Sejad Salihovic (l.) wechselte 2006 von Hertha BSC Berlin nach Hoffenheim © getty

Nach dem Sieg über 96 fällt nicht nur 1899-Trainer Babbel eine Last von den Schultern. Der neue Manager lobt, Slomka motzt.

Sinsheim - Markus Babbel klatschte auf der Bank mit Andreas Müller ab, die Spieler ließen sich von den Fans feiern, und Mäzen Dietmar Hopp eilte als erster Gratulant in die Kabine:

Bei 1899 Hoffenheim war die Erleichterung nach dem ersten Saisonsieg riesengroß.

"Die Jungs haben gezeigt, dass sie Fußball spielen und fighten können. Das haben sie bis zur letzten Sekunde unter Beweis gestellt", freute sich Trainer Babbel bei LIGA total! für sein Team.

Mit dem 3:1 (1:1) gegen Hannover 96 (Bericht) feierten die Kraichgauer nach sieben Pflichtspiel-Niederlagen in Folge das erhoffte Erfolgserlebnis. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Volland als Glücksgriff

Beim Einstand des neuen Managers Müller bewies der in die Kritik geratene Coach Babbel ein goldenes Händchen. 615118 (DIASHOW: Der 4. Spieltag)

Der in der 81. Minute eingewechselte Kevin Volland bereitete die beiden späten Treffer von Sejad Salihovic (82. ) und Daniel Williams (90.+2) mustergültig vor.

"Mir ist es schon lieber, wenn ich von Anfang an spiele. Aber wenn ich reinkomme, versuche ich mich bestmöglich ins Team einzufügen, und ich denke, dass es gut geklappt hat", erklärte Volland bei LIGA total!.

"Dass die Jungs Charakter haben, wusste ich schon vorher. Kompliment an sie, dass sie nie aufgegeben haben", sagte Babbel: "Diesmal haben wir zugepackt."

Casteels vertritt Wiese

Zwischen den Pfosten tat das diesmal Koen Casteels.

Der Belgier vertrat den zuletzt schwachen Torwart und Kapitän Tim Wiese, dem eine Adduktoren-Verletzung zusetzt.

Beim Rauslaufen offenbarte Casteels einige Schwäche, insgesamt hielt er sich mangels echter Beschäftigung aber halbwegs schadlos.

Müller sehr zufrieden

Müller verteilte Komplimente an das Team und den Trainerstab.

"Ich habe alle Trainingseinheiten in dieser Woche verfolgt und muss sagen, dass die Mannschaft sehr konzentriert war. Die Vorbereitung vom Trainerteam war exzellent. Das ist ein erster kleiner Schritt."

Der Ex-Schalker hatte "große Leidenschaft gesehen, der Sieg war aufgrund der zweiten Halbzeit hochverdient. Ich habe bei der Mannschaft den absoluten Willen gesehen, gewinnen zu wollen."

Hoffenheim kann aufatmen

Babbel, dessen Team in der Schlussphase klar überlegen war, darf vor dem Derby am Mittwoch bei seinem Ex-Klub VfB Stuttgart einmal tief durchatmen.

"Wir standen unter Druck, weil wir in den ersten vier Spielen nicht die Resultate erzielt haben, wie wir es uns erhofft hatten", betonte Babbel: "Dann kommt natürlich Kritik und große Unruhe in den Verein. Deshalb war es umso wichtiger, dass die Jungs gezeigt haben, was sie können."

Für Andreas Beck war der Heimerfolg die richtige Antwort auf die laute Kritik. "Es wird immer relativ schnell populistisch, wenn man keinen Erfolg hat. Genauso in den letzten Jahren, wenn wir in der Vorrunde viel Erfolg hatten, waren wir eine super Einheit", sagte der Rechtsverteidiger:

"Das basiert aber immer auf Ergebnissen und wenn Ergebnisse kommen, dann kann man auch wieder von einer tollen Einheit sprechen."

Zieler unzufrieden

Den Hoffenheimer Rückstand durch ein Eigentor des französischen Innenverteidigers Matthieu Delpierre (26.) hatte Fabian Johnson nur wenige Sekunden später (27.) egalisiert.

Die noch nie im Kraichgau erfolgreichen Niedersachsen kassierten in ihrem zehnten Pflichtspiel der laufenden Saison die erste Niederlage.

"Das war heute nicht das Hannover 96 der letzten Wochen", ärgerte sich Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler bei LIGA total!:

"Wir haben es nicht verdient, hier irgendwas mitzunehmen. Wir haben in der zweiten Halbzeit keine gute Partie gespielt und haben Hoffenheim direkt nach unserem 1:0 ins Spiel zurückgebracht. Das darf in dieser Form nicht passieren."

Slomka angefressen

Auch Mirko Slomka war von der Vorstellung seiner Mannschaft wenig angetan.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit nach einem tempoverschleppten Spiel in Halbzeit eins noch weniger getan. Das ist für mich ernüchternd und total enttäuschend", ärgerte sich der 96-Trainer:

"Es hat mich überrascht, dass wir in einem Auswärtsspiel, wo wir wissen, dass der Gegner ein bisschen verunsichert ist, in der zweiten Halbzeit so wenig Druck entfachen können, um Fehler zu erzwingen."

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