Heiko Westermann (r.) wechselte 2010 von Schalke 04 zum Hamburger SV © getty

Hamburg-Coach Fink kritisiert nach dem unnötigen Remis die fehlende Cleverness. Gladbach-Trainer Favre dämpft die Erwartungen.

Aus Mönchengladbach berichtet Thorsten Langenbahn

Mönchengladbach - Hamburgs Spielmacher Rafael van der Vaart marschierte nach dem 2:2 bei bei Borussia Mönchengladbach (Spielbericht) ohne links und rechts zu schauen als Erster in die Kabine.

"Die ganze Sch? umsonst", brüllte Verteidiger Dennis Diekmeier im Spielertunnel.

Auch Hamburgs südkoreanischer Stürmer Heung Min Son kam um Kraftausdrücke in bestem Deutsch nicht umhin, um dann angesäuert festzuhalten:

"Wenn wir in der letzten Minute 2:1 führen, müssen wir konsequenter sein und besser stehen. Wir haben zwei Punkte leichtfertig verschenkt."

Gefühlte Niederlage für den HSV

Trotz Überzahl und spielerischer Überlegenheit brachte der HSV die 2:1-Führung nicht über die Zeit und kassiert in der Nachspielzeit den Ausgleich, was die Hanseaten vor Frustration fast verzweifeln ließ.

"Das finde ich schlimmer, als wenn wir heute 6:0 verloren hätten", schimpfte HSV-Linksverteidiger Marcell Jansen an alter Wirkungsstätte 616718 (DIASHOW: Der 5. Spieltag) .

Knapper hätten die Hamburger ihren ersten Auswärtssieg seit mehr als einem halben Jahr tatsächlich nicht verpassen können.

Außerdem ärgerlich aus Hamburger Sicht: Für Rene Adler und Co. war das späte 2:2 schon der fünfte Gegentreffer nach einem ruhenden Ball. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Van der Vaart der tragische Held

"Wir müssen hier gewinnen. Wenn ich den Elfer reinschieße, ist alles vorbei. Aber das habe ich nicht gemacht. Einfach schlecht geschossen", sagte van der Vaart enttäuscht über seinen Pfostentreffer vom Punkt beim Stand von 2:1.

"Der Knackpunkt ist nicht der Elfmeter, sondern dass wir fünf, sechs Konter ohne Übersicht in die Füße des Gegners spielen", fand Jansen deutliche Worte.

"Das sind Anfängerfehler. Das ist nicht unglücklich, das ist dumm."

Jubiläumsgeschenk aus der Hand gegeben

"Ich bin stinkesauer", schimpfte auch Trainer Thorsten Fink. "Eine Neun-Punkte-Woche zum 125. Geburtstag, das wäre perfekt gewesen."

Vor der großen Jubiläums-Gala am Samstag mit dem Heimspiel gegen Hannover 96 hat die Mannschaft schon vorher das schönste Geschenk aus der Hand gegeben.

"Das war unsere eigene Blödheit", sagte Adler zu SPORT1: "Wir haben uns selbst um den Lohn gebracht und es am Ende ausgespielt wie eine Kindergartenmannschaft."

"Müssen uns cleverer anstellen"

Anstatt kurz vor Schluss den Ball in den eigenen Reihen zu halten und das Ergebnis über die Zeit zu retten, brachten sie die dezimierten Gastgeber durch ein unnötiges Foul in der Nachspielzeit noch einmal in Freistoßposition.

Alvaro Dominguez nutzte die Chance zum Last-Minute-Ausgleich.

"Wir hätten uns in der einen oder anderen Situation cleverer anstellen müssen", wusste auch der HSV-Coach, der dennoch von einer "Topleistung" sprach.

Der Aufwärtstrend beim Bundesliga-Dino hat sich nach dem 3:2 gegen Dortmund unverkennbar fortgesetzt - da waren sich Gäste und Gastgeber einig.

Ilicevic will keinen Fair-Play-Preis

Strittig war nach 90 Minuten hingegen die Szene, die zum Elfmeter und dem Platzverweis für Stranzl geführt hatte.

Die Fernsehbilder belegten, dass Gladbachs Verteidiger HSV-Angreifer Ivo Ilicevic im Zweikampf nicht getroffen hatte.

Von Stranzl darauf angesprochen, hatte Ilicevic jedoch überhaupt kein Interesse daran, seine Schwalbe zuzugeben und ein Kandidat für den nächsten Fair-Play-Preis zu werden.

Auch Schiedsrichter Deniz Aytekin, der erst kürzlich beim Gelb-Rot für Hannovers Szabolcs Huszti in die Kritik geraten war, fühlte sich nicht bemüßigt, Stranzls Hinweis auf seine Unschuld nachzugehen.

"Das sind leider Fehlentscheidungen, über die man reden muss. Aber es ist nicht einfach, weder für den Schiedsrichter noch für uns Spieler", sagte Stranzl.

Ein Spiel Sperre für Stranzl

Auf der Gegenseite hatte der Innenverteidiger vor seinem Kopfball zum 1:1 Heiko Westermann gefoult - der Treffer hätte nicht zählen dürfen.

"Ich habe mich ein bisschen aufgestützt", gab Stranzl später zu.

Gladbachs Abwehrchef wurde am Tag danach vom DFB für ein Spiel gesperrt.

"Wir brauchen noch viel, viel Zeit"

Die Gladbacher hatten nach dem Dusel-Punkt in Leverkusen nun erneut das Glück auf ihrer Seite. Die Probleme blieben die gleichen.

"Wir haben in der Vorwärtsbewegung zu schnell den Ball verloren. Gekämpft haben wir, aber fußballerisch war es ganz schlecht", sagte Borussia-Kapitän Filip Daems.

So sah es auch sein Trainer. "Wir brauchen noch viel, viel Zeit", sagte Lucien Favre.

Und warnte davor, sich zu große Hoffnungen auf den Kombinations-Fußball der Vorsaison zu machen:

"Die Frage ist, ob es überhaupt klappt."

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