Arjen Robben (l.) wechselte 2009 von Real Madrid zum FC Bayern © imago

Der Superstar und der Vorstandschef mahnen bei SPORT1, sich nicht zu viel auf den Traumstart des FC Bayern einzubilden.

Vom FC Bayern berichten Martin Hoffmann, Christian Ortlepp und Giovanni Cosentino

München - Der FC Bayern ist in einer herrlichen Situation.

Er hat einen Traumstart hingelegt und dominiert die Konkurrenz, während Titelverteidiger Dortmund der Musik hinterherläuft.

Schon frühzeitig scheint sicher zu sein: Diesmal lässt sich der Rekordchampion die Meisterschaft nicht nehmen.

So war die herrliche Situation nach dem Saisonbeginn 2011/12.

Wer besagte Spielzeit vom Ende her betrachtet, versteht, warum Arjen Robben und Karl-Heinz Rummenigge der aktuellen Herrlichkeit misstrauen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bloß nicht nachlassen

"Letztes Jahr haben wir auch ganz gut angefangen und haben einen guten Vorsprung gehabt, aber danach haben wir ein bisschen nachgelassen und Punkte verloren", erinnert sich Robben im Gespräch mit SPORT1 (Mehr Infos ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell auf SPORT1).

Entsprechend vorsichtig ordnet der Flügelstürmer nun den Fünf-Spiele-fünf-Siege-Start ein:

"Im Moment ist Bayern schon ein Ort der Wohlfühloase, aber wenn es gut läuft, fühlt sich jeder wohl und ist alles positiv."

Nicht nur mit Blick auf das nächste Spiel bei Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), warnt der Niederländer daher.

"Entscheidend ist dass wir weitermachen und nicht jetzt alles ganz locker machen und denken: Ah ja, das nächste Spiel werden wir ja auch gewinnen. So geht es nicht."

Rummenigge: Seriös bleiben

Ähnlich sieht es der Vorstandschef. "Es ist wichtig, dass wir weiter seriös mit der Situation umgehen und nicht euphorisch", betont Rummenigge gegenüber SPORT1:

"Wir dürfen nicht arrogant mit der Situation umgehen und glauben, dass die Meisterschaft ein Selbstläufer wird."

Auch er sieht die vorige Saison als Mahnmal: "Wir hatten letztes Jahr auch acht Punkte Vorsprung - das Ende ist bekannt."

Auch Sammer mahnt

Robben und Rummenigge befinden sich dabei auf einer Linie mit Klubpräsident Uli Hoeneß, der sich bei allem Jubel über die "fantastischen Leistung bisher" freut, "dass alle auf die Bremse treten. Wir haben viel Spaß, aber wir müssen dabei bleiben, um unseren Vorsprung zu verteidigen."

Und auch mit Sportvorstand Matthias Sammer, der schon unmittelbar nach dem rauschhaften 3:0-Sieg über Wolfsburg (Nachbericht) mahnte:

"Wenn wir leichtsinnig werden, kann es ganz schnell nach unten gehen. Wir müssen weiter gierig und unbeirrbar unseren Weg gehen."

Genauso sieht es auch Robben: "Man muss immer wieder da sein. Wir müssen konzentriert sein und den Fokus behalten."

Überhaupt kann sich er sich mit dem, was Sammer verkörpert, gut anfreunden: "In einer Mannschaft muss Gewinnermentalität herrschen und das ist etwas, was Sammer hat."

"Wichtig, dass es auch mal kracht"

Sammer-Fan ist Robben auch bei dessen Zweitlieblingsthema: dem Faktor innere Reibung.

"Wir müssen einander die Wahrheit sagen können - und das muss nicht immer eine positive sein. Wir müssen einander auch wachhalten."

Es sei wichtig, "dass es auch mal kracht" - wenn auch nicht so auf die Art wie in der vergangenen Saison beim Handgemenge mit Franck Ribery.

Das sei kein Thema mehr, betont der Niederländer: "Er hat im letzten Jahr einen Fehler gemacht, er hat sich entschuldigt, das Leben geht weiter. Ich habe ihm vergeben. Ich will wieder mit ihm Spaß haben auf dem Platz und neben dem Platz. Wir wissen, was wir aneinander haben."

Konkurrenzdruck gegen den Schlendrian

Augen aufhalten, Konzentration wahren, nicht nachlassen: Die Botschaften von Robben und Rummenigge sind klar.

Der Vorstandschef ist aber zugleich auch zuversichtlich, dass sein aktueller Kader besser abgesichert gegen den drohenden Schlendrian-Effekt.

Der erhöhte Konkurrenz-Druck durch die Sommer-Transfers und die erhöhte Rotation machen sich bezahlt, ist Rummenigge sicher.

"Jeder muss Gas geben, niemand kann sagen: Für mich ist Champions League wichtiger als die Bundesliga. Die Rotation ist eine wunderbare Möglichkeit, diesen Druck an die Spieler zu geben."

Weiterlesen