint. Natürlich habe ich etwas geändert. Man muss auch gerecht bleiben und nicht alles schlecht machen, was Felix gemacht hat.

SPORT1: Wollen Sie dauerhaft der neue Cheftrainer bleiben?

Köstner: Ich würde nicht nein sagen und würde das mit viel Freude annehmen. Ich habe längst gesagt, dass es das Schönste ist, Bundesligatrainer zu sein. Wenn man eine gute Mannschaft hat, dann ist es noch schöner.

SPORT1: Ist die Mannschaft gut genug, um in der Tabelle wieder nach oben zu klettern?

Köstner: Die Mannschaft war in sich bisher nicht so gut, sonst würden wir nicht auf einem Relegationsplatz stehen. Wenn wir eine Mannschaft werden, dann können wir auch unser Potenzial ausschöpfen und dann kommen auch positive Ergebnisse. Aber bis dahin müssen wir noch hart arbeiten.

SPORT1: Sind Sie auch so ein harter Hund wie Magath?

Köstner: Ich habe mich in all den Jahren nie verändert, egal in welcher Liga. Bei mir kommt eine gewisse Glaubwürdigkeit rüber. Ich bin kein Großmaul und will in der Öffentlichkeit nicht für Schlagzeilen sorgen. Glaubwürdigkeit und Beständigkeit sind wesentliche Attribute, die wichtig sind für mich.

SPORT1: Und Menschlichkeit? Wenn man zuletzt die herzliche Umarmung zwischen Ihnen und Diego gesehen hat, dann könnte man meinen, dass da eine freundschaftliche Verbindung besteht.

Köstner: Ich habe ihn in die Verantwortung genommen und er wollte das auch zeigen. Auf ihm ist vieles abgewälzt worden, er hat einiges mitgemacht. Die ersten Gespräche mit ihm waren sehr offen und da ist etwas rüber gekommen. Es ist die Mannschaft, die zählt.

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