Bastian Schweinsteiger wurde mit dem FC Bayern bereits fünf Mal Deutscher Meister © getty

Der Bayern-Antreiberträumt von einer Dominanz wie der des FC Barcelona. Der BVB-Höhenflug habe den Teamgeist der Bayern beflügelt.

Von Matthias Becker

München - Lange hat er geschwiegen, seit den unglückseligen Momenten des Frühsommers.

Ein paar kurze Statements für die TV-Kameras, mehr gab es von Bastian Schweinsteiger zuletzt nicht zu hören.

Nun hat er seine verbale Zurückhaltung aber aufgegeben.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" berichtet Schweinsteiger nun über seine Reaktion auf den bitteren Fehlschuss im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea.

Motivation aus der Niederlage

"Bei meinem Schuss war ich total konzentriert", erinnert sich Schweinsteiger an den letztlich entscheidenden Fehlversuch im Elfmeterschießen gegen die Blues.

Die persönliche Enttäuschung sei schon bald dem Mitleid mit den Fans, Präsident Uli Hoeneß und den Mitspielern gewichen, sagt Schweinsteiger:

"Man konnte das nicht mit ansehen, diese Gesichter in der Kabine, das vergisst du nicht. Diese Gesichter sind es, die mich jetzt motivieren, es noch einmal zu schaffen."

Generell habe er die Niederlage aber besser verkraftet, als das öffentlich angenommen worden sei, erklärt Schweinsteiger. "Ist doch klar, dass man enttäuscht ist, richtig niedergeschlagen, aber ein verlorenes Finale macht dich doch nicht krank!"

Mannschaft "selbst schuld" an Vize-Triple

Im Rückblick auf die entscheidenden Minuten gegen Chelsea übt er auch Kritik an einigen Mitspielern.

"Der Trainer (Jupp Heynckes, Anm. d. Red.) hat ja nun gesagt, es sei falsch gewesen, dass er die Schützen nicht bestimmt hat", sagt Schweinsteiger:

"Ich finde aber nicht, dass man ihm das vorwerfen kann. Es gab doch genügend Spieler, die von sich aus hätten sagen können: Ich schieße!"

Grundsätzlich sei die Mannschaft "selbst schuld", vergangene Saison nur drei Mal Zweiter geworden zu sein.

[kaltura id="0_n20ygytx" class="full_size" title="Vor Heynckes ist niemand sicher "]

Neuzugänge als Schlüssel

Mit dem Kader für die neue Saison ist Schweinsteiger hochzufrieden. Eine Leistungsdichte wie sie aktuell vorhanden ist, habe gegen Chelsea gefehlt.

"Wir konnten nach 90 Minuten nicht mehr nachlegen. Wenn ich sehe, was wir heute für Möglichkeiten in der Mannschaft haben - das war damals nicht gegeben", sagte er der "SZ".

Dortmund als Antrieb

Auch von der Einstellung her habe sich im Team einiges verändert. "Der Hauptgrund für unser kompaktes Spiel ist für mich, dass die vier Spieler da vorne in dieser Saison defensiv sehr gut mitarbeiten", lobt Schweinsteiger.

Wenn Arjen Robben in der eigenen Hälfte einen Ball ergrätsche, "dann stehen im Stadion doch alle auf und applaudieren".

Derzeit habe man einen "guten Geist in der Mannschaft", was vor allem auf das Aufkommen von Double-Sieger Borussia Dortmund zurückzuführen sei.

"Wenn die Dortmunder nicht gewesen wären, hätten wir diesen Fortschritt vielleicht nicht gemacht."

Kritik am DFB-Teamgeist

Der Teamgeist unterscheide die Bayern auch vom DFB-Team bei der EM im Sommer, behauptet Schweinsteiger. Im Verein springe die ganze Bank bei einem Tor auf.

"Das ist vielleicht ein kleiner Unterschied zur Nationalmannschaft bei der EM. Da sind nicht immer alle gesprungen."

Die Kritik nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien sei trotzdem überzogen gewesen, sagt der Vize-Kapitän. "Am Tag darauf wird kein Respekt mehr gegenüber dem Bundestrainer gezeigt. Das finde ich komplett daneben."

Barca als Vorbild

Mit den Bayern will sich Schweinsteiger in dieser Saison wieder primär auf die Meisterschaft konzentrieren.

Der Traum von Europas Thron ist aber noch nicht ausgeträumt. "Die Champions League ist schwer, aber außer Barcelona gibt es keine Übermannschaft", erklärt er:

"Ich möchte, dass wir zu Barcelona aufschließen, dass wir ähnlich dominant werden. Die Qualität dafür haben wir."

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