Matthias Sammer wurde als Trainer mit Dortmund 2002 Deutscher Meister © imago

Bayerns Siegesserie hält auch in Bremen. Doch Sammer ist mit der Leistung nicht zufrieden und kritisiert die Mannschaft.

Von Christian Stüwe

München - Nach 80 zähen Minuten war es Luiz Gustavo, der den FC Bayern erlöste.

Mit einem feinen Schlenzer neben den linken Pfosten brach der Brasilianer den Bann und besorgte die Führung in Bremen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Als der eingewechselte Mario Mandzukic nur zwei Minuten später mit seinem sechsten Saisontreffer den 2:0-Sieg der Bayern gegen Werder (Bericht) sicherstellte, jubelte und feierte die Münchener Mannschaft ausgelassen auf dem Platz. 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag)

Matthias Sammer gefiel das jedoch ganz und gar nicht.

"Wir haben jetzt sechsmal hintereinander gewonnen, aber dafür gibt es am Ende keine Auszeichnung", meinte der Sportdirektor, der beim Rekordmeister trotz makelloser Bilanz einen Abwärtstrend ausgemacht haben will.

"Im Prinzip war es lange Zeit ein richtiger Käse", ärgerte sich Sammer bei LIGA total!: "Wir dürfen uns in längeren Phasen des Spiels nicht so viel Leerlauf erlauben."

Sammer als Mahners

Vor der Saison verpflichteten die Münchner Sammer, um für eine neue Siegermentalität im Verein zu sorgen.

Nun sieht sich der Sportvorstand in seiner Rolle als Mahner gefordert.

"Ich muss aufpassen, dass die Schultern nicht runterhängen, auf die im Moment viel drauf geklopft wird", erklärte er.

"Ich bin Realist und gehe immer von der Leistung aus", führte Sammer weiter aus: "Wenn wir über das Bild an sich reden bis zum 1:0 und die Leistung an sich, dann haben viele Spieler ihr Potenzial heute nicht abgerufen."

Shaqiri und Mandzukic sorgen für Schwung

Lange hatte es in Bremen nach einem 0:0 ausgesehen, die Bayern hatte keine Mittel gegen das grün-weiße Abwehrbollwerk gefunden.

Nach rund einer Stunde brachte Heynckes Xherdan Shaqiri und Mario Mandzukic für Toni Kroos und Claudio Pizarro, was für deutlich mehr Schwung im Bayern-Angriff sorgte.

"In der ersten Halbzeit haben wir zu langsam gespielt", erklärte Heynckes:

"Die Spieler haben meine Geduld ein wenig überstrapaziert, aber am Ende hat es gegen starke Bremer noch zum Sieg gereicht. Allerdings habe ich in der Pause deutliche Worte finden müssen."

Luiz Gustavo: "Ich hatte Glück"

Großen Anteil am Sieg hatte mit Luiz Gustavo aber ein Spieler, der von Anfang an dabei war.

Obwohl der Brasilianer schon früh die Gelbe Karte gesehen hatte, beließ Heynckes ihn auf dem Feld und nahm stattdessen eine Viertelstunde vor Schluss Bastian Schweinsteiger für Javier Martinez vom Feld.

Wenig später dankte es ihm Luiz Gustavo mit seinem zweiten Saisontor.

"Am Anfang war es ein sehr schwieriges Spiel, weil die Bremer eine sehr gute Mannschaft haben", beschrieb der 25-Jährige: "Bis zum Tor: Ich hatte Glück und habe den Ball richtig getroffen."

Startrekord im Visier

Dank des Treffers haben die Bayern den Startrekord in der Bundesliga fest im Visier.

Mit Mainz 05 und dem 1. FC Kaiserslautern teilen sich die Münchner die Bestmarke von sieben Siegen zum Auftakt, die bereits am kommenden Wochenende im Heimspiel gegen Hoffenheim eingestellt werden könnte.

Von einer solchen Bilanz kann Werder Bremen derzeit nur träumen. Zwar hielten die Norddeutschen lange mit, standen aber am Ende mit leeren Händen da.

Werder vor wichtigen Wochen

"Bayern München - das ist im Moment nicht unsere Gewichtsklasse", erklärte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs.

Nicht die Champions League, sondern die Qualifikation zur Europa League ist erklärtes Ziel der jungen Bremer Mannschaft.

"Dafür beginnt jetzt die Phase des Gewinnenmüssens", sagte Allofs fordernd.

Gegen den FC Augsburg, die SpVgg Greuther Fürth und Mainz sollen in den kommenden Wochen die notwendigen Punkte geholt werden, die Niederlage gegen die Bayern war offenbar durchaus einkalkuliert.

Lahm zufrieden

"Gegen diesen Gegner war nicht mehr drin, das müssen wir akzeptieren", fasste Coach Thomas Schaaf zusammen: "Persönlich kann ich mit dem Ergebnis gut umgehen."

Genau wie die Bayern.

"Geglänzt haben wir sicher nicht. Aber wichtig ist, dass man auch diese Spiele gewinnt", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Nur sein Chef Sammer hatte das Ganze ein wenig anders gesehen.

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