Thomas Berthold nennt die Probleme des VfB und wundert sich nicht über den Fehlstart. Bei Dortmund vermisst er Konzentration.

Hallo Fußball-Freunde,

der VfB Stuttgart hat grundsätzliche Probleme - und das wundert mich nicht. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass es für meinen Ex-Klub schwierig wird.

Es kann schließlich nicht sein, dass die "schwarze Null" in der Bilanz auf Kosten des Kaders steht.

Gegen Hoffenheim hat die taktische Ausrichtung nicht gestimmt, Biss und Wille haben gefehlt. Das war auf der ganzen Linie eine große Enttäuschung.

Dem VfB hat auch die Frische gefehlt, die Hoffenheimer waren immer einen Schritt schneller am Ball.

Bis auf Sven Ulreich war kein Spieler in Normalform. Mit so einem mutlosen und blutleeren Auftritt hat man in der Bundesliga keine Chance.

In der Abwehr stehen sie nicht sicher, im Mittelfeld fehlt die Kreativität und vorne wird es dünn, wenn Ibisevic einen schlechten Tag hat und Harnik ausfällt.

Ob der Kredit von Bruno Labbadia schon aufgebraucht ist, kann ich nicht sagen, dafür bin ich nicht nah genug dran. Auf ihn kommen aber harte Wochen zu.

Für die titelhungrigen Bayern läuft es dagegen wie am Schnürchen, sie marschieren durch die Liga und haben das Ziel, wieder Deutscher Meister zu werden, klar im Blick.

Jupp Heynckes hat durch die Neuzugänge ganz andere Optionen als in der Vorsaison, er kann ohne Qualitätsverlust wechseln.

Die Spieler wissen aber aus dem letzten Jahr, dass sie trotz sieben Punkten Vorsprung auf Dortmund dranbleiben müssen, weil das Polster ganz schnell wieder weg sein kann.

Zumal man auch klar sagen muss, dass die Bayern bis jetzt noch gar nicht gefordert wurden. Sogar Schalke hatte die Buxe voll.

Beim BVB fehlt mir schon seit einiger Zeit das letzte Prozentchen Konzentration, das sieht man an den Gegentoren.

In Frankfurt einen 2:0-Vorsprung herzugeben, darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren.

Vorne erarbeiten sie sich immer ihre Chancen, aber sie werden nicht so konsequent genutzt wie im letzten Jahr. Da fehlt der Killerinstinkt, um den Sack zuzumachen.

Die Bundesliga ist eben keine Liga, in der man mal eben so durchläuft, da kann man auch schon mal Federn lassen.

Das hat aber auch psychologische Gründe. Jede Mannschaft spielt jetzt gegen den Double-Gewinner, das ist eine besondere Motivation.

Die Bayern kennen das, da ist jedes Spiel für den Gegner das Highlight des Jahres - das ist bei Dortmund nun genauso.

Der Rückstand der Borussia auf die Bayern hat aber noch nichts auszusagen. Sie müssen einfach wieder in die Spur zurückfinden.

Das Passspiel muss sauberer werden, man muss mehr Ballkontrolle haben und gerade bei hohen Bällen muss wieder konsequenter verteidigt werden.

Da stimmt die ganze Staffelung und Abstimmung nicht. Das sind Konzentrationsmängel, denn der Abwehrblock ist ja der gleiche wie in der letzten Saison.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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