Jupp Heynckes (M.) erreichte mit Bayern im Mai 2012 das Champions-League-Finale © getty

FCB-Boss Rummenigge freut der Traumstart, doch er warnt das Team auch. Coach Heynckes sieht Martinez noch nicht bei 100 Prozent.

Von Mathias Frohnapfel und Andreas Kloo

München - Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und die Teamkollegen schwangen sich am Sonntag auf die Räder, brausten durch den Perlacher Forst.

Und der wunderbare Sonnenschein passte nach dem 2:0-Sieg auf Schalke (Bericht) zur Laune der Bayern-Familie, zumal beim anschließenden öffentlichen Training auch Franck Ribery dabei war.

Der Franzose, der wegen Oberschenkelproblemen zuletzt aussetzen musste, dürfte gegen Wolfsburg (Di., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) wieder zum Kader gehören.

Dabei werden die Münchner Bosse genau darauf schauen, wie das Team mit dem Traumstart in die Saison umgeht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das waren Big Points"

Ob in Pokal, Champions League oder Bundesliga: Nach jedem Pflichtspiel jubelte der deutsche Rekordmeister, der Vorsprung auf den Erzrivalen Borussia Dortmund beträgt bereits fünf Punkte.

"Das waren Big Points!", stellte Karl-Heinz Rummenigge nach dem vierten Sieg im vierten Liga-Spiel fest. 615118 (DIASHOW: Der 4. Spieltag)

"Schalke ist ein Titelanwärter auf die deutsche Meisterschaft. Wenn man dann auswärts in dieser Manier gewinnt, kann man sehr zufrieden sein.?"

Rummenigge sieht weiten Weg

Doch der Münchner Vorstandsboss gab zugleich den ersten Mahner angesichts der außergewöhnlichen Frühform.

"Wir sind zufrieden mit der Tabellensituation, aber sind nicht wunschlos glücklich. Es ist noch eine lange Strecke", sagte Rummenigge bei LIGA total! "Wir dürfen jetzt bloß nicht überheblich werden."

In allen Interviews nach dem Spiel band Rummenigge immer wieder das Wörtchen "seriös" ein, die Lehren aus der vergangenen Saison haben die Münchner in Erinnerung wie ein Kind den Griff an die heiße Herdplatte.

"Wir hatten letzte Saison auch mal acht Punkte Vorsprung auf Dortmund - und wir wissen alle, wie das ausgegangen ist."

Lob von Watzke

Die Konkurrenz registriert die Aussagen der Bayern.

[kaltura id="0_o3nd6o3y" class="full_size" title="Netzer adelt Heynckes"]

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bescheinigte dem Rivalen im Volkswagen Doppelpass damit den richtigen Ton zu treffen, womöglich habe der FCB da auch von Dortmund gelernt, meinte Watzke mit einem Augenzwinkern.

Viele Bayern-Fans werden am Dienstag in Lederhosen in die Allianz Arena pilgern und hoffen auf die Fortsetzung der Münchner Festspiele während des Oktoberfests.

Jupp Heynckes ist diese Stimmungslage nicht geheuer. Der Bayern-Trainer wird daher wohl auch gegen die "Wölfe" rotieren und gibt anders als zum Beginn der Vorsaison schon jetzt den strengen Zuchtmeister.

"Ich bin nicht mehr dazu bereit, immer zu erklären, warum ich Spieler wechsle", sagte der 67-Jährige. "Der Substanzverlust ist extrem, nicht nur durch die Spiele, auch durch die vielen Reisen."

Schritt für Schritt mit Martinez

40-Millionen-Euro-Mann Javier Martinez will Heynckes deshalb langsam einbinden: "Javi kann nicht sofort auf dem Niveau des FC Bayern spielen, das geht nicht, sonst bräuchte man ja keine Saisonvorbereitung von sechs Wochen."

Die Erwartungen des Publikums beeindrucken den Coach nicht, indem er Gustavo gegen Schalke spielen ließ, zeigte er seine Unabhängigkeit.

Ex-Nationalspieler Günter Netzer findet das gut. "Damit tut er dem Jungen den größten Gefallen", sagte er in der "Bild am Sonntag" zu Heynckes' Wechselspielen.

"Denn Martinez kann in dieser frühen Phase gar nicht die Erwartungen erfüllen. Deshalb ist es klug, dass bei Martinez die Angriffsfläche möglichst gering gehalten wird."

Abwehrpatzer machen Sorgen

Doch die Münchner wollen jetzt auch an weiteren Details ihres Luxuskaders feilen.

Das ist auch bei Jerome Boateng dringend nötig. Der Nationalspieler lud die Schalker mit einem durchaus peinlichen Schnitzer zum Konter ein und hatte Glück, dass Julian Draxler dabei den besser postierten Mitspieler Klaas-Jan Huntelaar übersah.

Es war nicht der einzige Aussetzer der Bayern-Defensive in dem Spiel, und auch schon gegen Mainz hatte Dante einen Elfmeter verursacht.

In der Endphase des Champions-League-Auftakts gegen Valencia gab es ebenfalls einige Wackler.

Manuel Neuer hat das längst wachgerüttelt. "Wir dürfen nicht auf einer Wolke schweben und uns einlullen lassen", mahnte er jetzt die Teamkollegen.

Gegen Wolfsburg werde es "schwierig", glaubt der Keeper und kennt auch schon den Grund dafür: "Felix Magath ist immer heiß gegen Bayern zu gewinnen, das weiß ich aus meiner eigenen Zeit mit ihm als Trainer."

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