Lewis Holtby (M.) erzielte aktuell bereits drei Saisontreffer für Schalke © getty

Katzenjammer in Königsblau: Das Remis in Düsseldorf ist ein schlimmer Rückschlag für S04. Sportdirektor Heldt kocht vor Wut.

Aus Düsseldorf berichtet Thorsten Langenbahn

Düsseldorf - Es herrschte eine eisige Atmosphäre wie nach einer vergebenen Meisterschaft in letzter Minute:

Die Schalker waren entsetzt über das 2:2 bei Fortuna Düsseldorf (Spielbericht) und rangen hinterher nach Erklärungen, die sie nicht finden konnten.

"Das fühlt sich an wie eine 0:5-Niederlage. In der zweiten Halbzeit haben alle versagt. Von denen, die auf dem Platz standen, bis hin zum Busfahrer", sagte S04-Manager Horst Held angefressen: "Mit so einer Deutlichkeit ein Spiel aus der Hand zu geben, das habe ich noch nicht erlebt."

2:0 hatten die dominierenden Königsblauen zur Halbzeit nach Toren von Huntelaar (13.) und Matip (20.) geführt. Nach dem Anschlusstreffer acht Minuten nach der Pause brach das Team in sich zusammen und verspielte den scheinbar sicheren Sieg.

Heldt kann sich nur schwer bremsen

"Am Ende müssen wir glücklich sein, dass wir unentschieden spielen. Das hätte Düsseldorf auch noch gewinnen können", meinte Heldt 617972 (DIASHOW: Der 6. Spieltag) .

Auf die Frage nach der fehlenden Laufbereitschaft in der zweiten Halbzeit schien der 42-Jährige fast zu erstarren, kämpfte mit sich und blieb die Antwort schuldig.

"Ich halte mich zurück, das ist besser", sagte Heldt.

Jones: "Sauer auf uns selbst"

Hochkarätige Chancen hatten die Gäste ausgelassen. "Dafür wurden wir in der zweiten Halbzeit bestraft. Wenn wir das 3:0 machen, ist das hier durch", sagte Jermaine Jones.

Der defensive Mittelfeldspieler weiter: "Das ist so, wenn man auswärts dieses K.-o.-Tor nicht macht. Am Ende sind wir natürlich alle sauer auf uns selbst."

"Wir sind hier Favorit", haderte Jones. "Als Champions-League-Teilnehmer dürfen wir gegen einen Aufsteiger am Ende nicht so zittern."

Mutloser Auftritt in der zweiten Halbzeit

Schon vor einer Woche gegen den FC Bayern (0:2) fehlte der Mannschaft von Trainer Huub Stevens der Mut. In Düsseldorf zerfiel sie in der zweiten Halbzeit, auch wenn sie sich verzweifelt wehrte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Was wir gemacht haben, hat nicht mehr geklappt. Wir machen die Tore nicht und bekommen sie zu leicht"", sagte Klaas-Jan Huntelaar, der innerhalb von zwei Minuten zweimal das 3:1 verpasst hatte (66./68.).

60 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 14 Torschüsse - diese Überlegenheit wussten die Schalker nicht zu nutzen.

"Sollten uns alle mal die Meinung sagen"

Die Aufarbeitung der gefühlten Niederlage hatte schon direkt nach Schlusspfiff begonnen.

"Wir haben schon in der Kabine angefangen, das Spiel untereinander zu analysieren, müssen aber noch eine Nacht drüber schlafen", sagte der enttäuschende Tranquillo Barnetta, der im linken Mittelfeld den Vorzug vor Julian Draxler bekommen hatte.

Vor dem morgigen Ruhetag könnte es auf Schalke heute nochmal lauter werden. "Wir sollten uns alle mal die Meinung sagen. Das wollen wir morgen machen", kündigte Heldt an.

"Ich werde damit anfangen und dann werden wir die zweite Halbzeit besprechen", drohte der Sportdirektor.

Stevens "fassungslos"

Für 10 Uhr hatte Stevens, der am Freitag mit Leichenbittermiene schweigend zum Mannschaftsbus ging, das Auslaufen angesetzt.

Nach außen hielt Stevens seine Enttäuschung noch zurück: "Ich möchte nach diesem Spiel nicht viel reden, das sollen lieber die Spieler machen."

Nur so viel verriet er: "Ich bin fassungslos, wie wir nach der Pause aufgetreten sind. Ich war mit der kompletten Mannschaft nicht zufrieden."

Meiers Umstellung wird belohnt

Die Fortunen feierten das Remis mit den Fans hinterher wie einen Dreier. "Niemand siegt in Düsseldorf", sangen die Anhänger euphorisch.

"Wenn du merkst, dass du mit Herz und Leidenschaft deine Zweikämpfe gewinnst, dann kannst du auch gut Fußball spielen. Das haben die Zuschauer gemerkt und das Stadion in einen Hexenkessel verwandelt", meinte Trainer Norbert Meier.

Für den Sechser Adam Bodzek hatte Meier in Stefan Reisinger nach der Pause einen weiteren Offensivspieler gebracht - und war für seinen Mut belohnt worden.

"In der Halbzeit zusammengerauft"

Dani Schahin war nach seinem zweiten Doppelpack der Saison rundum zufrieden.

"Gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner ist es gut für uns gelaufen. Wir haben uns uns in der Halbzeit noch einmal zusammengerauft", sagte Schahin.

Düsseldorfs Held sparte den Gegner bei seiner Analyse nicht aus: "Vielleicht hat sich Schalke dann auch zu sicher gefühlt."

Auch das werden Heldt und Stevens mit den Spielern eingehend besprechen.

Weiterlesen