MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Marco Reus erzielte gegen Gladbach seine Saisontore Nummer drei und vier © getty

Der junge Spielmacher des BVB bleibt lange in der Kabine der Mönchengladbacher. Die Mini-Party findet aber woanders statt.

Aus Dortmund berichtet Thorsten Langenbahn

Dortmund - Marco und Mario waren mal wieder die Letzten.

Laute Musik schallte aus der Kabine, in der nur noch Reus und Götze nach dem 5:0 (Bericht) gegen Mönchengladbach fröhlich zusammensaßen.

Zum Gesang von R'n'B-Star Chris Brown gesellte sich zwischenzeitlich eine zweite Stimme. Als Singstars erwiesen sich die BVB-Stars dabei allerdings nicht 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag) .

"Wir haben nicht gefeiert"

Gefeiert? Als Marco Reus kurze Zeit später danach gefragt wurde - die Musik noch immer im Hintergrund - schaute Dortmunds Mittelfeldspieler so verwundert, als hätte man ihm gerade einen Wechsel zum Rivalen aus Schalke vorgeschlagen.

"Wir haben nicht gefeiert. Wir hören immer Musik in der Kabine", sagte Reus in seinem gewohnt ruhigen Tonfall (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wie beim Jubeln wollte der 23-Jährige auch hinterher kein großes Aufhebens machen. Das hebt sich der Kreativspieler für seine Aktionen am Ball auf.

Gewohnten BVB-Fußball gezeigt

Mit einer überragenden Leistung hatte er den BVB zuvor aus der Mini-Krise zurück auf Rang drei geführt.

"Nach dem 1:0 und 2:0 haben wir das Spiel kontrolliert und dann teilweise wieder den BVB-Fußball gezeigt, den die Fans gewohnt sind", sagte Reus.

Die Gründe für den dritten Heimsieg der Saison nannte er auch: "Wir haben kompakter gestanden, besser nach vorne gespielt, mehr Chancen kreiert und dann auch in der Höhe verdient gewonnen."

Klopp: "Das ist das Schöne am Leben?

"Wir haben heute wieder unser wahres Gesicht gezeigt - und das konsequent über 90 Minuten", sagte Dortmunds Linksverteidiger Marcel Schmelzer zu SPORT1.

Die Null stand wieder. Aus den sechs Toren gegen Hamburg und Frankfurt, als sich der BVB auskontern ließ, haben die Dortmunder gelernt.

"In der Halbzeit habe ich den Jungs gesagt: 'Das ist das Schöne am Leben - vor vier Tagen haben wir der ganzen Welt gezeigt, wie man mit einer 2:0-Pausenführung nicht umgeht. Jetzt haben wir die Chance, zu zeigen, wie man mit einer 2:0-Pausenführung umgeht.' Das haben die Jungs gut gemacht", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp bei LIGA total!.

Für Manchester "keine Bedeutung"

Das Selbstvertrauen aus diesem Kantersieg nehmen die Schwarzgelben mit nach England, wo sie in drei Tagen bei Meister Manchester City zu ihrem zweiten Champions-League-Gruppenspiel antreten.

"Das hat für Mittwoch keine Bedeutung. Aber das Gefühl ist sicherlich gut. Es ist immer wichtig, eine Reaktion zu zeigen", meinte Klopp.

Bestätigt Reus beim Premier-Leauge-Vierten seine Galaform, braucht den BVB-Fans vor der Startruppe um den argentinischen Stürmerstart Carlos Tevez nicht bange zu sein.

Kunstschuss oft geübt

"Ein Weltklassetor. Das machen nur ganz wenige", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc über den zweiten Treffer von Reus.

Mit rechts versenkte er den rasant angeschnitten Ball über seinen Nationalmannschaftskollegen Marc-Andre ter Stegen im Gladbacher Tor hinweg ins lange Eck - der Kunstschuss ist Anwärter Nummer eins auf das Tor des Monats September.

"Ich habe das im Training oft geübt. Jetzt hat es endlich mal geklappt", sagte Reus glücklich über seinen vierten Saisontreffer.

"Gesehen, wozu er in der Lage ist"

Sein sechstes Ligaspiel war das bisher beste im schwarzgelben Trikot mit der Nummer elf.

"Man hat heute deutlich gesehen, wozu er in der Lage ist", meinte Innenverteidiger Neven Subotic, der sich zwischen den beiden Reus-Treffern ebenfalls in die Liste der Torschützen eingereiht hatte.

Gladbach steht ohne Reus dagegen eine schwere Saison bevor. Fünf Gegentore hatte es unter Trainer Lucien Favre noch nie gegeben.

Jantschke: "Dürfen uns nicht zerfleischen"

"5:0 ist deutlich. Mehr Warnung geht gar nicht", sagte Gladbachs Rechtsverteidiger Tony Jantschke.

"Es ist eine richtig kritische Phase. Wir dürfen uns jetzt nicht zerfleischen, sondern müssen den Kopf oben behalten", forderte der U-21-Nationalspieler und Reus-Kumpel.

Lange war Reus nach dem Spiel in der Kabine bei den alten Mannschaftskollegen. Die konnten nach der deutlichen Klatsche ein bisschen Aufbauhilfe gebrauchen.

Eberl will von Reus nichts mehr hören

Aufgebaut? Wieder schaute Reus verwundert. "Ich brauche die nicht aufzubauen. Die sind Manns genug, um selber mit der Situation umzugehen", stärkte er den Gladbachern den Rücken.

"Ich kenne viele und weiß, wie sie sich fühlen. Natürlich redet man dann ein bisschen, ob?s wirklich was hilft, dass weiß ich nicht", sagt Reus. "Am Ende müssen sie allein da durch."

Ohne ihn. Weshalb Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sich auch gar nicht mehr zu seinem Ex-Spieler äußern wollte und mit einem leicht schmerzhaft wirkenden Lächeln sagte: "Er ist nicht unser Spieler."

Gerade deswegen fand die kleine Party, die ja eigentlich keine war, in der anderen Kabine statt.

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