Der BVB gewann vergangene Saison das Double aus Meisterschaft und Pokal © imago

Borussia Dortmund läuft seiner Meisterform bislang hinterher. Vorne und hinten hapert es. Der FC Bayern droht davonzuziehen.

Von Hardy Heuer

München - "Es war ein gebrauchter Tag": Diese Aussage von Jürgen Klopp hat die Gefühlslage des Trainers von Borussia Dortmund bestens beschrieben.

Die Niederlage beim Hamburger SV (Bericht) hinterließ beim Meistertrainer seine Spuren und brachte viele Fragen auf.

"Wo waren die denn in der Sitzung", ärgerte sich Klopp über die Spielweise seiner Mannschaft bei "Sky". Ihm missfiel so ziemlich alles, was seine Elf am Wochenende auf den Rasen brachte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Der Anfang, der Mittelteil und das Ende. Die Anfangsphase war richtig beschissen", ließ er kein gutes Haar am Auftritt seiner Spieler: "Viel gefallen hat mir nicht." 615909 (DIASHOW: Tops und Flops 4. Spieltag)

"Dem eigenen Fußball hinterhergerannt"

Auch Marcel Schmelzer drückte seine Unzufriedenheit aus. "Wir sind in den ersten 20 Minuten dem eigenen Fußball hinterhergerannt. Wir haben versucht, ihn zu finden, aber das hat nicht geklappt", sagte der Linksverteidiger.

Besonders die mangelhafte Chancenverwertung sorgte bei Klopp für Kopfschmerzen. Eine Schwäche, die beim BVB allerdings nichts Neues ist.

Bereits in den beiden vorangegangenen Spielzeiten ließ Dortmund hochkarätige Torchancen liegen, konnte diese Partien aber irgendwie doch noch gewinnen. Nicht in Hamburg.

Watzke kritisiert mangelnde Effektivität

"In mehreren Situationen musst du den Ball einfach reinmachen", kritisierte auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

"Uns hat die Leichtigkeit gefehlt", sagte Klopp, konnte der Pleite aber auch etwas Positives abgewinnen.

"Die Niederlage war sehr lehrreich, weil wir nicht immer einen Rückstand wettmachen können", erklärte bei LIGA total! der Meistercoach, den der Fünf-Punkte-Rückstand auf den FC Bayern München nicht aus der Bahn wirft.

Klopp erwartet Steigerung

"Das ist mir relativ wurscht und auch das kleinste Problem, das ich habe. Auch das Ende der ungeschlagenen Serie (31 Spiele) stört ihn wenig: "Die Serie ist vorbei, aber wir können jetzt theoretisch eine neue starten."

Klopp rechnet mit einer Steigerung im Laufe der Saison: "Ich habe noch nie ein Team trainiert, das seine beste Phase an den ersten fünf Spieltagen hatte."

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Dafür muss Dortmund aber vor dem Tor endlich effektiver werden. "Wir hatten unglaublich viele Chancen, Riesenchancen, die wir eigentlich machen müssen - dann gehen wir bestimmt auch nicht als Verlierer vom Platz", sagte ein enttäuschter Mats Hummels.

Auch defensiv anfällig

"Wir mussten sehr viel falsch machen, um das Spiel zu verlieren", analysierte der Innenverteidiger, der aber ebenfalls Teil einer neu aufgeflammten Baustelle ist - der Defensive.

Normalerweise ist die Meister-Abwehr mit Lukasz Piszczek, Neven Subotic, Hummels und Marcel Schmelzer eine Bank, in dieser Spielzeit ist das Quartett aber seit Saisonbeginn alles andere als sattelfest.

"Wir definieren uns über die Defensive. Da war der Trainer natürlich angefressen, das wird auch Thema in der Mannschaftssitzung sein", erklärte Watzke.

Zorc fordert weniger Fehler

"Wir müssen wieder dazu kommen, weniger Fehler zu machen", forderte auch Sportdirektor Michael Zorc und konnte seinen Ärger nicht verbergen: "Wir haben ein Jahr lang nicht verloren und dann das hier."

Auch Klopp ärgerte neben den vergebenen Chancen das schwache Abwehrverhalten.

"Da gibt es jetzt keinen Ärger, aber es ist beides scheiße", erklärte der 45-Jährige Coach: "Es ist ja nicht so, dass wir in den letzten Jahren eine Fülle an Toren bekommen haben, sondern wir verteidigen normalerweise gut. Gegen Hamburg haben wir das nicht getan und haben deshalb einen mitgekriegt."

Das sah auch Kapitän Sebastian Kehl so: "Wir haben dieses Spiel selbst entschieden - in beide Richtungen."

Bereits am Dienstag kann der BVB wieder in die Spur zurückfinden.

Bayern droht davonzuziehen

Bei Eintracht Frankfurt (Di., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER), das alle vier Spiele siegreich bestritt, muss Dortmund unbedingt gewinnen, um den Anschluss an den FC Bayern München nicht komplett zu verlieren.

"Natürlich müssen wir die Fehler abstellen, die wir gegen Hamburg in der Defensive gemacht haben. Aber wenn wir so viele Chancen herausspielen, dann sollte es in Frankfurt keine Probleme geben", betonte Hummels gegenüber SPORT1.

Die zahlreichen Möglichkeiten müssen dann aber auch genutzt werden.

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