Die Bayern wirken fitter und hungriger als in den Vorjahren. So dominant und spektakulär spielte der FCB zuletzt unter Hitzfeld.

Das Spektakel ist zurück beim FC Bayern - und zwar endlich wieder auf dem Platz. Das zeigte nicht erst das 3:0 gegen Wolfsburg, das wesentlich höher hätte ausfallen müssen.

Auch wenn es manchem in München wie eine gefühlte Ewigkeit vorkommen mag, so liegt der letzte Titel zwar erst zwei Jahre zurück.

Große spielerische Galas gibt es aber seit Jahren nur relativ selten zu sehen. Die unbestreitbaren (nationalen) Triumphe unter Felix Magath und Louis van Gaal waren dominiert von Erfolgs- und Ballbesitz-Fußball.

Vieles erinnert in diesen beschwingten Münchner Herbsttagen an das erste Jahr unter Ottmar Hitzfeld in der Saison 1998/99. Damals erfand der neue Coach praktisch die Rotation - und der FC Bayern rotierte fast alle Gegner in Grund und Boden.

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Mit attraktivem Offensiv-Fußball spielte sich das Team frühzeitig zur Meisterschaft und erreichte die Endspiele im DFB-Pokal und Champions League.

Doch die dramatische Last-Minute-Pleite gegen Manchester United zerstörte auch die Rotation, in den Folgejahren setzte Hitzfeld erfolgreich auf eine Stammformation und zumindest mehr Ergebnis- als Erlebnis-Fußball.

Symptomatisch dafür stand die Glücks-Meisterschaft 2001 und der anschließende hart erkämpfte Champions-League-Sieg im Elfmeterschießen über Valencia.

Nun wandelt ausgerechnet der vier Jahre ältere Jupp Heynckes auf Hitzfelds Spuren. Der 67-Jährige rotiert derzeit das Münchner Star-Ensemble ähnlich durch wie vor 14 Jahren.

Und der Fußball von Ribery, Shaqiri, Mandzukic und Co. ist bislang mindestens so attraktiv anzuschauen wie damals.

Fünf Siege in Folge und 17:2 Tore sprechen für sich. Derzeit macht es den Eindruck, als werde jeder Spieler durch die neue Konkurrenzsituation stärker, weil er sich in jeder Begegnung neu beweisen muss.

Die Mannschaft wirkt - auch dank der langen Vorbereitung nach der strapaziösen und frustrierenden Vorsaison - wacher, fitter und hungriger.

Das gilt auch für Heynckes selber, der wesentlich dominanter und strenger auftritt als im letzten Jahr.

Offen ist, ob dieses Anfangstempo bis zum nächsten Mai durchzuhalten ist.

Ebenso wie die seit Hitzfelds erstem Jahr unbeantwortete Frage, ob sich die Rotation dauerhaft positiv auswirkt auf die Leistung oder ob man in der entscheidende Saisonphase doch nur mit einer eingespielten Stammelf Triumphe feiern kann.

Für den Moment macht es aber nicht nur Bayern-Fans wieder Spaß, dem zuletzt so gebeutelten Branchenprimus zuzuschauen. Nicht mehr, doch auch nicht weniger.

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