Trainer Huub Stevens führte Schalke 1997 zum UEFA-Pokal-Sieg © getty

Schalke siegt, aber Teile des Publikums pfeifen - den Trainer nervt das. Mainz ist trotz der Pleite zufrieden.

Aus Gelsenkirchen berichtet Thorsten Langenbahn

Gelsenkirchen - Von Spiel zu Spiel denken.

So lautet normalerweise die Lieblings-Floskel des modernen Fußballprofis. Erst recht während der englischen Wochen.

Doch bei Schalke dachten Profis und Verantwortliche nach dem zwei Tore zu hoch ausgefallenen 3:0 über Mainz (Spielbericht) noch immer an die 0:2-Heimpleite gegen den FC Bayern drei Tage zuvor.

"Dass wir in der zweiten Halbzeit gegen die Bayern so unterlegen waren, das hat vielleicht noch an dem einen oder anderen genagt", sagte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes über die fahrige Vorstellung seiner Elf. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Pfiffe trotz 1:0-Führung

"Es war eine nervös geführte Partie von uns", räumte Manager Horst Heldt ein.

Schon vor der Pause hatten einige der knapp 60.000 Zuschauer deshalb die eigene Mannschaft mit Pfiffen bedacht - sehr zur Empörung von Trainer Huub Stevens.

"Wenn man mit 1:0 führt, dann hoffe ich, dass mehr Verständnis vom Publikum da ist. Gerade wenn man eine junge Truppe und einen jungen Torwart hat", sagte der Niederländer. 616718 (DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Stevens verteidigt Unnerstall

Vor allem der aktive, aber unglücklich agierende Spielmacher Lewis Holtby sowie der in manchen Szenen nicht sonderlich souveräne Lars Unnerstall im Tor bekamen den Unmut von den Rängen zu spüren.

"Da möchte ich, dass der Torwart mehr Unterstützung bekommt", forderte Stevens.

"Der Nordkurve muss ich ein Kompliment machen. Die haben nicht gepfiffen", sagte Stevens weiter: "Aber die anderen, die haben scheinbar keine Ahnung von Fußball."

Hohe Ansprüche der Fans

"Das Fingerspitzengefühl der Nordkurve und die Unterstützung, wenn es mal nicht so läuft, wünscht man sich als Spieler vom ganzen Stadion", sagte Höwedes zu SPORT1.

Die Ansprüche im Umfeld des Champions-League-Teilnehmers sind offenbar höher denn je.

Sogar der Ruf nach dem ersten Meistertitel nach 55 Jahren hatte nach dem ordentlichen Saisonstart wieder die Runde gemacht.

"3:0 ist ein bisschen zu hoch"

Nach der Ernüchterung gegen die Bayern gab das maue Mainz-Spiel manchem frustrierten Fan scheinbar den Rest - die Versöhnung fand erst mit dem Applaus nach dem Schlusspfiff statt.

"Wir wissen alle, dass es kein schönes Spiel war. Aber nach dem kleinen Dämpfer gegen Bayern war das 3:0 ganz wichtig", betonte Höwedes.

Klaas-Jan Huntelaar gab zu: "Wenn man das Spiel sieht, ist 3:0 ein bisschen zu hoch. Wir sind zufrieden, dass wir jetzt zehn Punkte haben."

Mit dieser Ausbeute liegt der Tabellendritte nach fünf Spieltagen schon wieder auf Kurs in Richtung Königsklasse - also voll im Soll.

Mainz abschlussschwach

Verteidiger Niko Bungert wertete die Pfiffe der Schalke-Fans auch als Anerkennung des Mainzer Widerstands: "Die Zuschauer waren bis zur 80. Minute unruhig. Daran hat man gesehen, wie aggressiv wir waren."

"Bis zum Sechzehner haben wir ordentlich kombiniert, aber im Abschluss nichts zustande gekriegt", sagte Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger.

Erst neun Minuten vor Schluss hatten die Gastgeber das vorentscheidende 2:0 erzielt nach einer Koproduktion der Ex-Mainzer Christian Fuchs und Holtby.

"Die allerletzte Gier hat gefehlt"

"In der allerletzten Aktion hat uns die Gier, die Durchschlagskraft und die Ruhe gefehlt", sagte Mainz-Coach Thomas Tuchel: "Ich bin zufrieden, auch wenn die Niederlage sich bitter anfühlt."

Lichtblicke gab es aus Schalker Sicht trotz der Misstöne: Huntelaar überließ Jefferson Farfan selbstlos den Elfmeter, weil er sich wegen seiner Zehenprellung nicht zu 100 Prozent sicher fühlte.

Keine Selbstverständlichkeit für einen Torjäger, der auch in dieser Saison wieder um die Torjägerkanone kämpfen möchte.

Afellay mit guten Ansätzen

Holtby erzielte schließlich doch noch den spielentscheidenden Treffer und Ibrahim Afellay deutete bei seinem Startelfdebüt zu Hause an, wie wertvoll er noch für die "Knappen" sein kann.

Zum mehr oder weniger versöhnlichen Schluss dachten die Schalker deshalb doch wieder von Spiel zu Spiel.

Höwedes meinte mit Blick auf die Partie bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf am Freitag nüchtern: "Wir möchten natürlich schöneren Fußball spielen als gegen Mainz, aber wenn es vom Ergebnis her wieder so läuft, würde ich das auch annehmen."

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