Philipp Wollscheid (l.) wechselte vor der Saison vom 1. FC Nürnberg zu Bayer Leverkusen © imago

Leverkusen steht nach dem schlechtesten Saisonstart nach über 30 Jahren unter Zugzwang. Gladbach schwächelt in der Defensive.

Leverkusen - Sascha Lewandowski blickte auf den Zettel in seiner Hand und wusste nicht recht, ob er lachen oder weinen sollte.

27 Torschüsse hatten die Datensammler für Bayer Leverkusen beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach (Bericht) gezählt, ein in der Bundesliga überragender Wert.

Dann drehte der Bayer-Trainer das Papier um und sah seine Mannschaft auf Platz 13 der Tabelle. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das ist zu wenig. Wir stehen weiter unter Druck", sagte Lewandowski über die nackten Zahlen, die so gar nicht zum furiosen Sturmlauf seiner Mannschaft im West-Duell passen wollten. 615909 (DIASHOW: Tops und Flops 4. Spieltag)

Tor wie vernagelt

"Wir spielen überlegen, treffen aber nicht. Irgendwie ist das auch das Faszinierende am Fußball - für uns leider im negativen Fall", sagte Sportdirektor Rudi Völler über das unglückliche Remis, das Leverkusen mit nur vier Punkten im unter Tabellendrittel verharren lässt.

Denn die Wahrheit ist auch: Schlechter aus den Startlöchern gekommen war Bayer zuletzt vor 30 Jahren, als nach vier Spielen nur ein Sieg und 1:11 Tore auf dem Konto standen.

"Unterm Strich ist der Ertrag zu gering, deshalb bleibt der Druck hoch. Wir hätten hier einen Befreiungsschlag landen können", sagte Lewandowski, dessen Mannschaft wie schon beim 0:0 gegen Metalist Charkow ihre Überlegenheit nicht nutzen konnte.

Mehr als der Ausgleich durch Michal Kadlec (12.) sprang bei dem Chancen-Festival nicht heraus.

Schürrle-Fehlschuss: "Das ist bezeichnend"

Nicht einmal der Handelfmeter von Andre Schürrle (70.) fand den Weg ins Netz, sondern sprang vom Pfosten gut 30 Meter zurück ins Feld. "Das war bezeichnend. Ich spiele gut, mache aber die Dinger nicht rein", sagte der Nationalspieler.

Ein Sieg am Mittwoch bei Schlusslicht FC Augsburg (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist daher beinahe Pflicht, wenn der Anschluss an die vorderen Plätze endlich geschafft werden soll.

"Es ist gut, dass schnell das nächste Spiel kommt", sagte Völler und ist sich allen Zahlen zum Trotz sicher: "Wenn wir so spielen wie gegen Gladbach, werden auch die Tore und die Siege wieder kommen."

Xhaka: "Das war Müll"

Noch immer in der oberen Tabellenhälfte steht dagegen die Borussia - trotz der bislang "schlechtesten Leistung", wie Mittelfeldspieler Granit Xhaka zugab: "Nach dem 1:1 war das kein Fußball von uns. Das war einfach Müll."

Selbst Max Eberl konnte sich nicht erinnern, wann die Borussia zuletzt so viele Chancen zugelassen hatte: "Da habe ich wahrscheinlich selbst noch gespielt", so der Sportdirektor. Das ist immerhin mindestens acht Jahre her.

Besonders in der Offensive gelang nach der schnellen Führung durch Patrick Herrmann (3.) nicht mehr viel, Mittelstürmer Luuk de Jong blieb erneut blass und wurde ausgewechselt.

Ter Stegen nimmt de Jong in Schutz

Der überragende Marc-Andre ter Stegen nahm dennoch die gesamte Mannschaft in die Pflicht.

"Luuk ist nicht alleine auf dem Platz. Wir alle haben noch nicht unseren Teil beigetragen", sagte der Nationaltorhüter, der mit seinen Glanzparaden den Punkt festgehalten hatte.

Am Mittwoch (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) kommt nun der erstarkte Hamburger SV an den Niederrhein. Nach vier sieglosen Pflichtspielen will die Borussia dann ihren Abwärtstrend stoppen:

"Wir müssen van der Vaart ausschalten", sagte Stürmer Mike Hanke und hatte noch einen anderen wertvollen Tipp: "Auf keinen Fall dürfen wir wieder so viele Chancen zulassen."

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