Jürgen Klopp (l.) kam 2008 aus Mainz zu Borussia Dortmund © getty

Der Coach knöpft sich den vierten Schiri vor, das BVB-Ass tobt in den Katakomben: Nach dem 3:3 in Frankfurt ist der Frust groß.

Von Felix Götz

München/Frankfurt - Trainer Jürgen Klopp brüllte dem vierten Offiziellen Guido Kleve aus wenigen Zentimetern ins Gesicht und wurde in der Nachspielzeit auf die Tribüne geschickt und sieht sich einem Ermittlungsverfahren des DFB ausgesetzt.

Innenverteidiger Mats Hummels tobte in den Katakomben der Commerzbank Arena, trat gegen eine Wand, knallte eine Tür zu und schrie laut "WAZ":

"Scheiß Zusammenspiel! Was für ein scheiß Zusammenspiel!"

Das 3:3-Spektakel bei Eintracht Frankfurt (Spielbericht) hat Borussia Dortmund offensichtlich hart getroffen.

Kein Wunder:

Innerhalb von vier Tagen kassierten die Schwarz-Gelben - inklusive der 2:3-Pleite in Hamburg - sechs Gegentore, als Fünfter hat der Meister bereits sieben Zähler Rückstand auf Spitzenreiter FC Bayern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

"Egal, wo Bayern steht"

"Mir ist es egal, wo Bayern steht", meinte der ebenfalls angefressene Kapitän Sebastian Kehl.

Und Sportdirektor Michael Zorc ergänzte: "Die Tabelle interessiert nur euch Journalisten. Wir haben letztes Jahr nicht auf die Tabelle geschaut und machen das nun auch nicht. Und nach ganz oben geht unsere Blickrichtung derzeit ohnehin nicht."

Denn das eigentliche Problem ist ein anderes: Die Borussia bekommt ihre Defensivprobleme derzeit nicht in den Griff, agiert ungewohnt unkonzentriert.

Acht Gegentore kassierte das Team mit der drittbesten Defensive der vergangenen Spielzeit in den ersten fünf Partien - nur bei Stuttgart und Hoffenheim klingelte es bisher häufiger.

Besonders ärgerlich: Dortmund gab in Frankfurt gleich zwei Mal eine Führung aus der Hand. In einer starken ersten Hälfte besorgten Lukasz Piszczek (25.) und Marco Reus (28.) die 2:0-Führung.( 616718 DIASHOW: Der 5. Spieltag) )

Phase der vielen Gegentore

Nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff waren die Hessen dank der Tore von Stefan Aigner (49.) und Takashi Inui (51.) zurück in der hochklassigen Partie.

"Seit ich in Dortmund bin, haben wir die unterschiedlichsten Phasen gehabt", erklärte Klopp bei LIGA total!:

"Nun machen wir eine Phase durch, in der wir viele Gegentore fressen. Gut gemacht von der Eintracht, schlecht gemacht von uns."

Zwar brachte der eingewechselte Mario Götze die Borussia nur drei Minuten nach dem 2:2 wieder in Front, doch Anderson (73.) setzte nach einer Standardsituation den Schlusspunkt.

Kehl spricht Klartext

"Es mangelt an der Abstimmung, wir sind nicht konsequent genug. Die Abstände in den Mannschaftsteilen sind zu groß", nahm Kehl kein Blatt vor den Mund.

Das Fazit des 32-Jährigen: "Wie in Hamburg lag es auch wieder mehr an uns, dass wir nicht gewonnen haben. Wir müssen uns jetzt an den eigenen Ohren aus dem Dreck ziehen."

So sieht es auch Klopp. "Wir werden es schaffen, irgendwann weniger oder gar keine Tore mehr zu kassieren", prophezeite der 45-Jährige bei "Sky".

Der Meistertrainer räumte ohne wenn und aber ein, dass seine Borussia derzeit "nicht gut" spielt, er wies völlig zurecht aber auch auf die starke Leistung der Gastgeber hin.

Klopp lobt die Eintracht

"Das war der beste Umschaltfußball, den ich je von Frankfurt gesehen habe", lobte der frühere Mainzer und einstige Eintracht-Jugendcoach den Aufsteiger.

Der noch ungeschlagene Aufsteiger bleibt auf Höhenflug, 13 Zähler und Rang zwei sprechen für sich.

"Wir genießen es, dass wir so einen guten Start haben und so gut Fußball spielen", freute sich Eintracht-Coach Armin Veh, für den der BVB vorbildlich ist:

"Seit Jahren spielen sie so, wie es im modernen Fußball sein soll. Wir haben immer wieder geschaut, wie Dortmund spielt, deswegen hat es mich gefreut, solch ein Kompliment von Jürgen Klopp zu bekommen."

Punkt nicht gestohlen

Die Frankfurter scheinen derzeit die besseren Dortmunder zu sein.

Wenig überraschend also, dass es dem Deutschen Meister von 1959 nicht an Selbstvertrauen mangelt.

"Nach dem 0:2 mussten wir viel investieren. Danach war es ein Spiel auf Augenhöhe. Am Ende war der Punkt sicher nicht gestohlen", stellte Kapitän Pirmin Schwegler fest.

Da widersprachen ihm nach diesem Abend auch die Dortmunder nicht.

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