Thomas Berthold sieht in der Vorstellung gegen Bayern den Beleg, dass Schalke nicht reif für das Titelrennen ist.

Hallo Fußball-Freunde,

Meine Erkenntnis des Spieltags lautet: Bis auf die Bayern kommen die deutschen Klubs mit der Doppelbelastung aus Bundesliga und Europapokal nicht klar.

Die Bayern kennen das seit Jahrzehnten, und dass sie derart rotieren können, ist viel wert, wenn man auf mehreren Hochzeiten tanzt. Für Teams wie Hannover und Gladbach ist das Ganze dagegen Neuland.

Wobei mich die Schalker bei Bayerns Sieg auch enttäuscht haben: Die sind ja überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da fehlten Biss und Härte, die haben sich fast wie eine Schülermannschaft präsentiert. Und das vor eigenem Publikum.

Es gibt für mich insofern auch keinen Titel-Dreikampf, das ist ja lächerlich: Es gibt allein ein Duell zwischen Bayern und Dortmund.

Anders als die Schalker hingegen hätten die Dortmunder bei ihrer Pleite beim HSV das Spiel noch drehen können, so viele Chancen hatten sie. Es hat aber die Frische gefehlt, es gab auch ungewohnt viele Fehlpässe, und Marco Reus hatte obendrein einen schlechten Tag erwischt.

Ich glaube allerdings nicht, dass diese Niederlage und der verpasste Rekord das Team von Jürgen Klopp nun aus der Bahn werfen. Dafür hat die Mannschaft einfach zu viel Qualität.

Und nach vier Spieltagen fünf Punkte Rückstand auf die Bayern zu haben, interessiert doch niemanden in Dortmund - ich erinnere nur an die letzte Saison, als die Bayern schon viel weiter enteilt waren und die Dortmunder zum Schluss doch noch das Rennen gemacht haben.

Beim HSV dagegen ist es sehr wichtig für die Moral, den Meister geschlagen zu haben. Aber ob die Hamburger deshalb nun wieder richtig in der Spur sind? Ich traue dem Braten nicht so ganz. Die Mannschaft hat mit Rafael van der Vaart jetzt zwar einen Hochkaräter, aber insgesamt stelle ich die Qualität mal infrage.

Eintracht Frankfurt ist für mich die Sensation schlechthin. Vom Potenzial her muss die Zielsetzung jedoch sein, von Spiel zu Spiel zu schauen - was Armin Veh sehr gut macht. Am Ende kann es aber nur um den Klassenerhalt gehen.

Dass bei Hoffenheim nun Andreas Müller als neuer Manager das Sagen hat, spielt für eine Mannschaft übrigens keine Rolle. Bei 1899 nun von so etwas wie dem Müller-Effekt zu sprechen, ist kalter Kaffee.

Was Markus Babbel angeht: Wer mit seinem Team in den ersten vier Pflichtspielen 15 Gegentore bekommt, muss sich als Trainer auch mal hinterfragen, wie er die Mannschaft einstellt. Auch wenn der Sieg über Hannover nun verdient war.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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