Bruno Labbadia (r.) ist seit Dezember 2010 Cheftrainer beim VfB Stuttgart © imago

Dem VfB-Coach ist nach dem Sieg beim FCN der Stress der letzten Zeit noch anzumerken. Hecking tröstet den Verlierer des Spiels.

Nürnberg - Als die Krise beim VfB Stuttgart erstmal abgewendet war, hätte Bruno Labbadia eigentlich erleichtert und gelöst sein können.

Doch der VfB-Trainer wirkte nach dem 2:0 (1:0) beim 1. FC Nürnberg (Spielbericht) seltsam angespannt. Die Kritik der letzten Tage hatte offenbar an ihm genagt.

"Es war ein wichtiger Sieg, weil es unser erster war. Je länger etwas dauert, desto mehr wird es zu einem Problem", sagte der 46-Jährige knapp. Die Mannschaft habe das sehr gut gemacht, sei geschlossen aufgetreten. "Wir sind sehr zufrieden." Labbadia kam kein Lächeln über die Lippen, sein Blick blieb ernst.

Kämpferisch überzeugend

Dabei hatte seine Mannschaft zumindest kämpferisch überzeugend auf die indiskutable Schlappe gegen Hoffenheim, die auch den Coach in Erklärungsnot gebracht hatte, reagiert 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag) .

Defensiv arbeitete Stuttgart zumeist konzentriert, die offensiven Defizite hätte man da durchaus großzügig übergehen können. Und den Tabellenkeller hatten die Schwaben ja auch verlassen. Aber die zurückliegenden Spannungen und Diskussionen überlagerten offenbar die Freude - und zudem eine erneute Verletzung.

Kapitän Serdar Tasci musste nach einem Schlag oberhalb des Knies zur Pause raus. Obwohl zunächst noch keine Diagnose vorlag, könnte der ohnehin dünne Kader weiter dezimiert werden. "Wir hatten in der gesamten Vorbereitung keinen Verletzten, jetzt pro Spiel leider mindestens einen", klagte Labbadia.

Rückhalt vom Präsidenten

Gelöster hätte Labbadia wegen des Rückhalts sein können, den er von Präsident Gerd E. Mäuser noch am Spieltag bekam. "Bruno Labbadia hat unser uneingeschränktes Vertrauen", sagte Mäuser der Bild-Zeitung. Zudem spräche "generell nichts dagegen, mit Bruno Labbadia zu verlängern".

Auch die Knipser-Qualitäten eines Vedad Ibisevic hätten den Coach freundlich stimmen können. Der Bosnier erzielte seinen ersten Saisontreffer bereits nach 24 Sekunden, als er eines kapitalen Fehler des Nürnbergers Marcos Antonio bestrafte.

Zudem legte Ibisevic das 2:0 von Martin Harnik in der 75. Minute auf. Labbadia lobte zwar, Ibisevic sei "immer wach" und habe "eiskalt in Torjägermanier abgeschlossen". Seine Miene zeigte dennoch keine Regung (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gutes Startelf-Debüt von Holzhäuser

Er hätte auch über den Einsatz von Raphael Holzhauser glücklich sein können. Der 19 Jahre alte Österreicher feierte ein durchaus ansprechendes Startelf-Debüt. Ein Stuttgarter Talent schickt sich an, wie von mancher Seite gefordert, in der Mannschaft Platz zu finden.

Labbadia erklärte, dass Holzhauser sich zuletzt sehr verbessert und an seinen Fehlern gearbeitet habe. Aber ein freudige Reaktion war wieder nicht zu erkennen.

Die Spieler zeigten ihre Erleichterung da schon deutlicher, obwohl die Misere bei ihnen sicher gleichermaßen Spuren hinterlassen hatte. "Das war kein normaler Sieg, sondern ein besonderer", sagte Torschütze Ibisevic.

"Große Last abgefallen"

Christian Gentner sprach von der "großen Last", die vor allem nach dem Hoffenheim-Spiel abgefallen sei. "Wir müssen uns bewusst sein, dass es im Moment nicht wichtig ist, schön zu spielen", fügte er an. Gewinnen, egal wie.

Auf das Schönspielen hätte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking sicher auch verzichten können, wenn er die dritte Niederlage in Folge damit vermieden hätte.

Katastrophales Debüt

Doch der "Tiefschlag" zu Spielbeginn war für den Club zu viel. Der Brasilianer Marcos Antonio, der eine katastrophales Bundesliga-Debüt hatte und nach 16 Minuten und zwei dicken Patzern erlöst wurde, werde aber wieder aufgebaut.

"Wichtig ist, dass wir als Gruppe Marcos Antonio wieder auffangen und ihn nicht alleine stehen lassen. Das wird die Mannschaft machen - und auch wir vom Trainerstab", sagte Hecking bei LIGAtotal!.

Enttäuscht von den Fans

Und Abwehrspieler Timm Klose ergänzte: "Es tut mir so leid für ihn". Für die Fans, die Marcos Antonio ausgepfiffen hatten, hat der Schweizer kein Verständnis:

"Ich verstehe die Zuschauer nicht, dass sie ihn auspfeifen! Wir sind eine Mannschaft und ich bin enttäuscht, dass sie nicht hinter ihm stehen!"

Vor gut einer Woche hatte der FCN noch die Chance auf eine kurzfristige Tabellenführung. Es folgte eine englische Woche mit null Punkten. Der Club ist wieder im Niemandsland.

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