Luiz Gustavo wechselte 2010 aus Hoffenheim zum FC Bayern München © getty

Heynckes' Rotation scheint nicht nur Luiz Gustavo zu beflügeln. Und Sammer sorgt dafür, dass das "Mia-san-Mia" nicht Überhand nimmt.

Von Christian Stüwe

München - Luiz Gustavo ist bisher einer der Gewinner der noch jungen Saison beim FC Bayern München.

Angesichts der Verpflichtung des 40 Millionen Euro teuren Javier Martinez schien der Brasilianer kaum noch Aussicht auf Spielzeit zu haben.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch der Mittelfeldabräumer spielt entgegen aller Erwartungen eine wichtige Rolle und brachte seine Mannschaft am Samstag mit seinem zweiten Saisontor in Bremen (Bericht) auf die Siegesstraße und wurde zum Matchwinner. 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag)

Schon in den nächsten Spielen könnte es aber sein, dass Luiz Gustavo wieder auf die Bank muss.

"Jeder muss sein Ego zurückstellen"

Denn Trainer Jupp Heynckes rotiert bisher ebenso konsequent wie erfolgreich und nimmt dabei keine Rücksicht auf Namen oder Verdienste.

"Jeder muss sein Ego zurückstellen und auch mal auf die Bank", erklärte Heynckes: "Und da lasse ich nichts aufkommen. Die Mannschaft versteht das."

Gegen Wolfsburg sei etwa Wirbelwind Xherdan Shaqiri im offensiven Mittelfeld erste Wahl gewesen, erklärte Heynckes kürzlich.

In der Champions League gegen Valencia habe er sich für Toni Kroos auf derselben Position entschieden, da gegen die defensiven Spanier dessen Fähigkeiten als Passgeber und Distanzschütze gefragt gewesen seien.

Verschärfter Druck im Mittelfeld

Doch nicht nur aus taktischen Gründen erscheint die Rotation derzeit das Mittel der Wahl zu sein.

Auch die einzelnen Spieler wirken im Vergleich zur letzten Spielzeit verbessert.

Durch die Verpflichtung von Shaqiri und Martinez verschärfte sich die Konkurrenz im Mittelfeld derart, dass sich kein Spieler einen Durchhänger erlauben kann.

Neben Luiz Gustavo zeigen vor allem Kroos und Thomas Müller in dieser Saison konstantere Leistungen als in der letzten Spielzeit.

"Für uns Spieler ist das eine Situation, an die man sich gewöhnen muss", sagte Müller: "Aber grundsätzlich ist es eine Situation, die leistungsfördernd ist."

Flügelzange arbeitet nach hinten

Selbst die Superstars Franck Ribery und Arjen Robben wirken beflügelt und ackern in der Defensive mit.

"Und wenn ein Arjen Robben mal hinten einen Ball ergrätscht, dann stehen im Stadion doch alle auf und applaudieren", sagte Bastian Schweinsteiger der "Süddeutschen Zeitung": "Wir haben wirklich einen guten Geist in der Mannschaft.?

Das Resultat ist eine makellose Bilanz. Alle neun Pflichtspiele wurden gewonnen.

"Mia-san-Mia" nur in Maßen

Doch die zweite Neuerung beim FC Bayern neben dem deutlich verschärften Konkurrenzkampf in allen Mannschaftsteilen scheint ein neues Selbstverständnis zu sein.

Der neue Sportdirektor Matthias Sammer sorgte mit seiner deutlichen Kritik am Auftritt der Mannschaft in Bremen (Bericht) dafür, dass das berühmte "Mia-sa-Mia", das mit einer gewissen Selbstzufriedenheit verbunden ist, nicht Überhand nimmt.

"Im Prinzip war es lange Zeit ein richtiger Käse", ärgerte sich Sammer bei LIGA total!.

Man müsse aufpassen, dass die Spieler nicht "irgendwann mit hängenden Schultern rumlaufen, weil alle draufklopfen."

Und offenbar liegt Sammer mit seiner Kritik voll auf einer Linie mit Heynckes. "Das war mit dem Trainer abgesprochen", sagte der Sportvorstand der "Bild".

Keine Zufriedenheit trotz toller Bilanz

Sieben Punkte beträgt der Vorsprung der Bayern auf den großen Rivalen Borussia Dortmund bereits, das Torverhältnis von 19:2 ist ebenfalls beeindruckend.

Und doch macht sich beim FC Bayern dank Sammer und des verschärften Konkurrenzkampfes keine Gemütlichkeit breit.

Dies ist vielleicht der größte Unterschied zur vergangenen Saison.

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