Jürgen Klopp kam 2008 aus Mainz zu Borussia Dortmund © getty

Vor dem Duell mit Gladbach will der BVB-Coach mit taktischem Feinschliff gegen die ungewohnten Defensiv-Schwächen ankämpfen.

Von Martin Hoffmann und Thorsten Langenbahn

München/Dortmund - Es ist ein netter, kleiner Zufall, dass Borussia Dortmund gerade jetzt seine neueste Millionen-Investition präsentiert.

Ein 14 mal 14 Meter großer Roboter, der den Spielern, so Trainer Jürgen Klopp, "das A und O des Fußballs" beibringen soll.

Es handelt sich um einen Trainingskäfig, in dem acht Wurfmaschinen die darin postierten Spieler mit Bällen versorgen, die dann kontrolliert und abgespielt werden müssen.

Das Wundermittel nach dem Fehlstart in die Saison? Mit dem am Samstag gegen die ebenso kriselnde Borussia aus Mönchengladbach (ab 18.15 Uhrim LIVE-TICKER) alles besser wird?

Keine großen Umwälzungen

In Wahrheit ist der Kauf des "Footbonauten" natürlich keine Panikreaktion auf die Defensivschwächen, die der Meister beim 3:3 in Frankfurt offenbart hat (Spielbericht).

Die Technik-Spielerei, für die man laut Klopp sonst "mindestens 16 Trainer" bräuchte, ist längerfristig geplant und soll längerfristig wirken.

Kurzfristig, glaubt der BVB-Coach, braucht er nichts, was ihm die Arbeit von 16 Trainern abnimmt, nur das "Drehen an kleinen Schrauben, nicht an ganz großen".

Gegen die Vereinfacher

Der Meistertrainer selbst hat nach dem Frankfurt-Spiel zugegeben, dass es für ihn einen Neuigkeit ist zu erleben, dass die Dortmunder "viele Gegentore fressen" - acht insgesamt in fünf Spielen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch Klopp ist es wie immer wichtig anzureden gegen die Vereinfachungen, die mit solchen Zahlen einhergehen.

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So legt er Wert auf die Feststellung, dass die zwei Gegentreffer gegen Hamburg "nicht an unserem generellen Defensivverhalten" gelegen hätten, sondern an "individuellen Fehlern" beziehungsweise "klasse Einzelaktionen" des Gegners.

Und dass noch vor zwei Wochen gegen Leverkusen alles richtig lief: "Wir wissen also, wie man verteidigt."

Es geht um Details

Dummerweise muss Klopp gerade trotzdem feststellen: "Nahezu jeder Konter, der auf unser Tor kommt, ist ein Tor."

Klopp hat es im Video studiert und festgestellt, dass er an Feineinstellungen werkeln muss. "Das Umschaltverhalten war sehr gut", so der Coach: "Aber eine Körpertäuschung und uns fehlen zehn Zentimeter, um den Ball zu blocken.

Es geht um Details: Das Verschieben, um Lücken zwischen Mannschaftsteilen und einzelnen Spielern.

"Ab und zu fehlen ein, zwei, drei Meter in den richtigen Raum", sagt Klopp: "Wenn wir diesen Weg nicht gehen, führt das sofort zum Gegentor. Zu diesen Basisdingen werden wir zurückfinden. Das ist kein Problem."

Abhilfe durch Bender?

Eine Hilfe ist dabei gegen Gladbach womöglich wieder Sven Bender, in den Meisterjahren die Defensiv-Autorität schlechthin.

"Der Wind, der jede Tür zuschlägt", hat Klopp ihn einmal schwärmerisch genannt. Nach diversen Verletzungsproblemen legte zuletzt eine Erkältung diesen Wind lahm.

"Nicht wahnwitzig günstig" fand Klopp das.

"Darauf habe ich Bock"

Klopp sieht es aber nicht als seinen Job, auf einzelne Spieler zu warten - oder gar auf die derzeitige Schwäche des kommenden Gegners zu vertrauen.

"Es ist meine Aufgabe, das zu regeln", meint Klopp mit Blick auf die Defensivprobleme: "Das ist Trainerarbeit. Darauf habe ich Bock."

Es wäre ja auch langweilig, wenn mit dem Kauf eines Riesen-Roboters alles gelöst wäre.

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