Andreas Müller bestritt als Profi 338 Bundes- ligaspiele für Stuttgart, Hannover und Schalke © getty

Vor dem Derby in Stuttgart spricht Hoffenheims neuer Manager bei SPORT1 über seine Aufgabe - und wehrt sich gegen Gerüchte.

Von Reinhard Franke

München - Gleich in seinem ersten Spiel als neuer Manager bei 1899 Hoffenheim brachte Andreas Müller den Erfolg zurück in den Kraichgau.

Das erlösende 3:1 gegen Hannover 96 (Nachbericht) bedeutete den ersten Saisonsieg für die mit drei Niederlagen gestarteten Badener. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach drei Jahren Auszeit ist Müller zurück auf der Bundesliga-Bühne und will mit Hoffenheim so schnell wie möglich raus aus der Abstiegszone .

Vor dem Derby beim VfB Stuttgart (Mi., 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der gebürtige Schwabe bei SPORT1 über seine neue Aufgabe, Trainer Markus Babbel, Tim Wiese - und bezieht Stellung zu Gerüchten um angebliche Vetternwirtschaft (Bericht).

SPORT1: Herr Müller, es halten sich die Gerüchte, dass Sie Ihren neuen Job nur dem in Hoffenheim einflussreichen Spielerberater Roger Wittmann zu verdanken haben. Was sagen Sie dazu?

Andreas Müller: Der Vorwurf langweilt mich, das ist frei erfunden. Wahr ist: Ich habe den Job über ein aus meiner Sicht sauberes Auswahlverfahren und mehreren Gesprächen mit der Geschäftsführung, den Gesellschaftern und nicht zuletzt dem Trainer der TSG Hoffenheim gekriegt. Zu Roger Wittmann: Ich habe als Manager auf Schalke eine aus meiner Sicht sehr erfolgreiche Geschäftsbeziehung zu ihm unterhalten. Danach hatten wir keinen Kontakt mehr, als Spielerberater stand ich zuletzt ja auch im Wettbewerb mit ihm. Er hat mich in der vergangenen Woche angerufen und mir zum neuen Job gratuliert - wie eine Menge anderer Leute übrigens auch.

SPORT1: Nun zum Sportlichen: 1899 Hoffenheim hat nach vier Pflichtspielpleiten zum Saisonstart gegen Hannover den erhofften Befreiungsschlag gelandet. Alles Müller, oder was?

Müller: Dass ich gegen 96 zum ersten Mal mit auf der Bank saß und viele sagen, ich sei der Glücksbringer, das ist nun mal so. Aber die Mannschaft hat genau das umgesetzt, was mit dem Trainerteam erarbeitet wurde. Ich konnte das feststellen, weil ich bei jedem Training dabei war. Letztendlich liegt es an der Mannschaft das umzusetzen, was die Vorgaben sind. Es stand eine Mannschaft auf dem Platz, die leidenschaftlich und mit großem Willen gezeigt hat, unbedingt gewinnen zu wollen.

SPORT1: Warum wurden die Vorgaben erst jetzt umgesetzt?

Müller: Die Truppe hat ja auch in den Wochen zuvor Qualität gehabt, aber vielleicht musste es zu einem solchen Wendepunkt jetzt kommen. Ich will kein neuer Heilsbringer sein. Es war ein erster kleiner Schritt.

SPORT1: Sie wehren sich gegen den Begriff Heilsbringer?

Müller: Ja. Ich bin ein Arbeiter. Ich kann Entwicklungen erkennen, dann muss man sie analysieren und eine einheitliche Linie im Klub haben. Es gibt vielfältige Aufgaben. Vor allem bist du als Manager als Kommunikator gefragt. Da sehe ich meine wichtigste Aufgabe.

SPORT1: Wo sehen Sie Ihre Stärken als Manager?

Müller: Eine meiner Stärken ist, dass ich mit beiden Beinen auf dem Boden stehe, sachlich bleibe und die Emotionen aus vielen Dingen im Fußball rausnehmen kann. Einen guten Manager zeichnet aus, dass man Dinge erkennt und in allen Bereichen konsequent handelt.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu Markus Babbel?

Müller: Wir kennen uns aus der Bundesliga, haben gegeneinander gespielt, aber wir sind keine Freunde. Eine Freundschaft muss sich entwickeln. Er ist ein richtig guter Typ, er ist geradeaus. Wir haben uns gesagt, dass wir uns immer offen und ehrlich die Meinung sagen werden, wenn etwas ist. Loyalität ist mir ganz wichtig, dazu kommt eine hohe Leistungsbereitschaft und unbändige Leidenschaft gepaart mit Siegeswillen und Disziplin. Das sind Werte, für die ich einstehe. Das ist auch bei Babbel und mir so.

SPORT1: Werden Sie auch mit Tim Wiese reden? Ohne ihn gab es den ersten Sieg.

Müller: Wenn man neue Spieler in den Verein holt, dann bedarf es einiger Zeit und Geduld und dann braucht es zu diesen Spielern, die als Führungsspieler angesehen werden, großes Vertrauen. Vertrauen kriegt man, wenn man sich kennt. Man sollte dem Jungen Zeit geben, sich von seiner Verletzung zu erholen und dann richtig in die Truppe zu finden. Es ist unfair, so etwas nur an einem Spieler festzumachen. Klar, Wiese polarisiert und deswegen stürzen sich alle auf ihn, aber gefragt ist die ganze Mannschaft.

SPORT1: Sie waren drei Jahre raus aus dem Geschäft. Hatten Sie irgendwann Angst, dass die Tür für Sie ganz zu ist?

Müller: Nein. Ich habe selber die Zeit gebraucht, um Abstand zu bekommen. Nach über 20 Jahren Schalke 04 war das nicht ganz einfach für mich. Ich hatte immer wieder Kontakt zu dem ein oder anderen Klub, aber es hat nicht gepasst. Zuletzt habe ich gemerkt, dass das Beratergeschäft nicht das ist, was ich will. Es war alles eine tolle Erfahrung und jetzt bin ich gut gerüstet, in diesem Verein zu arbeiten.

SPORT1: Am Mittwoch geht es zum VfB Stuttgart, Ihrem Ex-Klub und dem von Herrn Babbel.

Müller: Es ist ein Derby und wir müssen das umsetzen, was wir gegen Hannover gezeigt haben. Das Publikum in Stuttgart kann sehr ungeduldig werden und dafür müssen wir sorgen. Wir müssen mit einer Kompaktheit auftreten und mit gutem und schnellem Spiel nach vorne. Es beginnt wieder bei null. Die Tugenden gegen 96 müssen bei uns Standard werden.

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