Hoffenheims Fans zeigten ihre Anteilnahme an der Tragödie um Boris Vukcevic © getty

Selten war ein Fußballspiel so belanglos wie das zwischen Hoffenheim und Augsburg. In Gedanken sind Alle bei Boris Vukcevic.

Sinsheim - Am Ende des emotionalen Ausnahmezustands hatten die Hoffenheimer ihre Nerven dann doch nicht mehr im Griff.

Trainer Markus Babbel wurde kurz vor Abpfiff auf die Tribüne, Profi Sejad Salihovic des Feldes verwiesen. 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag)

Doch als sich alle Spieler der Kraichgauer nach dem 0:0 gegen den FC Augsburg (Bericht) das Trikot von Boris Vukcevic überstreiften, waren diese Szenen eines belanglosen Spiels bereits wieder vergessen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

In einer Reihe standen die Profis mit Tränen in den Augen vor der Fankurve, wurden von Babbel umarmt und sangen gemeinsam mit den Anhängern den Namen ihres Teamkollegen, der in der Heidelberger Uniklink mit dem Tod ringt (Bericht).

Am kritischen Zustand des 22-Jährigen, der am Freitagnachmittag bei einem schweren Autounfall lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitten hat, hat sich nichts geändert.

Eine medizinische Prognose über den weiteren Verlauf kann derzeit nicht abgegeben werden. Vukcevic liegt nach einer Notoperation im künstlichen Koma.

Compper geht es nicht gut

"Es geht mir nicht gut. Boris ist im Krankenhaus und kämpft. Es war sehr schwer zu spielen. Wir haben versucht, für ihn zu kämpfen und zu spielen. Dennoch war es irgendwo im Hinterkopf, dass er im Krankenhaus um sein Leben kämpft", sagte Kapitän Marvin Compper.

Er verteidigte aber die Austragung der Partie: "Trotzdem war es gut, dass wir nicht nach Hause gegangen sind, um einzeln zu trauern. Es war besser, es gemeinsam zu verarbeiten. Wir haben das ausgeübt, was uns verbindet. Ich hoffe, Boris hat das gespürt."

Obwohl die Deutsche Fußball Liga einer Spielabsage zugestimmt hätte, wollten Vukcevics Teamkollegen auflaufen. Die Spieler, die über einen Besuch bei Vukcevic nachdenken, kamen damit einer Aufforderung von Vukcevics Eltern nach.

Zweitägige Auszeit

Als Maßnahme nach der Partie erhielten die Profis nun eine zweitägige Auszeit. Das nächste Training ist erst für Dienstag (15.30 Uhr) angesetzt.

Am Sonntagvormittag wird die Teamleitung mit dem Mannschaftspsychologen Jan Mayer besprechen, wie der weitere Umgang mit den Spielern geregelt werden soll.

"Wir lassen die Jungs nicht allein. Jetzt ist psychologische Hilfe gefragt. Keiner von uns war jemals in so einer Situation", sagte Manager Andreas Müller.

Babbel ringt nach dem Spiel um Fassung

Der mitgenommene Babbel, der wegen Meckerns erstmals in seiner Trainerkarriere von Schiedsrichter Markus Schmidt auf die Tribüne verbannt worden war (84.), rang nach der Partie um Fassung.

"Wir haben versucht, Energie auszustrahlen, die bei Boris ankommt. Das hat die Mannschaft versucht", äußerte der Coach: "Wir müssen alle mithelfen, damit die Hoffnung nicht stirbt."

Und weiter: "Ich glaube fest daran, dass er spüren kann, dass wir als Mannschaft alles versucht haben, dieses Spiel zu gewinnen!"

Unfallursache weiter unbekannt

Die Ursache des Unfalls ist weiter unbekannt. "Der Unfallhergang ist noch unklar. Beide Fahrzeuge wurden beschlagnahmt, sie werden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft von einem Sachverständigen untersucht", sagte Norbert Schätzle, der Sprecher der Heidelberger Polizei, am Samstagabend.

Und er fügte an: "Wie Vukcevic mit seinem Fahrzeug auf relativ gerader Strecke auf die linke Fahrbahn kommen konnte, ist Gegenstand der Ermittlungen."

Diabetes-Erkrankung schuld?

Laut Schätzle wird auch untersucht, ob die Diabetes-Erkrankung des Spielers die Ursache für den Unfall sein könnte.

"Die Untersuchung an den Fahrzeugen ist akribische Kleinarbeit. Es kann Wochen dauern, bis ein Gutachten vorliegt", sagte Schätzle.

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