Sidney Sam wechselte 2010 vom 1. FC Kaiserslautern zu Bayer 04 Leverkusen © getty

Sidney Sam beschert Bayer Leverkusen mit einem Doppelpack den Dreier gegen Greuther Fürth und besänftigt damit auch Rudi Völler.

Leverkusen - Der Lappen ist weg, aber zumindest muss Sidney Sam nicht mehr den Zorn von Rudi Völler fürchten.

Verkehrssünder Sam hatte Bayer Leverkusen einen Tag nach dem Verlust seines Führerscheins wegen einer Trunkenheitsfahrt als Joker mit einem Doppelpack (50./62.) zum 2:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth (Bericht) geführt und die richtige Antwort auf dem Platz gegeben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich konzentriere mich auf meinen Fußball", sagte der 24-Jährige: "Was geschrieben wird, ist mir relativ egal."

Bosse kündigen "Vier-Augen-Gespräch" an

"Eine Geldstrafe bekommt er trotzdem", stellte Trainer Sascha Lewandowski klar, und auch Sportdirektor Völler kündigte ein "Vier-Augen-Gespräch" an, in dem Sam erklären muss, warum er am Freitag ohne Wissen des Vereins den vierten Termin vor dem Amtsgericht Düsseldorf hatte platzen lassen.

Die Richterin verurteilte ihn in Abwesenheit zu 605 Euro Geldbuße und einem Monat Fahrverbot wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss im Mai 2011.

Sams Anwalt hatte die Abwesenheit mit einem angeblichen Geheimtraining vor dem Fürth-Spiel zu rechtfertigen versucht.

Eine richtig gute Aktion

Trotz allen Ärgers freute Völler sich für Sam: "Eine schöne Geschichte." Und Lewandowski fand die Reaktion, die Sam auf dem Platz zeigte, "richtig gut. Das war wichtig für die Mannschaft und für ihn, vor allem nach seiner langen Leidenszeit."

Leverkusen feierte dank Sam die Rückkehr in die Spitzengruppe und eine gelungene Generalprobe für den zweiten Auftritt in der Europa League am Donnerstag bei Rosenborg Trondheim.

Dass Sam überhaupt im Kader gestanden hatte, war keineswegs selbstverständlich. 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag)

"Sami Hyypiä hat angerufen und gefragt, ob es okay ist, wenn Sidney in den Kader geht. Wenn du lange in England warst, ist sowas nicht selbstverständlich", erklärte Völler.

"Ganz brutale Moralapostel"

Der Weltmeister von 1990 fand es "ein bisschen schade, dass er sich nicht uns anvertraut hat. Wir wollen nicht die ganz brutalen Moralapostel spielen, aber wir hätten halt gerne gehabt, dass er sich uns öffnet. Wir hätten ihm gerne geholfen, vor allem einen gescheiten Anwalt an die Seite gestellt."

Für Sam selbst war es keine Frage gewesen, dass er zum Team gehört: "Für mich war klar: Ich war im Kader, und gut ist."

Nach seiner langen Leidenszeit mit Verletzungen, die ihn auch zu Saisonbeginn zurückgeworfen hatten, hatte sich Sam "im Training bewiesen und auf meine Chance gewartet. Dann komme ich rein und mache zwei Tore." So einfach kann Fußball manchmal sein.

Defensiv sehr geschickte Fürther

Einfach war es für Leverkusen aber gegen den in der ersten Halbzeit defensiv sehr geschickt agierenden Aufsteiger keineswegs.

"Fürth hat sehr gut, sehr kompakt in der eigenen Hälfte gestanden und uns kaum Raum gelassen. Wir haben viel zu langsam, viel zu behäbig gespielt", sagte Bayer-Coach Sascha Lewandowski.

In der Halbzeitpause schnappte sich Lewandowski Sam, setzte sich mit ihm zusammen auf die Ersatzbank und zeigte ihm auf der Taktiktafel, was von ihm erwartet wird.

"Nach der Pause haben wir es wesentlich besser gemacht und schneller und druckvoller gespielt und die Räume sehr effektiv genutzt", sagte Lewandowski zu dem gelungenen Schachzug.

Zufriedenheit bei Völler

Während Leverkusen nach sieben Punkten aus der englischen Woche laut Völler "in der Tabelle da steht, wo wir stehen wollen", hat für Fürth nach dem sechsten Spieltag endgültig der Abstiegskampf begonnen.

"Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit stehen wir ohne Punkte da, das ist ärgerlich. Wir müssen weiter hart arbeiten und die einfachen Fehler minimieren", sagte Trainer Mike Büskens.

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