Horst Heldt wechselte 2010 vom VfB Stuttgart zu Schalke 04 © imago

Schalke kann bis auf einen Punkt an den FCB heran, doch der Manager will nichts mehr von seiner eigenen Angriffslust wissen.

Von Martin Hoffmann und Mathias Frohnapfel

München - Ja, er will Meister werden, hatte Horst Heldt diese Woche bekannt.

"Hellwach" müsse man sein, "wenn der FC Bayern schwächelt", hatte Schalkes Manager den Seinen auf einer Fanveranstaltung erklärt: "Da darf kein anderer Deutscher Meister werden."

Es waren recht offensive Worte vom Tabellen-Zweiten - und der mediale Wirbel, den sie ausgelöst haben, scheint Heldt unheimlich geworden zu sein.

Denn auf der Pressekonferenz vor dem Schalker Gastspiel am Samstag in Hoffenheim (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) ist auf einmal nichts mehr übrig von heldtscher Angriffslust.

"Das Wort Jäger stört mich"

"Wir konzentrieren uns auf uns", floskelt es nun aus seinem Mund.

Und was ist mit dem Status als erster Bayern-Jäger? "Das Wort Jäger stört mich."

Aber die Fans träumen doch von der Meisterschaft? "Träumen gehört zum Leben dazu. Das ist auch gut so." Träumt er also auch vom Titel? "Nein", sagt Heldt. Zweimal.

Im Bestfall nur noch ein Punkt

Das Jagdhorn, das Heldt eben noch geblasen hat, ist eingepackt: Keine Meister-Träume, keine Bayern-Verfolgung, das ist jetzt die Botschaft vor dem zehnten Spieltag.

Fakt allerdings ist: Die Königsblauen können am Samstag bis auf einen Punkt herankommen an den eben noch scheinbar hoffnungslos enteilten Rekordmeister.

Wie es aussieht, will Heldt das nun aber aus den Köpfen seiner Spieler heraustreiben - ehe es ihnen selbige verdreht.

[kaltura id="0_u709ouh7" class="full_size" title="Heldt rudert zurück"]

"Meine Aufgabe liegt nicht in München"

Der Manager liegt dabei ganz auf der Linie von Trainerfuchs Huub Stevens, der auf der PK jegliche Erwähnung der Bayern und ihres jüngsten Stolperers gegen Leverkusen wegknurrt.

"Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe, und die liegt, glaube ich, hier in Gelsenkirchen und nicht in München."

Unter der Woche sind ein paar unangenehme Aufgaben hinzugekommen: Zwar erledigte ein Schalker B-Team die Pokal-Pflichtaufgabe gegen Sandhausen ohne größere Mühe (Bericht).

Reservisten schieben Frust

Hinterher allerdings nutzten mehrere Reservisten, die durch den Pokaleinsatz eigentlich bei Laune gehalten werden sollten, die ihnen verschaffte Bühne zur öffentlichen Ärgertherapie.

So meinte Torschütze Ciprian Marica zwar: "Ich will meinen persönlichen Frust nicht in die Mannschaft bringen."

Mit seinem Lamento, dass er auf Schalke trotz guter Form "keine Chance" bekomme, tat er dann aber doch genau das.

Kopfwäsche für Hildebrand

Noch mehr Brisanz barg eine Wortmeldung von Keeper Timo Hildebrand, der Coach Stevens indirekt bis direkt vorwarf, der Öffentlichkeit in Sachen Konkurrenzkampf im Tor einen Bären aufzubinden.

"Ich glaube nicht, dass von Spiel zu Spiel entschieden wird, sondern dass Lars Unnerstall spielt und ich solche Einsätze wie gegen Sandhausen erhalte", hielt Hildebrand fest.

Und: "Ich weiß, was er zu mir gesagt hat, und ich weiß, was er nach außen sagt."

Stevens bewog das zu einer Kopfwäsche via "Bild"-Zeitung: "Wenn Timo ein Problem hat, muss er das nicht nach außen tragen, sondern zu mir kommen. Auch Ralf Fährmann ist als dritter Torwart enttäuscht. Doch von dem höre ich nichts."

Sammer gelassen

Es sind Ablenkungen, die der Konkurrenz aus München in die Hände spielen - wobei die sich beim Blick auf Schalke ohnehin gelassen gibt.

"Keine Rolle" spielt es laut Sportvorstand Matthias Sammer, dass Schalke am Samstag vorlegen und den Rekordmeister vor dem Abendspiel beim Hamburger SV (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) unter Druck setzen kann.

"Wir wissen, was wir können", sagt Sammer zu SPORT1: "Und das ist eine ganze Menge."

Müller will schwarze Serie beenden

Wortgleich dasselbe entgegnet Sammer den Hamburgern, die den Bayern am Samstag, so Regisseur Rafael van der Vaart "wehtun" wollen.

"Es war ja zu hören, dass sich die Hamburger was ausrechnen", fügt Sammer hinzu: "Das ist in Ordnung, aber wir auch."

Offensivakteur Thomas Müller kann wiederum verstehen, dass die HSV-Akteure den Münchenern selbstsicher entgegentreten: "In Hamburg war es in den vergangenen Jahren immer sehr schwer für uns."

Genau daraus aber zieht Müller bei SPORT1 Motivation: Eben weil er mit den Bayern nie ein Erfolgserlebnis in Hamburg hatte - den letzten Auswärtssieg gab es 2006 - "will ich da mal gewinnen."

BVB auf Aufholjagd

Schlechte Erinnerungen an den kommenden Gegner hat auch Titelverteidiger Dortmund, der den am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) gastierenden VfB Stuttgart seit 2008 nicht mehr zu Hause besiegt hat.

In frischer Erinnerung ist noch das irrwitzige 4:4 im Frühjahr. Klopps Wunsch für diesmal: "Weniger spektakulär, dafür aber drei Punkte."

Die braucht es auch bei aktuell immer noch neun Zählern Rückstand auf die Bayern - auch wenn die in Dortmund offiziell ebenso wenig Thema sind wie auf Schalke.

"Wir haben in der Bundesliga ergebnistechnisch Nachholbedarf", sagt Klopp einfach nur.

Auch eine Art, das Jagdhorn zu blasen.

Weiterlesen