Andreas Müller (l.) war von Mai 2006 bis März 2009 Manager bei Schalke 04 © imago

Hoffenheims neuem Sportdirektor wird eine zu große Nähe zu Spielerberater Wittmann nachgesagt. LIGA total!-Experte Lienen warnt.

Sinsheim - Für Coach Markus Babbel war Andreas Müller zwar der ersehnte Glücksbringer, doch der neue Manager von 1899 Hoffenheim machte trotz seines erfolgreichen Einstands kein glückliches Gesicht.

"Dieses Thema langweilt und ärgert mich", sagte der angefressene Müller nach dem 3:1 (1:1) gegen Hannover 96 (Bericht).

Anstatt über den ersten Erfolg seines neuen Klubs nach sieben Pflichtspiel-Niederlagen in Folge zu sprechen, musste Müller erneut Rechenschaft über seine angebliche Nähe zu Spielerberater Roger Wittmann ablegen.

Job dank Wittmann?

Nach wie vor halten sich die Gerüchte, dass Müller seinen neuen Job nur dem in Hoffenheim einflussreichen Wittmann zu verdanken hat.

"Es geht um die Qualität der Spieler, die man bekommen kann. Und wenn Roger Wittmann diese Spieler bringen kann, dann muss man sie nehmen", sagte der Sportchef, der schon in seiner Zeit bei Schalke 04 wegen der Verpflichtung einer Vielzahl von Wittmann-Profis kritisiert worden war:

"Ich suche Spieler nie danach aus, wer der Berater ist. Wir haben mit diesen Spielern Champions League gespielt. Das kann also so schlecht nicht gewesen sein", sagte Müller.

LIGA total!-Experte Ewald Lienen warnte vor dieser Konstellation, dass mit Tim Wiese, Sejad Salihovic, Roberto Firmino und Tobias Weis auch vier Wittmann-Schützlinge im 1899-Kader stehen.

Lienen: "Es kann Druck aufgebaut werden"

"Dann besteht schon die Gefahr, dass eine gewisse Gehaltsstruktur Einzug hält, die man eigentlich gar nicht möchte, weil andere Spieler des gleichen Beraters die gleichen Gelder haben wollen. Es kann Druck aufgebaut werden - man kann plötzlich Spieler verlieren, die man gar nicht verlieren möchte", sagte Lienen.

"Es ist völlig klar, dass dadurch eine zu große Hausmacht besteht, völlig unnötig und für mich auch ungesund", sagte Lienen und verwies auf die Beispiele Schalke und Kaiserslautern aus der Vergangenheit. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ähnlich sieht das Sportdirektor Dirk Dufner vom badischen Lokalrivalen SC Freiburg.

"Es ist nicht gut, wenn Berater zu viele Spieler bei einem einzelnen Verein unter Vertrag haben", sagte Dufner im "SWR"-Fernsehen mit Blick auf die Situation in Hoffenheim.

Müller stellt sich den Fans

Die Wittmann-Diskussion muss Müller sicher auch bei seinem ersten Treffen mit Fanvertretern am Donnerstag, einen Tag nach dem Lokalderby bei seinem Ex-Klub VfB Stuttgart, führen.

Unabhängig vom Ausgang der Partie in seiner Geburtsstadt sieht der neue Manager dem Gespräch mit Spannung entgegen. "Ich möchte jemand zum Anfassen sein und hoffe, dass ich eine Chance bekomme", äußerte der 49-Jährige.

Versprechen möchte Müller den Fans trotz des ersten Schritts aus der Krise aber nichts.

Zu früh für Prognosen

"Sicher bin ich so selbstbewusst, um zu sagen, dass man mit der Mannschaft etwas erreichen kann. Aber alles ist noch sehr frisch. Es wäre nicht richtig, schon jetzt Prognosen abzugeben", sagte der frühere Profi: "Ich muss mich einleben. Das kann sehr schnell gehen, weil ich das Gefühl habe, dass ich hier willkommen bin."

An dieser Einschätzung ließ auch Babbel, der sich selbst vom Teammanager wieder zum Trainer degradiert hatte, keinen Zweifel.

"Für mich ist es wichtig, einen Mann neben mir zu haben, der Titel gewonnen hat und der Manager bei so einem hochemotionalen Klub wie Schalke war", sagte der Coach.

"Die Gespräche mit Andreas in den vergangenen Tagen haben mir schon einmal gut getan. Hoffentlich geht das auch zukünftig der Mannschaft so, wenn sie merkt, dass da einer weiß, wovon er spricht", ergänzte Babbel.

Profis mit neuem Schwung

Die Verpflichtung Müllers schien den Profis bereits am Sonntag neuen Schwung verliehen zu haben. 615909 (DIASHOW: Tops und Flops 4. Spieltag)

Vor lediglich 23.575 Zuschauern drehten die Hoffenheimer, die ohne den zuletzt schwachen, allerdings auch verletzten Torwart Wiese auskommen mussten, die Partie nach einem Rückstand.

Nach dem Eigentor von Matthieu Delpierre (26.) trafen Fabian Johnson (27.), Salihovic (82.) und Daniel Williams (90.+2).

Wie groß die Erleichterung im Kraichgau war, verriet allein ein Blick auf Mäzen Dietmar Hopp. Erst klatschte der Milliardär auf der Tribüne stehend Beifall, dann eilte er zur Gratulation in die Kabine.

Slomka faltet Spieler zusammen

Mit Glückwünschen hatte Hannovers Trainer Mirko Slomka nichts am Hut. Nach der ersten Niederlage im zehnten Pflichspiel der laufenden Saison faltete der Coach seine Profis zusammen.

"Das Spiel war schon in der ersten Hälfte nicht gut, und in der zweiten Halbzeit waren wir noch schlechter. Unsere Fehlpassquote war grausam. Wir hatten keinen Punkt verdient", sagte Slomka, der am Mittwoch gegen den 1. FC Nürnberg um den Einsatz der angeschlagenen Leon Andreasen und Artur Sobiech bangen muss.

"Wir sollten schleunigst in eine bessere Verfassung kommen", warnte der Ex-Schalke-Coach.

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