Der VfB Stuttgart beendete die vergangene Saison auf dem sechsten Platz © getty

Stuttgart macht mit der Pleite gegen Hoffenheim den Fehlstart perfekt und bringt Sportchef Bobic auf die Palme. Cacau sorgt sich.

Von Matthias Becker

München/Stuttgart - Sven Ulreich hatte wirklich alles getan.

Zwei Mal rettete der Torhüter des VfB Stuttgart in der 58. Minute des Duells mit 1899 Hoffenheim spektakulär gegen Joselu und Takashi Usami. 616718 (DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Da seine Abwehrspieler aber nur interessiert zusahen, konnte Fabian Johnson zum 3:0 (1:0)-Endstand für die Gäste abstauben - und das Debakel für den VfB perfekt machen. (BERICHT: Hoffenheim verschärft VfB-Krise)

"Wir haben eine bodenlose Leistung gebracht. So darf man kein Bundesligaspiel bestreiten", klagte der bemitleidenswerte Ulreich, an diesem Abend der einzige Stuttgarter mit Erstliga-Niveau.

"Indiskutabel, grottenschlecht!"

Es ist wieder Herbst in Stuttgart und der fast schon traditionelle Fehlstart der Schwaben ist nach der ersten Bundesliga-Pleite gegen die Filiale aus dem Kraichgau (fünf Ex-Stuttgarter in der Startelf) komplett.

Mit zwei Punkten aus fünf Spielen und noch ohne Heim-Tor lieferte der VfB den schlechtesten Auftakt seiner Bundesliga-Geschichte ab. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Die Leistung war indiskutabel, grottenschlecht! Wir werden mit den Spielern hart ins Gericht gehen, aber intern. Das Einmaleins des Fußballs hat heute nicht funktioniert", schimpfte Sportdirektor Fredi Bobic bei LIGA total!.

Haarsträubendes Defensiv-Verhalten

Nach einem guten Start mit zwei Chancen durch Serdar Tasci und Vedad Ibisevic brachen die Stuttgarter komplett ein.

"Wir bekommen viel zu viele Gegentore, vor allem zu einfache Gegentore - das muss man knallhart so sagen und auch ehrlich zu sich selbst sein", ergänzte Bobic bei "sky".

Beim 0:1 durch Usamis Solo-Lauf stand die Defensive Spalier, vor dem 0:2 erlaubte sich der neu in die Startelf gekommene Georg Niedermeier einen haarsträubenden Ballverlust, das 0:3 war dann Slapstick pur.

Labbadia fürchtet "Polemik"

"Eine Bankrotterklärung" hatte die "Stuttgarter Zeitung" gesehen. Eine, die Trainer Bruno Labbadia langsam aber sicher in Nöte bringen könnte. Er wäre nicht der erste Stuttgarter Coach, der im Herbst seinen Hut nehmen müsste.

Im Vorjahr hatte er den VfB noch in ruhigere Gewässer geführt, jetzt ist schon wieder Alarm.

"Jetzt werden Hektik und Polemik aufkommen", vermutete Labbadia, "damit müssen wir umgehen".

Sein Kredit ist aber noch nicht aufgebraucht. "Was willst du da jetzt über einen Trainerwechsel reden? Wir glauben voll an den Trainer - und er an uns. Es liegt an uns Spielern," sagte Kapitän Serdar Tasci.

"Wir werden jetzt die Ruhe bewahren, sind uns der Situation bewusst und müssen jetzt den Bock umstoßen und drei Punkte holen", forderte Bobic.

Personaldecke sehr dünn

Allerdings hat der Vorjahressechste bei diesem Vorhaben auch mit selbstgemachten Problemen zu kämpfen.

Gegen Hoffenheim fehlte sämtliche Neuzugänge verletzt: Tunay Torun (Muskelhüllenriss im Oberschenkel), Daniel Didavi (Knorpelschaden im Knie) und Tim Hoogland (Bänderris im Knöchel).

Da Martin Harnik zudem seine Gelb-Rot-Sperre absaß, mangelte es Labbadia an Alternativen.

Der bewusst klein gehaltene Kader könnte für den anstehenden Drei-Tages-Rhythmus in Liga und Europa League zu dünn sein. "Wir haben einen dünnen Kader und wussten, dass nicht viel passieren darf", sagte Bobic.

Cacau hat böse Erinnerungen

Nicht nur bei den Stuttgarter Fans, die ihrem Unmut lautstark Luft machten, kommen böse Erinnerungen auf.

"Es war schlecht von vorne bis hinten, aber wir werden die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Bei mir werden Erinnerung an die Saison vor zwei Jahren wach, und so eine Situation möchte ich nicht wieder erleben", warnte Stürmer Cacau.

Vor zwei Spielzeiten hatte Labbadia als insgesamter dritter Trainer der Saison den VfB erst dank eines starken Schlussspurts kurz vor Saisonende vor dem Abstieg gerettet.

Hoffenheim schwimmt sich frei

Die Gäste aus Hoffenheim können hingegen vorerst durchatmen.

Nach dem zweiten Sieg binnen vier Tagen machten die Badener einen Sprung auf Platz elf und überzeugten sowohl von der Einstellung her als auch spielerisch.

"Es war ein verdienter Sieg für uns. Es ist aufgegangen, was wir uns vorgenommen hatten. Die Jungs haben das nach dem 1:0 sehr gut umgesetzt", sagte Babbel.

Gegen den FC Augsburg können die Hoffenheimer am Samstag nun befreit aufspielen.

Ganz im Gegensatz zu den Stuttgartern beim Gastspiel in Nürnberg.

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