Rene Adler absolvierte bisher zehn Länderspiele für Deutschland © getty

HSV-Torhüter Rene Adler kritisiert bei SPORT1 die vielen Gegentore und fordert drei Punkte im Nordderby gegen Hannover 96.

Von Thorsten Langenbahn

Mönchengladbach - Der Neustart in Hamburg ist Rene Adler nach zwölf Jahren bei Bayer Leverkusen geglückt.

Nach einjähriger Verletzungspause feierte der HSV-Torhüter trotz des Fehlstarts ein gelungenes Comeback und wird sogar schon wieder als Kandidat für die Nationalmannschaft gehandelt.

"Wir haben alle Hände voll zu tun beim HSV", sagt Adler und richtet den Fokus lieber auf die Situation beim Tabellen-14. als auf seine Person. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mit vier Punkten in der Jubiläumswoche zum 125-jährigen Vereinsbestehen hat die Mannschaft die Basis für eine große Gala am Samstag gegen Hannover 96 (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) gelegt.

Im SPORT1-Interview spricht Adler über fehlende Cleverness, klare Ansprachen auf dem Platz und die Rolle von Hamburgs "Heilsbringer" Rafael van der Vaart.

SPORT1: Herr Adler, wie haben Sie sich nach fünf Spieltagen beim HSV eingelebt?

Rene Adler: Gut. Mir macht es sehr viel Spaß. Vier Punkte nach fünf Spieltagen sind eigentlich zu wenig, aber wir haben den Kader erst seit kurzem komplett. Für uns ging die Saison danach erst richtig los. In Frankfurt haben wir unglücklich agiert, gegen Dortmund ein sehr gutes Spiel gemacht und auch gegen Gladbach gut gespielt, aber am Ende Lehrgeld bezahlt. So ist es wie eine gefühlte Niederlage. Aber vielleicht ist es für den Verlauf der Saison ganz gut, wenn man so frühzeitig einen vor den Bug kriegt.

SPORT1: Warum hat der HSV den Sieg gegen Gladbach (Spielbericht) am Ende noch leichtfertig aus der Hand gegeben?

Adler: Es war einfach fahrlässig, wie wir gespielt haben. Wir haben uns selber um den Lohn unserer Arbeit gebracht. Fehler machen kann jeder, aber es war die fehlende Cleverness. Am Ende haben wir es ausgespielt wie eine Kindergartenmannschaft.

SPORT1: Ist das Unkonzentriertheit, oder woher kommen diese fahrlässigen Fehler?

Adler: Da fehlt die Konsequenz bis zum Schluss. In der 90. Minute halte ich den Ball in den eigenen Reihen, spiele zehnmal hintenrum und dann pfeift der Schiri das Ding ab und wir fahren mit drei Punkten nach Hause. Da geht es um keinen Schönheitspreis, sondern darum, dass man das 2:1 gegen zehn Mann über die Bühne rettet. 616718 (DIASHOW: Der 5. Spieltag)

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SPORT1: War spielerisch trotzdem wieder ein Fortschritt erkennbar?

Adler: Wir haben gut gespielt und den Rückenwind aus dem Dortmund-Spiel mitgenommen. Vorher hätten wir gesagt, ein Punkt in Gladbach und sieben Punkte aus der Woche wären gut, aber nach dem Spielverlauf kann man unterm Strich nicht zufrieden sein.

SPORT1: Wirkte das 3:2 gegen Dortmund dennoch als Initialzündung nach?

Adler: Natürlich. Es war wichtig, dass Fußball-Deutschland mal gesehen hat, dass es nicht nur heiße Luft ist, wenn wir sagen, wir sind eine gute Mannschaft und können Fußball spielen.

SPORT1: Wird das Nordderby gegen Hannover 96 schwieriger als gegen Gladbach?

Adler: Gegen Hannover wird es ein anderes Spiel. Wir spielen zu Hause und wollen das Spiel ganz klar gewinnen. Die Chancen stehen gut. Wir müssen uns einfach zwingen, hinten mal zu null zu spielen. Das ist einfach die Basis. Ich finde es nicht pralle, dass wir immer so viele Gegentore kriegen. Da müssen wir bei den Standards diesmal hellwach sein. Außerdem wollen wir eine schöne 125-Jahr-Feier. Wenn wir den Dreier holen gegen Hannover, können wir zufrieden sein mit der Woche.

SPORT1: Hat die Verpflichtung von Rafael van der Vaart der Mannschaft nochmal einen Schub gegeben?

Adler: Ohne Frage. Nicht nur seine fußballerische Qualität, auch seine Präsenz als Person ist unheimlich wichtig. Er übernimmt Verantwortung, trifft selber, bereitet Tore vor - er ist genau der Spieler, den wir gebraucht haben.

SPORT1: Stehen Sie mit Ihrer Erfahrung aus 143 Bundesligaspielen und zehn Einsätzen für Deutschland ebenfalls besonders in der Verantwortung?

Adler: Natürlich. Wir haben eine Führungsspielerachse und da sind in wichtigen Situationen gefragt. Da müssen wir uns gegen Gladbach auch eingestehen: Wir haben es nicht geschafft, eine ganz klare Ansprache auf dem Platz zu finden und zu sagen: Wir halten den Ball jetzt in unseren eigenen Reihen und gut is'!

SPORT1: Sie sind nach guten Leistungen schon wieder im Gespräch für den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Geht Ihnen das gerade ein bisschen zu schnell?

Adler: Ich will mich an der Diskussion gar nicht beteiligen. Wir haben alle Hände voll zu tun beim HSV. Ich bin froh, wenn wir am Samstag das Spiel positiv gestaltet haben. Dann kommt das Spiel gegen Fürth und danach ist die Länderspielpause, in der wir erstmal alles ein bisschen sacken lassen können.

SPORT1: Haben Sie denn noch Kontakt zu den Verantwortlichen um Bundestrainer Joachim Löw?

Adler: Nein. Aber bei der Nationalmannschaft kann es auch immer sehr schnell gehen. Ich habe schon einige Spiele auf dem Buckel und Fußball-Deutschland weiß, was ich kann. Ich versuche einfach, in jedem Spiel meine Leistung zu bringen.

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